„Der Spiegel“: Bullshit über Gene


Von Alan Posener starke-meinungen.de

Im Sommerloch geraten wir Journalisten leicht in Panik, und so kann es kommen, dass der „Spiegel“ eine Titelgeschichte der Zerstörung eines Mythos widmet, den es gar nicht gibt, nämlich des Mythos, wir würden einzig und allein von unseren Genen kontrolliert.

Nie haben verantwortliche Wissenschaftler einen solchen Unsinn behauptet; und so kann Spiegel-Autor Jörg Blech auch kein einziges entsprechendes Zitat eines Genforschers anführen. Neulich hat – im „Spiegel“-Interview – Craig Venter wieder einmal entsprechende Fragen der Journalisten zurückgewiesen.

Eher wurde der Mythos der alles bestimmenden Gene von Gegnern der Genforschung und Gentechnik verbreitet, um leichtgläubigen Lesern und Technophoben Angst einzujagen.

Wer ein bestimmtes „Krankheitsgen“ besitze, werde bald keine Versicherung mehr finden; wer es sich leisten könne, werde „Designerbabys“ genetisch modellieren lassen, so dass künftig die Reichen immer klüger und schöner, die armen immer fetter und doofer werden würden. Und so weiter.

Verantwortliche Wissenschaftler (und Journalisten) haben immer betont, erstens, dass die meisten menschlichen Eigenschaften Produkte des Zusammenwirkens mehrerer, vielleicht sogar sehr vieler Gene sind; und zweitens, dass die Auswirkungen einer gewissen genetischen Prädisposition – ob zur Fettsucht oder zur Intelligenz – in starkem Maße von der Umwelt abhängen. Alte Weisheiten wie „man ist, was man isst“, oder „mens sana in corpore sano“ sind nie in Frage gestellt worden.  Der „Spiegel“ führt wieder einmal einen Kampf gegen Windmühlen.

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