Beten für einen Atheisten?


Der bekannte Atheist Christopher Hitchens ist an Speiseröhrenkrebs erkrankt. Besonders am 20. September soll für den Religionsgegner gebetet werden, darzu ruft eine christliche Gruppe im Internet auf. Foto: CNN / pro

Er ist einer der prominentesten Vertreter des modernen Atheismus. Vor zwei Monaten verkündete der Journalist und Buchautor Christopher Hitchens, dass er in fortgeschrittenem Stadium an Speiseröhrenkrebs erkrankt ist. Im Magazin „Vanity Fair“ schreibt der erbitterte Religionsgegner nun von seinem Umgang mit Krankheit und Tod. Dass Christen für ihn beten wollen, ist ihm Recht. „Wenn sie sich dann besser fühlen…“

pro-Medienmagazin

Neben dem Biologen und Buchautor Richard Dawkins und dem amerikanischen Philosophen Daniel Dennett gilt Hitchens zu den bekanntesten Atheisten unserer Tage. Hitchens, der mit seinem Buch „Der Herr ist kein Hirte – Wie Religion die Welt vergiftet“ einen Bestseller landete, sorgte im April für Schlagzeilen, weil er zusammen mit Dawkins, Autor des Buches „Der Gotteswahn“, vorschlug, den Papst festnehmen zu lassen.

Ironischerweise zählt ausgerechnet der Bruder des 61 Jahre alten Christopher Hitchens, Peter, zu denen, die dem Atheisten widersprechen. Der zweieinhalb Jahre jüngere Bruder veröffentlichte vor kurzem sein Buch „Rage Against God: Why Faith is the Foundation of Civilisation“ (Wut auf Gott: Warum der Glaube die Grundlage unserer Zivilisation ist). Darin beschreibt er seinen Weg von einem überzeugten Atheisten des linken politischen Spektrums hin zu einem konservativen Christen.

Humorvoll gegen den Glauben

Eigentlich sollte Christopher Hitchens jetzt auf Lesetournee sein, um seine soeben erschienenen Memoiren mit dem Titel „Hitch 22“ vorzustellen. Aufgrund der Krebs-Diagnose im Juni und eine Chemotherapie musste er jedoch alle Termine absagen. Hitchens schreibt seit 18 Jahren für das amerikanische Monatsmagazin „Vanity Fair“. Immer wieder waren seine Themen dabei Glaube, Kirche und Religion, selbstverständlich meistens ablehnend, oft satirisch und sehr humorvoll. Er zog über gläubige Christen in der US-Armee her oder erläuterte, warum die Zehn Gebote in seinen Augen eigentlich ziemlich überflüssig sind.

weiterlesen

6 Comments

  1. Bevor ich nicht das Gegenteil sehe, möchte ich Menschen (gleich welchen imaginären Begleiters) doch ein gewisses Maß an Freundlichkeit zuschreiben.

    Daher – genauso wie ich (wenig wirkungsvoll, aber immer mit gewisser Hoffnung) jemandem die Daumen drücke – so möchte ich doch eine freundliche Geste darin sehen, wenn jemand für einen anderen betet.
    Selbst wenn mir klar ist, daß es kein Wunder begründen wird…

    und, ja, das macht das Leben kostbar. Daß es enden wird.
    Darum laßt uns die Zeit nutzen, nicht für Unterwerfung, sondern für all die tollen Sachen, die man so machen kann.
    (Wenns nicht schadet…. 😉 )

    Nicht jammern. Sondern froh sein, daß wir sie noch haben dürfen. Wenigstens noch für ne Weile…
    und uns.

    Liken

  2. Ah und btw.: PZ Myers (Pharyngula) hat grad anscheinend auch grad ein ernsthaftes Herzproblem und ist im Krankenhaus. Weiss nicht ob da auch jemand betet. Auch bei PZ hoffe ich sehr dass er wieder fit wird… die Welt wäre ärmer ohne ihn.

    Liken

  3. Leider sieht’s für Hitch wirklich düster aus. Ich glaube mehr als 80% überleben nicht die nächsten 5 jahre.

    Es wäre echt schade um ihn.

    Liken

  4. Religion und Beten sind nun mal Selbstbetrug, egal, wie das Beten gemeint ist. An meiner Beerdigung wird auf jeden Fall keine Pfaffe in der Nähe sein ! Dafür habe ich gesorgt !

    Liken

  5. Ist doch schön zu wissen, dass jemand an einen denkt und einem etwas Gutes wünscht. Das ist das, was es bringen kann: Jemandem das Gefühl zu geben, dass er nicht allein ist.

    Weniger schön sind die Häme und der Hass von Leuten, die für das Gegenteil beten und Hitchens einen qualvollen Tod wünschen: Aber hey, vielleicht erzeugt das Reaktanz nach dem Motto „jetzt sterbe ich erst recht nicht“^^

    Was die göttliche Intervention betrifft, wäre der Test wohl die von Dawkins vorgeschlagene Doppelblindstudie mit Leuten, die nicht wissen, ob für sie gebetet wird oder nicht.
    (Blöd nur, dass dann der ganze Sinn der Aktion für den Patienten verloren geht, weil er eben nicht mehr weiß, dass jemand an ihn denkt…)

    Da Glauben als Option für mich wegfällt, kann ich ihm höchstens wünschen, dass es wieder besser wird oder dass zumindest die verbleibende Zeit lebenswert sein wird.

    Liken

  6. Man kann ihm nur die Daumen drücken.
    Und daß Christen für ihn beten wollen, ist halt deren Ausdruck von Liebenswürdigkeit und menschlicher Größe.
    Warum soll es sowas unter Christen nicht geben, auch wenn sie ihren (von uns bezweifelten) imaginären Freund haben…

    obs was bringt, darüber gehen halt die Geister auseinander.
    Daß mein Daumendrücken ihm hilft, würde ich ja eher bezweifeln – aber ich tu es dennoch. In Ermangelung etwas besseren.

    Liken

Kommentare sind geschlossen.