Gelebter Humanismus


Will sich wehren: Isabel Kirner (28) aus Haffkrug. Foto: MAXWITAT

Arbeitslosen schwangeren Frauen im Norden droht von heute auf morgen der finanzielle Absturz. Wer aufgrund möglicher Fehl- oder Frühgeburten vom Arzt ein Beschäftigungsverbot erhält, dem streicht die Agentur für Arbeit in Schleswig-Holstein mit sofortiger Wirkung das Arbeitslosengeld I.

Von Bastian ModrowLübecker Nachrichten

Betroffene Frauen sprechen von Diskriminierung, Sozialverbände von einem Skandal, zumal bereits mehrere Landessozialgerichte diesem Vorgehen von Arbeitsagentur widersprochen haben. Jetzt klagt die erste Schwangere vorm Lübecker Sozialgericht. „Ich bin schwanger – nicht krank“, sagt Isabel Kirner aus Haffkrug (Kreis Ostholstein). Die Pharmareferentin (Gehalt: 1800 Euro netto) ist seit Februar ohne Job, bekam Arbeitslosengeld. Stichtag für die Geburt ihres Kindes ist der 6. Oktober. „Mitte Juli musste ich zweimal wegen drohender Frühgeburten ins Krankenhaus und bekam vom Arzt ein Beschäftigungsverbot, um das Leben meines Kindes nicht aufs Spiel zu setzen“, sagt die 28-Jährige. Der finanziell gravierenden Folgen war sich die junge Frau nicht bewusst. „Ich stand mit beiden Beinen fest im Leben. Jetzt hat mir die Arbeitsagentur den Boden unter den Füßen weggerissen.“

Mit sofortiger Wirkung stornierte die Agentur für Arbeit die Zahlungen, was weitere Konsequenzen hat. „Ich habe keinen Anspruch mehr auf Mutterschutz, Kranken- und Elterngeld, muss mich über meinen Mann krankenversichern – rundum ein Ausfall von 10 000 Euro“, sagt Kirner und betont: „Jede alleinstehende Frau findet sich doch ganz schnell in einer Sozialwohnung wieder.“

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2 Comments

  1. Nein, wenn Du mal die rechtlichen Grundlagen genauer betrachtest, so ist da geschrieben, daß Anspruch auf ALG 1 nur hat, wer zur Vermittlung zur Verfügung steht.
    ZB ne Mutter mit Kindern daheim und ohne Kindergartenplatz ist auch nicht vermittlungsfähig.
    na, dämmert da was?

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  2. Das ist ja ungeheuerlich, lieber setzt die Agentur für Arbeit die Gesundheit von Mutter und Kind auf Spiel, als zu zahlen, was jedem zusteht. Offensichtlich gilt hierzulande ein Menschenleben auch nicht mehr viel.

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