Homöopathie: anekdotische Evidenz


Quelle: Skeptiker-Blog.ch

Homöopathie-Propaganda auf «Tagesanzeiger online»

Aam 28. August, hat der Tagesanzeiger einen Artikel veröffentlicht, in welchem Martina Frei, eine ehemalige homöopathische «Ärztin», erklärt, warum Homöopathie doch wirkt und warum alle Kritikerinnen und Kritiker der Homöopathie Unrecht haben.

skeptiker-blog.ch

Dieser Artikel ist ausgezeichnetes Anschauungsmaterial für die Argumentationsstrategie von Homöopathinnen und Homöopathen. An und für sich ist bereits mit den ersten Sätzen die weitere Argumentation zusammengefasst:

Verdünnt man Wirkstoffe, verlieren sie an Kraft. Das ist die allgemeine Erfahrung. Als homöopathische Ärztin habe ich früher aber auch andere gemacht.

Die Autorin als Expertin hat früher bestimmte Erfahrungen gemacht.  Dieses Argument ist der Kern homöopathischer Rechtfertigungen: «Anekdotische Evidenz». Das Subjekt hat alltägliche Erfahrungen gemacht – und diese Erfahrungen sind durchaus, für das betroffene Subjekt, real. Das Problem dabei ist, dass der Anspruch auf Wirksamkeit homöopathischer Mittel nicht durch anekdotische Alltagserfahrungen, sondern wissenschaftliche Methode zu prüfen ist.

Anekdoten anstatt Beweise

Weiter im Text führt die Autorin ein belangloses Erlebnis mit einem Homöopathie-Patienten aus:

Da war zum Beispiel der Patient, der wissen wollte, was genau in den Globuli stecke, die ihm gut geholfen hätten. «Eine Biene», antwortete ich. Der Patient schüttelte den Kopf: «Das war keine Biene», sagte er überzeugt. «Das war eine Hummel.» Ich fiel vor Erstaunen fast vom Stuhl. Zoologisch gehören Hummeln zur Gattung der Bienen. Sie sind den Honigbienen sowohl biologisch als auch in homöopathischer Hinsicht nah verwandt. Tatsächlich hatte der Patient homöopathisch zubereitete «Hummel» in Globuliform erhalten: in einer Verdünnung von 1030. Darin ist kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz mehr enthalten.

Was an dieser Anekdote wissenschaftlich relevant ist, ist unklar. Immerhin gibt die Autorin korrekt an, dass in den «Globuli» kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz vorhanden ist (rein mathematisch besteht natürlich die Möglichkeit, dass doch ein oder gar mehrere Moleküle vorhanden sind). Die Autorin interpretiert die obige Anekdote folgendermassen:

2 Comments

  1. @Isabelle:

    Doch, das ist sehr schwer zu verstehen: Es gibt keinerlei bekannten Mechanismus, wie das funktionieren sollte. Im flüssigen Wasser ausgebildete Strukturen haben eine Lebensdauer im Femtosekundenbereich!

    Ok, aber gehen wir der Diskussion zu Liebe davon aus, dass es wirklich zu einer ‚Informationsübertragung‘ auf das Wasser kommt und wir den Mechanismus einfach nicht kennen und lassen wir auch einfach weg, welcher Art diese ‚Information‘ denn sein soll. Dann stellt sich aber immer noch die Frage, woher das Wasser denn ‚wissen‘ soll, welche ‚Information‘ es sich merken soll. Also warum die der hömoöpathischen ‚Heilsubstanz‘, aber nicht die der Verunreinigungen (sowohl im Wasser als auch in der ‚Heilsubstanz‘)? Und welche Rolle spielt das Schütteln dabei?

    Gruß

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  2. Wenn in den Globuli bei entsprechend hoher Verdünnung auch von der ursprünglichen Substanz so gut wie nichts mehr nachzuweisen ist, ist es doch die Information, die die Substanz vermittelt hat, die wirkt. Das ist doch nicht sooo schwer zu verstehen, wenn man sich ein wenig damit befasst.

    Ist es denn „wissenschaftlich bewiesen“, dass mir z.B. ein Besuch im <a href="www.gesundes-bayern.de/de/gesundheit-praevention" gut tut und muss alles de Wissenschaft untergeordnet werden?

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