Katholische Falschheit


Am 8. April soll Kardinal Godfried Danneels (Foto) versucht haben, den jahrelang vom ehemaligen Brügger Bischof Roger Vangheluwe missbrauchten Mann von dem Gang in die Öffentlichkeit abzuhalten.

Es wird nicht ruhig um die Person von Kardinal Godfried Danneels. Am Wochenende veröffentlichten die Zeitungen »Het Nieuwsblad« und »De Standaard« den Wortlaut eines Gesprächs, das Danneels im April dieses Jahres mit dem Missbrauchsopfer des ehemaligen Brügger Bischofs Roger Vangheluwe geführt hatte.

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»Die Danneels-Bänder. Aufnahmen enthüllen, wie der Kardinal versuchte, den Vangheluwe-Skandal geheim zu halten«, titelte am Samstag »Het Nieuwsblad«. Das Opfer selber, ein heute 42-jähriger Neffe von Vangheluwe, hatte das Gespräch mit Danneels aufgezeichnet und der Presse die Tonbänder zur Verfügung gestellt. Interessant an den Aussagen, die Danneels bei dem Gespräch am 8. April in der Abtei von Steenbrugge machte: Entgegen der wenige Tage später vom Kardinal geäußerten Beteuerung, er habe »nur zugehört« wird deutlich, dass Danneels vielmehr versuchte, auf das Opfer einzuwirken. Der Skandal sollte nicht an die Öffentlichkeit gelangen, bevor Vangheluwe ein Jahre später in Rente gehen würde.

Bitte um Vergebung

Doch der Mann, den der Brügger Bischof im Alter zwischen 5 und 18 Jahren vielfach sexuell missbrauchte, lenkte nicht ein. Es komme nicht in Frage, dass Vangheluwe einen solchen feierlichen Abgang erhalte, ohne dass bekannt sei, welche Taten er begangen habe. Danneels erklärte zwar gegenüber dem Missbrauchsopfer, dass er die Taten von Vangheluwe verurteilte, aber er zeigte sich nicht gewillt, den Rücktritt des Bischofs durchzusetzen. Danneels schlug als »Kompromiss« vor, Vangheluwe solle um Vergebung für die Missetaten bitten, doch das war dem Opfer nicht genug. Der 42-Jährige blieb bei seiner Forderung, der Bischof solle zurücktreten. Daraufhin Danneels: »Es ist viel verlangt, dass jemand öffentlich vor jedermann bloßgestellt werden soll…«

Was in den folgenden Wochen geschah, ist inzwischen fast minutiös geklärt: Ein naher Verwandter des Missbrauchsopfers schickte eine Mail an alle belgischen Bistümer, in der über den jahrelangen Missbrauch durch Bischof Vangheluwe aufgeklärt wurde. In dem Schreiben forderte das Familienmitglied, der hohe Geistliche solle bis Pfingsten Konsequenzen ziehen – mit anderen Worten: zurücktreten. Und in der Tat, am 22. April gab Vangheluwe auf einer Pressekonferenz den Missbrauch zu und trat als Bischof mit sofortiger Wirkung zurück.

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