„Es gibt keinen Volks-IQ“


Prof. Dr. Markus Nöthen, Uni Bonn

Der Bonner Genetiker Markus Nöthen betont, dass Lernfähigkeit keine Frage der Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder sozialen Gruppe ist.

Kölner Stadt-Anzeiger

Herr Professor Nöthen, Thilo Sarrazin beschreibt Migranten-Gruppen wie Araber oder Türken als bildungsfern und lernschwach und leitet diese Eigenschaften auch von genetisch vererbten Anlagen her. Sind solche Thesen wissenschaftlich haltbar?

MARKUS NÖTHEN: Nein. Sarrazin bezieht sich auf Studien, nach denen 50 bis 80 Prozent der Intelligenz genetisch begründet seien. Fest steht, dass Intelligenz zu gewissen Teilen vererbt werden kann, es durch die Vielzahl der beteiligten Gene aber bei Nachkommen immer wieder zu neuen Kombinationen kommt. Weniger intelligente Eltern können hochintelligente Kinder haben und umgekehrt. Die Bandbreite ist riesengroß. Außerdem spielen die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen, in denen Kinder aufwachsen, für die Intelligenz ebenfalls eine wichtige Rolle. Wenn Migranten aus ländlichen Gebieten ohne nennenswerte Bildungsangebote zu uns kommen, ist deren Bildungstand logischerweise im Durchschnitt eher gering. Aber über die durchschnittliche Intelligenz dieser Gruppe sagt das überhaupt nichts aus. Sie wird eine ähnliche Zusammensetzung aus intelligenten und weniger intelligenten Mitgliedern aufweisen wie die Bevölkerung insgesamt.

Was weiß die Humangenetik denn über die Bedeutung genetischer Anlagen für bestimmte Eigenschaften?

NÖTHEN: Auch die neueste Forschung hat noch nicht verstanden, welche genetischen Anlagen und Konstellationen für die Ausprägung von Intelligenz ausschlaggebend sind. In jedem Fall kann man heute sagen, dass die Chancen eines Kindes, seine Fähigkeiten zu entwickeln, ganz erheblich von der ökonomischen Situation und dem Bildungsstand der Eltern abhängen. Gesellschaftspolitisch muss es doch darum gehen, jedes einzelne Kind seinen Fähigkeiten gemäß zu fördern. Ob es besonders intelligent ist oder nicht, kann sich immer nur am Individuum erweisen, nicht nach der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe.

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1 Comment

  1. Und neuerdings:
    Wir sind auch immernoch Einzeller.
    Nervenzellen haben keinen Selektionsvorteil gegenüber klassischen Zellen und
    NEU NEU NEU:
    Keine Intelligenzzunahme im Verlaufe der Evolution von affenartigen Menschenvorfahren zum Homo Sapiens festgestellt:
    Aufgrund der Nebulösität der Vererbung von Intelligenz müssen Aussagen über „angeblich“ vererbbare Intelligenz fallen gelassen werden.

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