Andreas Laun: Dodo des Monats August 2010


Dodo des Monats August 2010

Andreas Laun, M-o-r-a-l-theologe und Weihbischof hat also gewonnen. Für die, die sich in der römisch-katholischen Hierarchie nicht so auskennen, ein Weihbischof ist ein Hilfsbischof. Soll heißen, wenn ein „normaler“ Bischof der Hirte seiner Schafsherde ist, ist der Weihbischof quasi der Hund des Hirten. Er treibt das Schafsvolk, hält es zusammen und beißt, da wo es ihm notwendig erscheint. Herr Laun ist ein ganz besonderes Exemplar eines Hilfsbischofs, ein moralisierender noch dazu.

Ich erspare mir hier und jetzt auf die tragischen Ereignisse der letzten Loveparade in Duisburg einzugehen. Wir wissen um den Komplex menschlichen Versagens der dazu geführt hat, dass 21 Menschenleben zu bedauern sind. Wir verwahren uns auf das entschiedenste dagegen, dass da ein Moraltheologe von sich gibt, der „liebende“ und „strafende“ Gott habe gegen die Sünde ein Zeichen setzen wollen. Kopfschüttelnd kann ich diese kulturellen Autismus zur Kenntnis nehmen, akzeptieren will ich solch Geschwätz nicht. Die Strafe Gottes sei die Kehrseite seiner Liebe.

Mit solch obskurantischen Blödsinn lässt sich alles begründen. Die Opfer der Christianisierung, der Sklaverei, der Inquisition, der Weltkriege, des Holocausts, des Missbrauchs und AIDS. Hatten wir alles schon, der Gott der Eisen wachsen ließ, der kannte keine Knechte. Erst hat dieser ach so gütige, liebende, eifersüchtige alte Knecht seine Kinder aufeinandergehetzt und dafür gesorgt, dass die Schlachtfelder auch wie solche aussahen, bleiben die Schlachtfelder aus, sind es eben die vergnügungssüchtigen Schafe seiner Herde, die bestraft werden müssen. Wenn du dein Kind liebst, schlage es. Die Altherrenriege des Katholizismus spricht von Liebe, weiß aber überhaupt nicht was gemeint ist.

Herr Laun ist seines Zeichens auch noch Mitglied des Ordens „Der Oblaten des heiligen Franz von Sales“. Wer jetzt an Essen denkt liegt völlig falsch,

Ihre Hauptaufgabe sehen die Sales-Oblaten darin, Leben, Lehre, Werk und Spiritualität des hl. Franz von Sales auf allen möglichen Gebieten zu leben und zu verbreiten. In ihren Ordensregeln heißt es: Die Sales-Oblaten haben die Aufgabe, „die Nachfolge Christi und den Dienst der Kirche in der modernen Welt zu verwirklichen, indem sie die Lehre des hl. Franz von Sales leben und verbreiten. Der Dienst der Kirche kann alle Formen annehmen, die die Zeichen der Zeit verlangen.“ Dies geschieht vor allem in der Pfarrseelsorge, in Schule und Erziehung, sowie in der Missionsarbeit. Ein besonderes Tätigkeitsfeld stellt die Verbreitung der salesianischen Spiritualität mit Hilfe der modernen Kommunikationsmittel dar.

Spiritualität mit Hilfe der modernen Kommunikationsmittel. Da ergeben sich gewaltige esoterische Schnittmengen.

Etwas islamophob ist der Herr übrigens auch noch, so meint er doch, insbesondere in der Abtreibungsdebatte,

dass stattdessen jede Frau, die Kinder gebiert und aufzieht, entschlossen gefördert wird. Die Fristenlösung könne „viel später gar nicht mehr in Frage“ gestellt werden, da „wir dann die Herrschaft im eigenen Land verloren haben werden. Wahrscheinlich werden die Moslems sie abschaffen.

Er nennt das Kind aber beim Namen, Herrschaft, die gilt es ihm zu sichern, alles andere ist nebensächlich. Den Moslems, ja welchen denn bitte schön, traut er dann aber zu, die Fristenregelung abzuschaffen. Da will er auch hin, das sind seine geheime Wünsche.

„Wenn Europa die eigene Bevölkerung ausrottet, wird es zu einem großen Altersheim. Es entsteht ein Vakuum, in das andere Völker einströmen. […] In dem Augenblick, in dem sie die Mehrheit stellen, werden sie folgerichtig und demokratisch sagen: Wir sind mehr als ihr, also bestimmen wir.“ Mittelfristig könne sogar der „Stephansdom eine Moschee werden“.

Die Sprache des Katholizismus ist keine feine. Europa rotte seine eigene Bevölkerung aus. Der Stephansdom eine Moschee. Na und! Wieviele Synagogen haben den die Christen den Juden geklaut und umfunktioniert. Mir ist das völlig egal ob im Stephansdom Christus angerufen wird oder ein kräftiges Allah´u akbar ertönt. Vollkommen zufrieden wäre ich gestellt, wenn dort zum Beispiel eine Buchhandlung hinkäme, mit Leseecken, einem echten Wiener Kaffeestübchen und diesem exorbitanten Duft, den die Kaffeehäuser Wiens verströmen. Dieses Bouquet ist tausendmal lieblicher als der Gestank von katholischen Weihrauch.

Weiter im Text, bevor ich mich in der Wiener Kaffeekultur noch völlig verliere.

Weiter befürchtet er eine zukünftige Verfolgung des Christentums in Europa, die sich aus „Denkverboten Antidiskriminierungsgesetzen“ entwickeln könne. Christen seinen bereits jetzt „ein Stück weit Befehlsempfänger jener antiklerikalen Kreise, die in Europa das Sagen haben“. Laun nahm Bezug auf die Debatte um den Gottesbezug in der europäischen Verfassung sowie der Personalie Rocco Buttiglione.

Stimmt so nicht ganz. Die Katholiken sind doch nicht das Christentum, für das er hier vorgibt zu sprechen. Die Evangelikalen sind da auf dem Vormarsch und beherrschen perfekt den politischen Lobbyismus in Europa. Von dieser Perfektion sind die alten Männer des Katholizismus weit entfernt, nicht flexibel, eifersüchtig die eigenen Pfründe schützend, betonköpfig wie einst Leonid Breshnew, mauert sich der Popanz in seine 2000-Jahre alten Moralvorstellungnen ein. An folgenden Beispielen kann man die bigotte und menschenunwürdige Haltung des Herrn Laun erkennen:

Die Streichung der Homosexualität aus der internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation sei eine gesellschaftspolitische, aber keine wissenschaftliche Entscheidung gewesen.

Er sieht eine „Homosexualisierung der Gesellschaft“ im Gange.

Gott könne Homosexuelle heilen, dies sei jedoch nicht der Normalfall.

In seinem 2001 erschienen Buch zitiert er Untersuchungen wonach Homosexuelle aufgrund des „homosexuellen Lebensstils“ und dadurch von „AIDS, Hepatitis und anderen Schwulenkrankheiten“ eine durchschnittlich 20 bis 30 Jahre kürzere Lebenserwartung hätten.

Im Januar 2009 verglich Laun Aktivisten der Lesben- und Schwulenbewegung mit Moslems, weil beide angeblich ein Konversionsverbot befürworten würden.

Es reicht eigentlich. Der saubere Herr lässt kein Thema aus, um seine erbärmliche Moral an die Schafherde zu bringen. Dem würde ich noch nicht einmal die Fernbedienung meines Fernsehers anvertrauen, geschweige denn mir Rat holen in Sachen Ethik, Familie und ganz einfach Leben.

Der Dodo ist redlich verdient. Recht herzlichen Glückwunsch.

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