Hirsi Ali: Der Voltaire-Verschnitt des Islam


Quelle: wikipedia

Intellektuelle Hexenjagd
Der Widerstand gegen die Moschee von Ground Zero ist kein Zeichen neuen Hasses. Er ist das Resultat kontinuierlicher Desinformation

Von Pankaj MishraFreitag

In einem Artikel der New York Times über den anti-islamischen Hass, der momentan in den Massendemonstrationen gegen die sogenannte Moschee von Ground Zero zu Tage tritt, stellte Frank Rich in der vergangenen Woche die berechtigte Frage: „Wie will man die Herzen und Köpfe der Muslime in Kandahar gewinnen, wenn man den Muslimen in New York jede nur erdenkliche Beschimpfung und Schmähung angedeihen lässt?“ Amerikaner, die dieser „merkwürdige kollektive Nervenzusammenbruch“(Maureen Dodd) erschüttert, zeigen mit dem Finger auf die üblichen Verdächtigen: Es seien die Rechten, deren „Angstmache und Desinformation“ von dem „giftigen Resonanzraum der modernen Medien verstärkt“ werde. Dabei wurde schon lange vor dem August des Jahres 2010 Gift gegen den Islam versprüht, und das nicht allein von Rechten.

Bestseller-Autoren und Berufs-Ex-Muslime wie Ayaan Hirsi Ali mögen zu den „neuen Helden“ des Kreuzzugs der Republikaner gegen die Muslime avanciert sein, wie Peter Beinart es formulierte, sie dienen der Bigotterie und oft genug der schieren Unwissenheit des Westens über den Islam aber schon lange als Alibi. An diesem Montag übte die Hirsi Ali Deutschlands – die türkischstämmige Autorin Necla Kelek – den Schulterschluss mit Thilo Sarrazin, als dieser seine Auffassung bekräftigte, die Muslime würden die mutmaßlich „arischen“ Deutschen durch höhere Geburtenziffern langfristig zu einer Minderheit machen und alle Juden hätten ein gemeinsames Gen.

Die meisten dieser Renegaten verdienen gut an ihrem Feldzug gegen den Islam und werden von einflussreichen Institutionen und Einzelpersonen in den USA und Europa unterstützt. Hirsi Ali, die gerne der Voltaire des Islam wäre, wird nicht nur von rechtsradikalen Verrückten wie Pamela Geller und Glenn Beck begeistert unterstützt, sondern auch von der Herausgeberin und Journalistin Tina Brown. Gewiss legt Hirsi Alis Lebensgeschichte ein eindringliches Zeugnis von den Erniedrigungen ab, die Frauen in patriarchalen Kulturen zu erleiden haben. Sie soll ruhig behaupten dürfen, Muslime würden darauf programmiert, Ungläubige zu töten und die Körper von Frauen zu verstümmeln, auch wenn dies viele beleidigen mag. Wenn sie aber erklärt, der zivilisierte Westen habe keine andere Wahl als den barbarischen Islam im clash of civilisations auszumerzen, nützen solche Aussagen lediglich ihren neokonservativen Arbeitgebern und deren ideologischen Brüdern in den Höhlen Afghanistans und Pakistans. Und ihre jüngsten Aufforderungen an Muslime, zum Christentum überzutreten, rücken sie eher in die Nähe eines Billy Graham als in die Voltaires.

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1 Comment

  1. Die Frau ist allerdings nur mit vorsicht zu genießen. Teils hat sie recht teils hat sie inhumane thesen z.B. Thema Asylpolitik.

    Wie weit die ethischen Werte bei religionsfreien Menschen auseinander liegen sieht man auch an ihrem hübschen Pelzkragen…

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