Psychotherapie mit religiösen Fundamentalisten


Foto. Fotalia

Patienten mit einem fundamentalistischen Glaubenshintergrund stellen besondere Anforderungen an den Therapeuten. Er sollte nicht nur über die Religion des Patienten informiert sein, sondern muss sich auch über möglicherweise vorhandene Vorurteile hinwegsetzen können.

Von Dr. phil. Marion SonnenmoserDeutsches Ärzteblatt

Psychotherapie mit stark christlich-religiös orientierten Patienten (Fundamentalisten) stellt eine besondere Herausforderung dar. Denn diese Patienten kommen selten aus freien Stücken zur Therapie und sind schwer zugänglich. Sie erfordern einen anderen Umgang als Patienten, die weniger oder nicht gläubig sind. Nach Meinung amerikanischer Psychologen um Jamie Aten von der University of Southern Mississippi, USA, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit eine Psychotherapie mit Fundamentalisten durchgeführt werden kann:

  • Erstens sollten sich Psychotherapeuten mit dem christlichen Glaubenssystem auskennen und sich zusätzliche Kenntnisse über spezifische Glaubensinhalte einzelner Untergruppierungen, Freikirchen und Sekten aneignen. Zumindest sollten sie sich mit den wichtigsten Dogmen und Vorschriften der christlichen Gruppierungen befassen, denen ihre Patienten angehören. Solche Kenntnisse können dabei helfen, die Denk- und Verhaltensweise der Patienten einzuschätzen und nachzuvollziehen, ihre „Sprache“ zu sprechen und ihre Ausdrucksweisen richtig zu deuten.
  • Zweitens sollten Therapeuten sich ihre eigenen Einstellungen einschließlich Vorbehalten und Vorurteilen gegenüber Religion und christlichem Fundamentalismus bewusst machen und sich damit auseinandersetzen. Unbearbeitete Vorurteile können dazu führen, dass religiöse Patienten stärker pathologisiert und ihre Symptome oder Widerstände ungerechtfertigterweise auf den Glauben zurückgeführt werden. Therapeuten müssen nicht selbst religiös sein, um gläubige Patienten zu behandeln, sie sollten aber ihre Haltung reflektieren und darauf achten, dass diese die Therapie nicht beeinflusst. „Aus ethischen Gründen sollten Psychotherapeuten bei dieser Patientengruppe besonders auf Neutralität achten“, meinen Aten und Kollegen.
  • Drittens müssen Therapeuten damit rechnen, dass christlich-fundamentalistische Patienten Technik, Wissenschaft und Disziplinen wie Psychologie und Psychotherapie misstrauen und sie unter Umständen sogar ablehnen. Sie fürchten zudem, vom Therapeuten nicht als Mensch in seiner Gesamtheit gesehen und wegen ihres Glaubens abgelehnt zu werden. Manchmal besteht auch die Angst, dass der Therapeut versucht, sie vom „richtigen Weg“ abzubringen. Daher gibt es die Gefahr, dass sich die Patienten nicht öffnen und kein Vertrauen fassen, dass sie sich in ihre Glaubenswelt „flüchten“, wenn die Therapie ihrer Meinung nach keine Fortschritte bringt oder religiöse Konflikte aufspürt, und dass sie die Therapie frühzeitig abbrechen.

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4 Comments

  1. therapie gegen den willen des Patienten ist körperverletzung.

    Ob es dem Therapeuten paßt oder nicht.
    Und ob es dem Patienten gefällt oder nicht.
    entweder der will, oder er will nicht.

    Der Rest ist seine Sache.
    Erwachsener Mensch.

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  2. „Unbearbeitete Vorurteile können dazu führen, dass religiöse Patienten stärker pathologisiert und ihre Symptome oder Widerstände ungerechtfertigterweise auf den Glauben zurückgeführt werden.“

    Was ein Schwachsinn.
    Dazu muss man mal Glauben definieren.
    Wenn man dies im Fall von Fundis tut wird die Definition auf geradezu verblüffende Weise mit der Definition von Verfolgungs und Größenwahn übereinstimmen, bzw. Wortgetreu identisch sein, würde man die religiösen Begriffe aus der Definition kurzerhand herausstreichen um sie kürzer zu fassen.

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  3. insbesondere wichtig, wenn man davon ausgehen darf, dass psychologen und psychotherapeuten zu der am wenigesten religiösen berufsgruppe gehören (s. Wulff, D.M. (1997). Psychology of Religion. New York: John Wiley & Sons, Inc.).

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  4. Man sollte Religiotismus endlich offiziell in den ICD-Katalog aufnehmen, dann bräuchten die Therapeuten nicht so einen absurden Spagat zu versuchen: Da kommen Leute hin, die offensichtlich mehr als einen Knall haben, und man versucht um die eine, besonders gravierende, „Delusion“ herumzutherapieren …

    Gerade eben hat wohl wieder irgendwo hier in der Gegend so ein Rock/Zopf/Kopftuch – Ritual stattgefunden, es kamen einem fast nur (deutsche!) Familien-Vans entgegen. Geladen hatten die alle Männer in schwarzen billigen Anzügen und billigen weissen Hemden, in etwa gleichartig (treiben die eigentlich Inzucht??) aussehenden Frauen in unmodischen Röcken und mit rosa Tüll-Kopftüchern. Und jede Menge kurzgeschorene, blonde Jungen und Mädchen mit Zöpfen und Röcken und Kopftüchern.

    Da werde ich agressiv.

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