PIUS-Brüder auf „Nationalwallfahrt“


T-Online

Auch steil bergauf kommt Pater Robert Schmitt nicht aus der Puste. „Wir sind hier nicht auf einer Prozession“, sagt der 44-jährige Münchner, „sondern auf einer Wallfahrt.“ Schmitt beschleunigt den Schritt, als wolle er sich mehr abverlangen. Zusammen mit 50 Kleruskollegen der traditionalistisch-katholischen Pius-Bruderschaft und rund 600 Gläubigen aus den deutschen Pius-Gemeinden ist der 44-Jährige am Samstag auf den Frauenberg in Fulda gestiegen. Um Andacht zu halten, gemeinsam zu singen und zu beten. „Für mich, für uns“, sagt eine 40 Jahre alte Gläubige aus Tübingen: „Und für Deutschland.“

T-Online

Denn mit ihrem Ehemann, ihren sieben Kindern und einer befreundeten Familie ist die Tübingerin nicht zu einer Prozession aufgebrochen und auch nicht zu einer reinen Wallfahrt, sondern zu einer „Nationalwallfahrt“. Seit 2004 erneuert die erzkonservative Pius-Bruderschaft die Weihe Deutschlands an das „unbefleckte Herz Mariens“, erstmals vollzogen von deutschen Bischöfen 1954 auf dem Fuldaer Domplatz. Aber seither von der Deutschen Bischofskonferenz nicht mehr erneuert. Es dürfte der einzige Akt mangelnder Erneuerung sein, den die Pius-Bruderschaft der regulären katholischen Kirche vorwirft.

Denn die 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete Bruderschaft geißelt den „Modernismus“, der die aus Rom gelenkte Kirche heimgesucht habe. Getreu althergebrachter Liturgie halten die Pius-Gläubigen ihr Hochamt auf Lateinisch, in den Sitzreihen finden sich auf einer Seite die Männer, auf der anderen die Frauen und überall die mancherorts längst verschwundenen Kniebänkchen. 1975 verwies die römisch-katholische Kirche die Piusbruderschaft aus ihrer Mitte und exkommunizierte ihre vier geweihten Bischöfe, darunter auch den Holocaust-Leugner Richard Williamson. Papst Benedikt XVI. hob die Exkommunikation 2009 wieder auf.

weiterlesen

1 Comment

Kommentare sind geschlossen.