Die sozialdemokratischen Analphabeten?


Quelle: FAZ.NET

Sarrazin antwortet auf Gabriel

„Die SPD-Spitze kann nicht lesen“

Von Thilo SarrazinFAZ.NET

„Sigmar Gabriel stilisiert mich zum Wegbereiter von Hasspredigern, weil ich von der Evolutionsbiologie nicht schweigen will. Meine Thesen zur Sozialpolitik verfälscht er. Eine Antwort auf die Anklage, die mein Parteivorsitzender in der ,Zeit‘ gegen mich erhoben hat.“

Sigmar Gabriel hat in der „Zeit“ vom 16. September 2010 unter dem Titel „Anleitung zur Menschenzucht“ eine „Anklage“ gegen mich veröffentlicht. Darin zitiert er verfälschend aus dem Zusammenhang. Ich stelle fest:

Erstens. Die Fragen, die ich aufwerfe, gründen nicht in erster Linie auf Erkenntnissen der Genetik, sondern vorrangig auf kulturellen Entwicklungen: Ich kritisiere eine überproportionale Zunahme bildungsferner Schichten (auch durch Teile der Migration) in unserem Land, und weil diese Schichten deutlich mehr Kinder bekommen als die bildungsnahen, entstehen Leistungsprobleme im Land. Um dies zu verändern, fordere ich in meinem Buch (Seite 328/329) unter anderem: ab dem dritten Lebensjahr Kindergartenpflicht, um die Bildungsnähe aller Schichten zu fördern; Verschärfung der sprachlichen Anforderungen bei Immigration, damit auch die Kinder der sogenannten „Unterschicht“ die Schule bestehen können; Zuwanderung von Qualifikationen abhängig zu machen, um auch so die Bildungsschichten zu verstärken, die wir für die Zukunft unserer Gesellschaft brauchen. Das alles würde nicht nur die bildungsnahen Schichten fördern, sondern eben auch den Aufstieg aus den bildungsfernen.

Angeborene Ungleichheiten

Zweitens. Es ist richtig und wissenschaftlich unbestritten, dass Intelligenz auch vererblich ist (zu welchen Anteilen auch immer) und dass deswegen ein Land Wert darauf legen müsste, dass auch die beruflich erfolgreichen Frauen und Männer trotz ihrer starken Beanspruchung Kinder „wollen“ können. Dazu habe ich unterschiedliche Ansatzpunkte von besseren Betreuungsangeboten wie in Skandinavien oder Frankreich bis hin zum französischen Familiensplitting (Seite 389) diskutiert und eine andere, pauschale Auszahlung des Kindergeldes (Seite 389/390) in Erwägung gezogen. In diesem Zusammenhang habe ich auch die von allen Bildungspolitikern unbestrittene These aufgenommen, dass Bildung für die individuelle Entwicklung zwar wichtig ist, aber der Erfolg auch stark von der Familienleistung abhängt (Seite 235), die Eltern sich also kümmern müssen.

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9 Comments

  1. Ja, wir haben so unsere Besitzer, die wir verdienen…
    Noch im Stande der Leibeigenschaft (der Unterschied zur Sklaverei? Den Sklaven muß man ernähren).

    Da fällt mir doch glatt Brecht ein: die Regierung war mit dem Volke unzufrieden. am besten sie löste es auf und wählt sich ein neues…

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  2. TS hat mehrere Probleme.
    1) Was er sagt stimmt natürlich nicht immer. Das mit dem „Judengen“ war Blödsinn… er sagt das inzwischen sogar selber. Wer einmal so etwas sagt, der ist für immer unten durch, egal was danach kommt.
    2) Es gibt eine Horde Journalisten die sich auf jede Erwähnung von Tabuworten stürzen und den Verfasser sofort in die rechtest-mögliche Ecke stellen. Dadurch ensteht bei „moderaten“ Äußerungen von TS auch der Eindruck, dass er plötzlich „Kreide gefressen“ hat.

    Wir erziehen unsere Politiker, damit sie immer schön unverbindlich und political correct reden. Schert einer einmal aus explodiert sofort eine Megatonnen-PR-Bombe. Wir haben die Politiker die wir verdienen.

    Ich bevorzuge Klarsprech, auch wenn ich nicht immer zustimme. Immer nur unverbindlich quatschen und sich dadurch unangreifbar zu machen ist einfach feige.

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  3. ja, hab ich gelesen, überzeugt mich nicht.
    Klingt fast so, als hätte man die Pflicht… hm?

    Ich jedenfalls werde KEIN Geld für das Berühmte Buch T.S. ausgeben, und noch gibts dazu keine Pflicht.
    Damit erhält ein marktschreier, wie es viele gibt, nicht nur einen Stellenwert, der ihm nicht zusteht, sondern auch noch einkünfte, die er gar nicht nötig hat.

    Nur in einem gebe ich ihm Recht – die Beobachtung, daß viele Dummköpfe leben. Die Halbwissen und Meinung mit echtem Wissen verwechseln…
    Wer weiß, ob er o.a. Beitrag wirklich selbst formuliert hat. Hier unten bei uns Fußvolk iss das ja üblich, aber doch nicht für die Honoratioren…

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  4. Ich habs life erlebt.
    Ohne Kohle (und immer die rennerei, um wenigstens einigermaßen um die Runden zu kommen – man kann durchaus auch hungern in D, und zwar auch OHNE massive Interessen in Richtung elektronikkram etc, nur allein durch Behördendämlichkeit etc) und mit kleinen Kindern…

    Denen was anzubieten, das geistig anregend ist, ist echt schwierig ohne Geld. Kostet alles.
    Selbst die Büchereimitgliedschaft ist nicht mehr kostenfrei, schon lange nicht mehr.
    Immerhin gibts die noch, immerhin…

    Dazu noch der SChwachsinn aus dem TV (hatte kein Gerät, aber die lieben Kinder hatten Freunde…) und die dämlichen Begehrlichkeiten, die da geweckt werden…
    Dann noch der durchprogrammierte Freundeskreis der lieben Kinder…

    wirklich schwierig, gegen diese Dummkultur anzuschwimmen. Und dann noch diese hübschen selbsterfüllenden Prophezeihungen, die tun ihr übriges.
    Um Intelligenz an sich gents da schon gar nicht mehr. Man kann auch intelligente Kinder gezielt zu Dummköpfen machen, selbst wenn sie als Kleinkinder nicht unterversorgt waren…

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  5. Wenn schon „neuere Erkenntnisse“ einbezogen werden, dann sicher nicht die „neueren Erkenntnisse“ des beginnenden 20. Jahrhunderts (Stichwort „Judengen“).

    Natürlich müssen wir *allen* Kindern (Menschen) ein Optimum an Entwicklungsmöglichkeiten bieten, da hat Sarrazin schon recht. Aber ich bezweifle, dass er das wirklich will und ernst meint!

    Die neueren Erkenntnisse der Epigenetik weisen stark darauf hin, dass Unterversorgung zu einer Veränderung der Expression der Gene führt – und das diese Veränderung sich sehr negativ auf das Potential auswirken kann, auch noch nach zwei Generationen!

    In dieser Hinsicht ist also das extreme Bevorzugen der Einkommensspitze mit „Geschenken“ aller Art und das ebenfalls extreme Beschneiden der untersten Unterschicht – und hier gerade wieder der Kinder – eine Art „negative Zuchtwahl“! Hier werden Potentiale (bewusst, oder grob fahrlässig) schon in der Versorgung unterdrückt. Da hilft dann auch kein Kindergartenplatz ab 3 mehr. Wenn man Menschen die Zukunftsperspektive nimmt, wird ein Teil wahrscheinlich keine „Vorzeigeeltern“.[1]

    Herr Sarrazin ist bislang nicht damit hervor getreten, den Ärmsten mehr zuzugestehen und dafür der Einkommensspitze auch nur ein Jota abzuziehen. Ganz im Gegenteil! Wenn er also nun so tut, als ob er von Chancengleichheit spricht, dann ist das IMO nicht mehr, als seinen Kritikern Sand in die Augen zu streuen. Ich glaube ihm nicht!

    Gruß
    Omnibus56
    ___

    [1] Was absolut nicht heißen soll, dass diese ihre Kinder bewusst vernachlässigen. Aber wenn man ständigem Druck ausgesetzt ist, wenn man immer wieder mit dem Verdacht des Schmarotzertums konfrontiert wird, wenn man zum Bittsteller degradiert wird, wenn es mangels eigener Bildung und vielleicht auch eigener Fähigkeiten und der Forderungen des Arbeitsmarktes keine Hoffnung auf einen Ausbruch aus dem Teufelskreis gibt, fällt es immer schwer(er) ein ausgeglichenes Elternteil zu sein – zumindest schwerer als für Eltern, die auch ohne eigene Fähigkeiten aber mit reichlich Geld ihre Kinder – auch ohne Hochbegabung bei diesen – optimal fördern können…

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  6. irgendwie klingt der Thilo hier gar nicht mehr wie Thilo…
    Sollte der Wolf die kreide entdeckt haben?

    und macht es aus ihm ein Lamm, wenn er sie frißt?

    keine Ahnung.
    Aber doch schon auffällig, wenn er die Qualität der Ziegen bemängelt.

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  7. Tja, was soll man denn auch machen, wenn die Wissenschaft nicht in das sozialdemokratische Weltbild passt? Womöglich das Weltbild ändern? Nö, dann lieber die Wissenschaft zum Schweigen bringen. Das ist auch wesentlich einfacher, als zu diskutieren, welche politischen Konsequenzen man aus den neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen – Gentechnik etc. – sinnvollerweise ziehen sollte. Man kann nicht bis in alle Ewigkeit auf Totalverweigerung und Tabuisierung setzen.

    Das erinnert mich alles stark an die Willensfreiheits-Debatte vor ein paar Jahren. Damals passten die Ergebnisse der Hirnforschung auch nicht in die christliche Weltanschauung, da ohne den „freien Willen“ die religiösen Konzepte Schuld, Vergebung, Hölle usw. sinnlos werden würden. Auch seinerzeit hatte das tradierte Weltbild gesiegt…

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