Heiliger Krieg


Von Robert C. KoehlerBerliner Umschau

Es brauchte den Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten von Amerika, um einen Pastor aus Florida im Namen Gottes zu bewegen, seine pyrotechnische Gotteslästerung am 11. September abzusagen. Einige Tage danach ersuchte CNN einige seiner Blogbetreiber, sich zu der Angelegenheit zu äußern … „jetzt wo die Krise vorbei ist.“

Wir stecken bis zum Hals in zwei Kriegen (bitte um Entschuldigung – eineinhalb) und einer zusammenbrechenden Wirtschaft, um nicht zu reden von der globalen Erwärmung, endemischer Gewalt und der Hurricansaison, aber Terry Jones gruseliger Publicitygag hat den Stellenwert einer nationalen Krise: fast wäre es daneben gegangen! Fast hätten wir die Moslems beleidigt!

Wir sind halt eine einfühlsame Nation.

Und Jones bewegte sich tatsächlich an den Grenzen zum Heiligen Krieg, was die Medien in ihrer Berichterstattung zu einem globalen Phänomen aufzublasen schafften. „Er entzündete einen internationalen Flächenbrand der Entrüstung,“ meldete CNN, obwohl er das nicht allein geschafft hat.

Ein zentrales Paradoxon unserer Nachrichtenindustrie ist, dass diese an Umfang und Bandbreite zugenommen hat – in ihrer Fähigkeit, Milliarden Menschen zu erreichen – und viel weniger an Tiefgang und einsichtiger Nachrichtenvermittlung. Sie ist so sensationslüstern wie in den Tagen der marktschreierischen Flugblätter, und so konnte ein unbedeutender, waffentragender Pastor und sein obszöner kleiner Plan, ein paar hundert Exemplare des Koran zu verbrennen, in unberechenbarer Weise zur internationalen Sensation und zu einer „nationalen Krise“ werden.

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