„Religion hat viele Facetten“


Quelle: BVerfG

Verfassungsrichter Di Fabio: Wie soll der Staat mit religiösen Konflikten umgehen?

Islamische Zeitung

Wie soll der Staat mit religiösen Konflikten umgehen? Das ist eines der zentralen Themen auf dem 68. Deutschen Juristentag, der am Dienstag (21. September) in Berlin beginnt. Verfassungsrichter Udo Di Fabio ist Vorsitzender der Juristentags- Abteilung, die sich mit dem Thema «Religionskonflikte und staatliche Neutralität» befasst. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt der 56-Jährige, warum eine älter werdende Gesellschaft eher Angst vor dem Islam hat – und was dagegen hilft.

Das Thema Religion ist einer der Schwerpunkte auf dem Juristentag. Warum?

Di Fabio: Die Glaubens- und Gewissensfreiheit genießt einen hohen Rang im Grundgesetz. Es hat sich zudem eine besondere Sensibilität für das Thema Religion entwickelt, weil wir es mit Einwanderung aus dem islamischen Kulturraum zu tun haben und viele deshalb Religion und Integration zusammen denken.

Ist Religion – insbesondere der Islam – ein Integrationshemmnis?

Di Fabio: Eine nicht kirchlich verfasste Religion hat viele Facetten. Manche Glaubensverständnisse begünstigen die Bildung von Parallelgesellschaften, andere dagegen begünstigen die Integration. Vielleicht redet man manchmal zu pauschal über Religion, weil man zu wenig weiß über eingewanderte Menschen. Fremde Religion ist dann das Schlagwort, hinter dem ein unverstandener kultureller Zusammenhang steht. Das schließt natürlich nicht aus, dass es religiös begründete Handlungen gibt, die mit dem Rechtsstaat in Konflikt geraten.

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