Wissen und Bildung – nicht nur für alle, sondern durch alle


Quelle:vielfalter-blog.de

Eine echte Wissensgesellschaft sollte durch partizipative Wissenschaftsprojekte sowie einen Zivildienst 2.0 gefördert werden. Biodiversitäts- und Umweltthemen bieten sich hierfür ebenfalls an.

Prof.Dr. Reinhold LeinfelderVielfalter-Blog

Wir leben in einer Wissensgesellschaft, Wissen sei unsere wertvollste Ressource, so hört man oft und gerne. Warum aber sind dann die Klimaverhandlungen in Kopenhagen gescheitert, warum haben wir die UN-Biodiversitätsschutzziele für 2010 nicht erreicht, warum plündern wir die Meere weiterhin in einer ungesunden Mischung aus Steinzeitmentalität und Hochtechnik? Wäre nicht in einer Wissensgesellschaft nachhaltiges Wirtschaften und generationenübergreifende Zukunftsvorsorge eine automatische Konsequenz? Wir wissen, dass dem vieles entgegensteht, dass insbesondere nach wie vor der Satz von Karl Valentin gilt: „Der Mensch ist gut, bloß die Leute sind schlecht“. Damit drückte der Volksphilosoph und Komiker bereits vor annähernd 100 Jahren aus, wofür Elinor Ostrom letztes Jahr den Wirtschaftsnobelpreis bekommen hat: die „Tragik der Allmende“. Sie bedeutet, dass gemeinsame Nutzung von Gemeingütern wider aller Vernunfterkenntnis meist am Misstrauen der Beteiligten untereinander scheitert. Wenn ich mich richtig verhalte, wird das bestimmt der andere ausnutzen und auf meine Kosten profitieren, also mache ich da lieber nicht mit. Hilfreich sind dann natürlich Selbstentschuldigungsmechanismen – die Debatten um die Umwelt- und Klimawissenschaften nach dem Motto „Wir wissen doch noch längst nicht genug“, „Die Wissenschaft ist sich nicht einig“ oder „Molche oder Menschen – was ist wichtiger?“ könnten hier angeführt werden.

Aber derartige Diskussionen einfach als ignorant vom Tisch zu wischen, wäre ebenfalls schlichtweg falsch. Der Unterschied zwischen einer Informationsgesellschaft und einer Wissensgesellschaft besteht darin, dass auch wissenschaftlich erarbeitete Informationen reflektiert werden müssen, um ggf. akzeptiert werden zu können und dass dabei der Erkenntnisprozess und die damit verbundenen Unsicherheiten berücksichtigt werden müssen. Die Implementierung einer echten Wissensgesellschaft krankt daran, dass zu wenige den Prozess der Erarbeitung des Wissens verstehen, weil die meisten eben nicht beteiligt sind. In der Schule den Unterschied zwischen wissenschaftlichen Hypothesen und Theorien zu erläutern, ist wichtig, genügt aber keinesfalls. Schon richtig, Wissenschaft ist eine Dienstleistung, der sich die Gesellschaft und die Politik bedienen. Wenn aber wissenschaftliche Erkenntnisse potentiell derartig umfassende persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Verhaltensänderungen erforderlich machen könnten, wie dies die Erkenntnisse aus Klima- und Umweltwissenschaften anmahnen, muss dies gesellschaftlich reflektiert und hinterfragt, aber eben auch vorangetrieben werden.

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2 Comments

  1. witzig finde ich nur, das man vor jahren vn den meisten konservativen noch als drückeberger beschimpft wurde – jetzt fürchten gerade die den zusammenbruch der sozialdienste.

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  2. „…Zivildienst 2.0…“

    Solange dies freiwillig ist, geht das in Ordnung. Oft hat man aber das Gefühl, es wird mehr an einen Reichsarbeitsdienst 2.0 – Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht für alle – gedacht. Dies ist mit einer freiheitlichen Verfassung allerdings nicht bzw. nur schwer vereinbar, auch wenn das mancher – vor allem aus der Union – nicht einsehen mag…

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