„Ich, der Jude aus der Türken-Gang“


Arye Sharuz Shalicar, Bild: brightsblog

Ayre Sharuz Shalicar wuchs als jüdischer Deutsch-Iraner in Berlin-Wedding auf. Er musste erleben, wie sehr die dortigen Muslime jemanden hassen, der einen Davidstern trägt. Doch er konnte sich gegen alle Widerstände Respekt im Kiez verschaffen. Heute ist Shalicar Armeesprecher in Israel. Auszüge aus seiner Autobiografie

Von Arye Sharuz ShalicarWELT Online

Im jüdischen Morgengebet heißt es: „Gesegnet seiest Du, Herr, unser Gott, König der Welt, dass Du mich nicht als Heiden erschaffen hast.“ Täglich danken mehrere Millionen gläubige Juden in der Welt Gott dafür, dass sie nicht als Heiden, als Menschen ohne Religion, das Licht der Welt erblickt haben. Ich hätte bis vor einigen Jahren noch denjenigen gehasst, dem ich es zu verdanken hatte, nicht als Heide zur Welt gekommen zu sein.

Bis zu meinem 13. Lebensjahr war ich ein kleiner Junge ohne jegliches Gefühl für Religion. Ich fühlte mich vollkommen frei von jeglicher Verpflichtung und empfand keine Andersartigkeit. Sehr langsam, Schritt für Schritt, von einem Erlebnis zum nächsten, musste ich begreifen, dass ich doch „anders“ bin. Dass ich etwas verkörpere, dass ich Mitglied einer Religionsgemeinschaft bin, ob ich will oder nicht. Einer Religionsgemeinschaft, die für viele Menschen abstoßend ist und sie dazu veranlasst, einen anders anzusehen, nicht mehr zu akzeptieren. Die Freunde plötzlich zu Feinden macht, von einem Tag auf den anderen.

Meine Geschichte spielt in der Hauptstadt Deutschlands. In Berlin, wo ich zur Schule ging. Dieser Stadt habe ich heute den Rücken gekehrt. Mein Berlin war nämlich nicht das Berlin der Nachrichten, der Touristen oder der Künstler. Ich habe ein Berlin des Hasses und der Vorurteile erlebt, und das über Jahre. Ich fühlte mich bedrückt und gequält. Wie oft wurde ich gefragt: „Was bist du? Türke? Araber? Muslim?“ Wie oft haben sich meine Antworten geändert. Von „Perser“ bis „halb Deutscher, halb Perser“, von „halb Israeli, halb Perser“ bis „Jude“.

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1 Comment

  1. „Willkommenskultur“ auf muslimisch – wirklich beeindruckend geschrieben!
    Das zeigt die Naivität der Leute, die glauben, man könne das Problem Israel/Palästina durch Verhandlungen aus der Welt schaffen. Dieser millionenfache Hass hat Tradition und vor allem Funktion, selbst bei den Berliner Teenies, die noch nie einen Juden getroffen haben und Israel nur mit Schwierigkeiten auf der Landkarte lokalisieren können. Da er hilft die islamische Ingroup zu stabilisieren, wird er sich nicht so einfach durch Gespräche in Luft auflösen lassen. Leider…

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