Todesstrafe, Gerechtigkeit und Religion


Brian Evans / Bild: (c) Teresa Zötl

Von TERESA SCHAUR-WÜNSCHDie Presse

Brian Evans, Todesstrafenexperte von Amnesty International in den USA, über gerechte Strafen, den Einfluss der Religion und warum er sich während Hinrichtungen Zeichentrickfilme anschaut.

In Österreich war man jedes Mal schockiert, wenn Arnold Schwarzenegger sich geweigert hat, einen zum Tod Verurteilten zu begnadigen. Warum tut er das nicht?

Brian Evans: Weil er gewählt werden will. Bei den meisten Entscheidungen rund um die Todesstrafe steckt Politik dahinter. Schwarzenegger baut einen Todestrakt, der 400 Millionen Dollar kosten wird, obwohl Kalifornien pleite ist.

Von außen wirkt Kalifornien sehr liberal.Warum ist die Todesstrafe trotzdem wichtig?

In Kalifornien gibt es viele Konservative mit Geld. Und wer das Geld hat, bestimmt genauso sehr, wer gewählt wird wie die Zahl der Stimmen. Kalifornien hat die meisten Insassen in Todestrakten in den USA. Von 3000 Todeskandidaten sitzen 700 in Kalifornien. Anderswo sinken die Verurteilungsraten, nicht in Südkalifornien. Nur finden Exekutionen nicht statt, weil sie durch Verfahren aufgehalten werden. Es gibt keine Gegenströmung zur Todesstrafe.

Warum nicht?

Für die meisten in den USA ist die Todesstrafe nichts, über das sie nachdenken. Hinrichtungen finden in den USA vielleicht einmal in der Woche statt, und in den meisten Staaten nie. Für die meisten ist es also kein Thema. Um sie abzuschaffen, müsste man Politiker dazu bringen, ein Risiko einzugehen. Gelungen ist das in New Jersey, 2007. Dort war seit 1963 niemand hingerichtet worden. Man hat argumentiert, dass die Todesstrafe die Angehörigen der Opfer belügt. Weil in Wirklichkeit niemand hingerichtet wurde. Deshalb war es wichtig, die Todesstrafe abzuschaffen.

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