Die ökumenische CDU


"Ich kenne keine andere Partei, in der über Fragen der Menschenwürde so stark gerungen wird", sagt Hermann Kues. Foto: dpa

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion beginnt am Montag mit einer Veranstaltungsreihe zum Thema „Das C ist für uns Programm“. Zu den profiliertesten Köpfen in der Unions-Fraktion zählt Hermann Kues (59). Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium ist Vorsitzender des nach dem früheren Kölner Erzbischof benannten Kardinal-Höffner-Kreises.

K. Rüdiger DurthGeneral-Anzeiger

General-Anzeiger: Hat die CDU ihr katholisches Profil verloren?

Hermann Kues: Die CDU war nie auf ein katholisches Profil beschränkt. Im Gegenteil. Sie war von Anfang an nach der fürchterlichen Katastrophe des Nationalsozialismus ein ökumenisches Projekt. Übrigens war die Partei in der Ökumene schneller und konsequenter als die christlichen Kirchen. Es hilft auch nicht, einer Vergangenheit nachzutrauern, die es so nie gegeben hat. Deutschland galt nach dem Krieg als „Missionsland“.

GA: Vorsitzende und Generalsekretär der Partei sind evangelisch, drei der vier katholischen stellvertretenden Parteivorsitzenden treten nicht mehr an, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat sich Mitgliedern anderer Parteien weit geöffnet – ist der politische Katholizismus auf dem Rückzug?

Kues: Die Gesellschaft hat sich verändert, die Kirche ebenfalls. Es wäre verwunderlich, wenn sich bei der Partei nichts getan hätte. Natürlich sind Selbstverständlichkeiten verloren gegangen im Verhältnis von CDU und katholischer Kirche. Politischer Katholizismus setzt voraus, dass innerhalb der Kirche und ihrer Laien-organisationen entsprechende Persönlichkeiten herauswachsen, die sich dann auch politisch betätigen.

GA: Aber das beantwortet die Frage noch nicht.

Kues: Die Union hat nach wie vor eine Vielzahl katholischer Köpfe. Ich denke an Annette Schavan, Norbert Lammert, Norbert Röttgen und, und, und. Es gibt in der Bundestagsfraktion eine Fülle katholischer Verbandsmitglieder, darunter zum Beispiel die Bundesvorsitzenden von Kolping, Bund Katholischer Unternehmer und Frauenbund. Da, wo Engagement nicht theoretisch bleibt, ist auch Einfluss spürbar.

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