Glückliche Gottlosigkeit


Mission als Event, Glaube als Spaßfaktor? Ottmar Hörls Wittenberger Luther-Installation «Hier stehe ich ...» hat als Beitrag zur Reformationsdekade jüngst für viel Gesprächsstoff gesorgt. (FOTO: ACHIM KUHN)

Von Andreas HillgerMitteldeutsche Zeitung

Auf dieses Echo war Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) wohl nicht gefasst gewesen: Als er vor einer Woche den Zuzug von katholischen Familien forderte, um die demografische Entwicklung in Deutschland positiv zu beeinflussen, erntete er im eigenen Land vor allem Kritik und Häme. In Leserbriefen und Internetforen wurde der Zusammenhang von religiösem Bekenntnis und Kinderreichtum diskutiert – und immer wieder auf die Trennung von Staat und Kirche verwiesen. Fast zeitgleich war in Magdeburg die Debatte um Domprediger Giselher Quast in einen Kompromiss gemündet: Der Pfarrer darf fünf weitere Jahre im Amt bleiben, obwohl ihm seine Kritiker vorwerfen, das geschichtsträchtige Gotteshaus wie „eine Dorfkirche zu DDR-Zeiten“ zu führen.

Zwei Momentaufnahmen, die beispielhaft die Situation der christlichen Kirchen in Ostdeutschland erhellen. Einerseits haben die Reaktionen auf Böhmers Interview-Passage erneut belegt, dass viele ehemalige DDR-Bürger ihre Konfessionslosigkeit keinesfalls als Defizit, sondern als Qualität verteidigen. Und andererseits hat der Konflikt in der protestantischen Amtskirche gezeigt, wie zerrissen das Selbstverständnis ihrer Gemeindeglieder ist: Während die einen auf eine Modernisierung drängen, fürchten die anderen um ihre spirituelle Heimat. Die DDR-Dorfkirche kann also nicht nur Relikt der Vergangenheit, sondern auch Sehnsuchtsort sein.

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1 Comment

  1. Atheisten aller Länder vereinigt euch ! Auf ins gelobte Land nach Sachsen/Anhalt ! Dort, wo es noch nicht soviele Katholiken gibt ! (Sagt zumindest der Ministerpräsident dieses Bundeslandes.)

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