Freche Atheisten


Das Kreuz mit den Religionen

Von Andreas FinckeRheinischer Merkur

Richard Dawkins kommt nach Deutschland, die SPD stellt einen Arbeitskreis der Laizisten und die Kirchen verpassen die Auseinandersetzung.

Mitte Oktober 2010 erscheint das jüngste Buch des scharfzüngigen Religionskritikers Richard Dawkins auf Deutsch. Unter dem Titel „Die Schöpfungslüge. Warum Darwin Recht hat“ beschäftigt sich der Autor mit der Evolutionstheorie – und er wird dieses Thema erneut zu einem Rundumschlag gegen jede Religion nutzen.

Allein die polemische und ungenaue Übersetzung des englischen Titels, der „The Greatest Show on Earth“ (etwa: Die größte Show auf Erden) lautet, lässt erwarten, dass mit religions- und kirchenkritischen Bemerkungen nicht gespart wird. Richard Dawkins gehört zum sogenannten „Neuen Atheismus“. Während der zweiten Amtszeit des US-Präsidenten George W. Bush (2005–2009) brachten die zumeist englischsprachigen Autoren und Religionskritiker ihre religionskritischen Bücher auf den Markt. Neu war, dass diese Veröffentlichungen zu Bestsellern wurden. Zuvor galt Religionskritik nicht gerade als Verkaufsschlager. Dieser Erfolg hängt zweifellos mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zusammen und der neuen Diskussion um den Islamismus, aber auch mit dem in den USA recht weitverbreiteten christlichen Fundamentalismus.

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3 Comments

  1. Dieser Artikel strotzt ja vor Fehlern und Falschdarstellungen!

    Sein Richtigkeitsdünkel übertrifft den Unfehlbarkeitsanspruch des römischen Papstes. Denn dieser reklamiert einen solchen Anspruch nur in besonderen Situationen, nämlich dann, wenn er ausdrücklich „ex cathedra“ spricht – was er 1854 letztmalig getan hat. „

    Das Unfehlbarkeitsdogma wurde 1870 verkündet. Wenn der Autor hier 1854 als letzte Anwendung angab (ich nehme an, er bezieht sich auf die ‚unbefleckte Empfängnis‘, dann war das zwar ‚ex cathedra‘, aber VOR dem Unfehlbarkeitsdogma. Übrigens gabe es danach mindestens eine weitere Dogmaverkündung: 1950: Leibliche Aufnahme Mariens….

    – „Allein die polemische und ungenaue Übersetzung des englischen Titels..lässt erwarten, dass mit religions- und kirchenkritischen Bemerkungen nicht gespart wird“
    Der Autor hat Dawkins Buch ganz offensichtlich noch nicht gelesen (‚lässt erwarten‘). Ich auch (noch) nicht. Ich äußere mich allerdings auch nicht über den Inhalt und stelle Vermutungen darüber an. Allerdings kann man bisherigen (englischen) Buchrezensionen entnehmen, dass es darum geht, die Richtigkeit der Evolutionstheorie zu belegen. Was ihm ohne Probleme gelingen dürfte.

    „Für religiöse Menschen ist dieser neue Atheismus aus zwei Gründen besonders ärgerlich: Er vertritt seine Thesen in einer herblassenden, aggressiven bisweilen verächtlichen Sprache und apostrophiert Religion pauschal als Unbildung beziehungsweise Dummheit. „

    Wenn der Autor sich persönlich über Dawkins ärgert, ist das sein Bier. Er sollte allerdings nicht vergessen zu erwähnen, wie die Bibel (gerade seine mehrfach zitierten Apostelbriefe) über die ‚verstockten des Herzens‘ und Ungläubigen herzieht. Und, falls das zu lange her ist: Wie lautet nochmals die von Benedikt XVI vor 2 Jahren wieder eingeführte Formulierung in die Karfreitagsfürbitten bzgl der Juden nochmal? Ist das nicht herablassend den Juden gegenüber?
    Des weiteren sollte dem Autor bekannt sein, dass „Der Gotteswahn‘ im Original „The God Delusion“ heisst. Was man treffender mit „Gottestäuschung“ übersetzen könnte.

    „Es reicht längst nicht mehr, wenn die Kirchen gelegentlich einen frechen Atheisten zu einem Studientag einladen. “

    Ich verkneife mir jeglichen Kommentar darüber, wie die Kirchen noch vor 2-3 Generationen mit ‚frechen Atheisten‘ umgegangen ist. Ich rede hier noch nicht mal von Scheiterhaufen: Damals sich als ‚Atheist‘ zu outen kam gesellschaftlichen Selbstmord gleich. Und diesen mit freundlicher Unterstützung der Kirchen. „Frech“ ist hier nur eins: Dieser Artikel!

    Gruß

    PS: Dieser ganze Artikel bestätigt wieder die schon mehrfach vorgebrachte Karrikatur. Gleichzeitig ist er ein schöner Beleg für das hier auch vorgestellte Ergebnis einer Umfrage, dass Atheisten mit Abstand am meisten von Religionen wissen.

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  2. Andreas Fincke erweist allen Gläubigen einen Bärendienst.
    Er setzt die Forderungen der Atheisten, auf ein Ende der Diskriminierung aufgrund von Religion und ein einseitiges Unterstützen einer Religion durch diesen Staat, mit „frech“ gleich.
    Ich fordere, dass katholische Hassprediger nicht mehr vom Staat bezahlt werden, dass das staatliche Arbeitsrecht auch in kirchlichen Einrichtungen gilt und endlich die Trennung zwischen Staat und Kirche vollzogen wird. Diese (und mehr) Forderungen als „frech“ zu bezeichnen zeugt von einer Arroganz und Unverschämtheit, dass sich alle Gläubigen nicht wundern müssen, wenn Atheisten den Ton verschärfen, um ihre Rechte durchzusetzen und nicht mehr auf die Brotkrumen der Kirchen warten.

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