Wessen Religionsfreiheit?


Evangelikale Christen demonstrierten für «Religionsfreiheit» – aber was für eine?

Von Abdel Azziz Qaasim Illi – Islamischer Zentralrat Schweiz

Letzten Samstag demonstrierte auf dem Bundesplatz eine übersichtliche Gruppe von Anhängern christlicher Freikirchen für die Religionsfreiheit ihrer Glaubensgenossen in der islamischen Welt.

Auf den ersten Blick – ein legitimes Anliegen. Fast hätte man sich spontan entschliessen können, eine zirkulierende Petition vorbehaltlos zu unterschreiben. Der Islam in seiner normativen Ausprägung respektiert Christen und ihre Religionspraxis – daran gibt es keinen Zweifel. Missstände sind abwechslungsweise die Folge von bad governance, politischer Instrumentalisierung oder kulturellen Missverständnissen. Allerdings musste der Leitslogan «Religionsfreiheit für Christen» jeden andersgläubigen irritieren. Gerade nach Annahme der Anti-Minarett-Initiative hätte doch eine Verallgemeinerung dieser zentralen Sentenz nahegelegen.

Ein Blick auf die Organisatoren bestätigt alsbald die Zweifel. Initiantin war die CSI (Christian Solidarity International), die sich auf ihrer Webseite selbst gerne als eine «christliche Menschenrechtsbewegung für Religionsfreiheit und Menschenwürde»  beschreibt. Die international tätige Organisation wurde 1977 vom evangelisch-pietistischen Schweizer Pfarrer Hansjürg Stückelberger gegründet, der nach wie vor als deren Vorsitzender waltet. Stückelberger ist kein Unbekannter. Einer breiteren Öffentlichkeit weilt der 73-jährige als strammer Befürworter des Minarett-Verbots noch in Erinnerung. Viele staunten nicht schlecht, als sie im Herbst 2009 einige Wochen vor der Abstimmung die A4 Hochglanz-Broschüre von «Zukunft CH» im Briefkasten fanden. Der Verein «Zukunft CH» verbreitet neben Stimmung gegen den Islam vor allem Werbung für «christliche Werte». Die entsprechend benötigten Finanzen für solche Aktionen fehlen dem Pfarrer keinesfalls. Der «Tages-Anzeiger» zeichnete in einem Hintergrundbericht Ende Januar 2008 die Machenschaften Stückelbergers detailliert nach. Demnach ist der CSI-Gründer bestens mit bekannten Grössen aus der islamophoben Szene vernetzt, darunter mit dem millionenschweren Rudolf Syz aus Liestal und dem «Pax Europa»-Gründer Udo Ulfkotte. Während Syz stolz zu seinen umfangreichen Donationen an «Pax Europa» und «Zukunft CH» steht, denkt Ulfkotte laut über eine Fusion mit Stückelbergers Verein nach. Aus «Pax Europa» würden dann jeweils nationale «Zukunfts»-Vereine ganz nach den strukturellen Vorgaben Stückelbergers.

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