Zürich: Keine Schöpfungslehre in der Schule


Drei Mitglieder des Zürcher Kantonsparlaments wollten, dass an den Schulen neben der Evolutionstheorie auch die Schöpfung gelehrt wird. Ihr Postulat wurde verworfen.

factum

Das mutige Postulat kam aus den Reihen der Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU). Ihrer Ansicht nach sollte die Schöpfungslehre an der Volksschule im Mensch-Umwelt-Unterricht ein ebenso grosses Gewicht haben, wie die Urknall- und Evolutionstheorie.

In ihrer Begründung schrieben Stefan Dollenmeier (EDU, Rüti), Hans Peter Häring (EDU, Wettswil) und Heinz Kyburz (EDU, Oetwil a.S.): «Die Entstehung des Universums durch die Urknalltheorie ist weder wissenschaftlich beweisbar noch wahrscheinlich, stellen sich doch viele ungeklärte, wesentliche Fragen (beispielsweise: woher stammt die Materie, was war vor dem Urknall, was löste diesen aus…?). Laut Volksschulgesetz erzieht die Volksschule zu einem Verhalten, das sich an christlichen Wertvorstellungen orientiert. Dazu gehört auch die Vermittlung der Schöpfungslehre. Für die Sinnfrage der Jugendlichen nach dem Woher und Wohin, nach dem Sinn und Zweck des Lebens, ist es unabdingbar, ihnen beide Modelle aufzuzeigen und sie ohne Beeinflussung selber entscheiden zu lassen, was ihnen wahrscheinlicher erscheint. Dafür müssen sie aber beide gleich gut kennen.“

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4 Comments

  1. Also, ich weiss nicht, von welcher Zürcher Schule die Rede ist, aber bei uns war sowohl in der Primarschule als auch im Gymnasium immer klar, dass die Tellsgeschichte „eine Geschichte“ und nicht „Geschichte“ ist. Auch die „Staatsgründung“ 1291 und die Landesverteidigung wurden durchaus analytisch behandelt.
    Das war in den 1980-eer Jahren.

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  2. @raskalnikow:

    Ich vermute (wie gesagt, vermute), dass es diesen Leuten weniger um ‚wahrscheinlich‘ (denn: Wie wollen sie diese Wahrscheinlichkeit bestimmen?) denn um ‚intuitiv‘ geht. Intuitiv richtig ist die Schöpfungslehre (man weiß ja, dass ein Flugzeug ‚erschaffen‘ wird und nicht durch einen Sturm auf dem Schrottplatz entsteht) und nicht der Urknall oder die Evolutionslehre. Alleine schon die Frage : „Woher stammt die Materie?“ macht das für mich deutlich. Diese Leute verstehen eben nicht, dass unsere Wahrnehmung und unsere Intuition von unsere Umwelt geprägt wurden. Die ist eben makroskopisch, zeitlich äußerst eng dimensioniert und sehr langsam.

    Gruß

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  3. @Argus
    …und den 2. Weltkrieg hat die Schweiz auch nur dank der hervorragenden Landesverteidigung heil überstanden… Geschichtliche Lügen haben wirklich Tradition in der Schweiz.

    Die religiöse Logik der EDUler ist auch wieder typisch: Klar, für sie ist es offensichtlich, dass die Urknalltheorie „nicht wahrscheinlich“ ist – ergo muss der biblische Schöpfungsmythos richtig sein. Das ist doch genau so ein Fehlschluss wie jener der Antidarwinisten: Selbst wenn einmal die Evolutionstheorie falsifiziert wird, bedeutet das noch lange nicht, dass es einen alten religiösen Zopf mit einem Male wahrer, wirklicher, echter macht…

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  4. Na, ja, nicht nur die christliche Schöpfungslehre ist ein Märchen, sondern auch die Story über Wilhelm Tell. Diese fremdenverkehrsfördernde Legende hat man ganzen Generationen von Schülern in der Schweiz als Wahrheit verkauft. (Ich weiß, das sehr wohl, da ich in Zürich zur Schule ging !) Den Mythos Wilhelm Tell hat letztlich ein Deutscher namens Friedrich Schiller begründet. Geschichtliche und religiöse Lügen haben in der Schweiz Tradition.

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