Kein Kulturkampf


Circa 1760: Bildnis einer Frau mit Haube, © Hulton Archive/ Getty Images

Passt der Islam zur deutschen Verfassung? Der Juristentag gibt eine politische Antwort.

ZEIT-Online

Wie steht die Kirche zum Staat? Lange schien das in Deutschland geklärt. Bis vor Kurzem galt die Frage nach dem Verhältnis von Glauben und Gesetz als rein akademisches Relikt. Der Artikel 4 des Grundgesetzes, der die Religionsfreiheit garantiert, war eine weithin erkaltete Rechtsmaterie, die allenfalls Juristen interessierte. Gesellschaftlich schien das Thema erledigt. Das hat sich gründlich, um nicht zu sagen: dramatisch geändert. Die Religionsfreiheit ist wieder ein heißer, leidenschaftlich umkämpfter Stoff.

Aber müssen wir jetzt auch noch über ein Burka-Verbot streiten – so wie die Franzosen und die Belgier es gerade tun? Müssen wir vielleicht gar, wie Alice Schwarzer es gefordert hat, ein allgemeines Kopftuchverbot für öffentliche Schulen diskutieren? Hatten wir nicht schon genug zu tun mit Sarrazin, mit Moscheebau-Konflikten und Ehrenmord-Prozessen?

Ja, die Debatten nerven. Aber sie müssen sein. Weil die Alltagskonflikte real sind, und weil dahinter eine prinzipielle Frage lauert, die uns in immer neuen Konstellationen wohl auf Jahre beschäftigen wird. Sie zielt in die tiefsten Schichten unserer Verfassung: Muss neu ausgelotet werden, wie sich säkularer Staat und Glauben zueinander verhalten?

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