Henryk M. Broder: Ick bün all dor


Quelle: A.Melzer

Göttlicher Segen auch für Skeptiker

Von Petra NelhübelAugsbuger Allgemeine

Maria Vesperbild Für das Kamerateam der ARD war fast kein Durchkommen in der übervollen Kirche Maria Vesperbild. Die letzte Fahrzeugsegnung dieses Jahres zog außer sicherheitsbewussten Motorradfahrern und gottesfürchtigen Familienkutschenbesitzern auch fremdgläubige Prominenz in die Wallfahrtskirche.

Henryk M. Broder, Journalist und lustvoller Provokateur, gab sich die Ehre und brachte auch gleich noch seinen Freund, Hamed Abdel-Samad, derzeit heiß diskutierter, muslimischer Politikwissenschaftler und Buchautor, mit. Beide sind momentan mit einem Fernsehteam der ARD in Sachen religiöser Aufklärung unterwegs durch Deutschland, um sich „gegenseitig die religiöse Wirklichkeit Deutschlands“ zu erklären. Religiöse Wirklichkeit, die sich am Dienstfahrzeug des Duos Broder/Abdel-Samad in barocker Überschwänglichkeit zeigte.

Eine schrill pinke Abendmahls-Szene im Fond des Wagens neben einem geflügelten Plüschschweinchen. Auf dem Armaturenbrett ein siebenarmiger Leuchter neben einem nickenden Plastikbuddha, der wiederum von einem Kreuz beschützt wird. Alles Devotionalien, bei denen man sich unwillkürlich fragt, ob da der Halter des Fahrzeugs seiner eigenen Skepsis nicht traut und sich vorsichtshalber mal von allen einen Schutz oder Segen erhofft. Oder eine gezielte Rundumprovokation an alle religiösen Autoritäten. Egal. Bis Prälat Dr. Wilhelm Imkamp mit Messdiener und Weihwasser daherschreitet, stehen Broder und Abdel-Samad genauso brav neben ihrem airbrushverzierten Automobil wie ein paar Hundert andere Gläubige auch. Nur der Eselsschrei, den Broder nach dem Weiterzug Imkamps mehrfach in die Kamera probt, lässt vermuten, dass in der angekündigten TV-Aufklärungsserie noch mit Provokationen zu rechnen ist.

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