Uni Magdeburg: Dodo des Monats September 2010


Dodo des Monat September 2010

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist die einzige Universität Deutschlands die je einen Dodo gewonnen hat. Und nun macht sie das Doppel.  Daher gleich vorab: Herzlichen Glückwunsch zum Preis der Ewiggestrigkeit.

Kreationismus, noch dazu „Junge Erde Krationismus“, an einer Universität dürfte nicht allzuoft, unkommentiert, in Form einer Adventisten-Bibelstunde abgehalten werden. Das Dementi des Rektors, Prof. Dr. Klaus E. Pollmann nicht überzeugend.  Die Verwaltung der Universität hätte die kollektive Verblödung vertraglich zugelassen, ohne sich und die Leitung der Universität in entsprechender Form zu informieren. Jedem anderem hätte ich diese Ausrede abgenommen, der Uni Magdeburg nicht. Grund hierfür ist der erste Dodo.  Welcher immerhin auf der Grundlage eines Masterstudienganges für

„Wissensentwicklung und Qualitätsförderung in homöopathischer Medizin (Integrated Practice in Homeopathy) (M.A.)“,

an besagter Uni zustande kam. Die anekdotische Evidenz von Herrn Prof. Helmut Weiss war schon 2009 beeindruckend:

„Der geplante Weiterbildungs-Masterstudiengang wurde dann zweimal im akademischen Senat der Universität behandelt – einmal im Sommer 2008 zu einer ersten Vorstellung, dann mit bereits detaillierter ausgearbeiteten Studiendokumenten im Sommer 2009. Die Diskussion war intensiv; in Anbetracht des Themas wäre alles andere erstaunlich gewesen. Das Spektrum dabei reichte von Hinweisen auf Studien, die zeigen sollen, dass Homöopathie unwirksam ist, bis zu Aussagen wie „Klar, naturwissenschaftlich ist manches nicht erklärbar, aber ich bin selber so erfolgreich behandelt worden“.

Doch nun muß man sich Sorgen machen, ernsthaft. „Junge Erde Kreationisten“ bringen ihr obskurantisches Material an eine Universität. Die Erde jünger als 6000 Jahre. Die Saurier, Zeitgenossen Adams und Evas, reine Vegetarier. Dieser Herr Veith ruft die Erde sogar als Zeitzeugen an, für seinen adventistischen Gott. Für ihn sind die 6000 Jahre Schöpfungsgeschichte der Bibel zu lang. Es würde mich nicht wundern wenn er feststellt, dass sich die Erde noch im göttlichen Geburtskanal befindet, Steisslage vermutlich. Die Universität Magdeburg wird zur akademischen Pissrinne. Zweifelhafte Gestalten dürfen dort ihre intellektuelle Notdurft verrichten, abgesegnet mit einem Dispens der Universitäts-Verwaltung. Da sei die Frage gestattet, ob in Bälde die Herren Harun Yahya oder Ken Ham mit einem Doktor honoris causa rechnen können, die Studiengemeinschaft Wort und Wissen eine pseudoakademische Plattform erhält? Alles getreu dem Motto „Selig sind, die da arm an Geist, denn ihrer ist das Himmelsreich.“ Wäre übrigens ein ausgezeichnetes Motto für die Uni Magdeburg. Die Fakultät für Informatik könnte immerhin einen Exzellenz-Cluster zum Thema „Abraham und die sozialen Netzwerke des Internet“ abhalten. Die EU macht da bestimmt Fördermittel locker.
Vermisst habe ich einen Aufschrei der naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Magdeburg, insbesondere des Instituts für Biologie. Sollte man annehmen, wer schweigt stimmt zu. Mit all diesen Obskurantismus empfiehlt sich die Universität Magdeburg nicht für ein Studium. Man läuft dort Gefahr in Lehre und Forschung belächelt zu werden.

Die kreationistischen Spinner wird es freuen, die Veranstaltung an der Uni Magdeburg wird einen Platz ganz oben in der Referenzliste erhalten. Damit wird die Uni zum Fliegenfänger. Wenn sich die Uni Magdeburg auf einen Misthaufen setzt, kann es so schlimm nicht sein.

Kreationistische Veranstaltungen an einer Universität sprechen 300 Jahren Aufklärung Hohn, machen wissenschaftliche Erkenntnisse lächerlich und verunglimpfen all jene Wissenschaftler die sich redlich um ihre Forschung und Lehre bemühen.

Vielleicht geht die Uni ja einen besonderen Weg und ermöglicht in der Zukunft Studiengänge für Esoterik, Parawissenschaften und New Age mit Rael als Gastdozenten oder die Erforschung der Arche Noah am Berge Ararat.

9 Comments

  1. Einen herzlichen Glückwunsch auch von mir. Und natürlich auch wieder eine fantastische Laudatio zum (un)beliebtesten Vogel der Blogszene 🙂 .

    Es ist leider traurig, dass in einer Universität eine Spinnerei wie der Junge Erde Kreationismus Platz hat(te). Nun verlange ich die „ernsthafte“ Auseinandersetzung mit der Flucht Hitlers zum Nordpol, wo er in die Innere Erde stieg und seit damals an eine Klonarmee arbeitet. „Beweise“ ? Nunja … a) wir können nicht alles wissen, b) haben keine Beweise für das Gegenteil und c) klingt so schön. Das müssen Gründe genug sein, um in Magdeburg über die Ernsthaftigkeit von evidenzbasierter Forschung hinwegzusehen 🙂 .

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  2. @Darwin
    Naja, denken sie nicht dass es eine gute Möglichkeit ist den Islam besser zu kontrollieren, zu integrieren und zu zivilisieren wenn man die Imamausbildung in Deutschland an staatliche Hochschulen verlagert? Warum wird der Dodo nicht an alle staatlichen Unis verliehen an denen christliche Theologie gelehrt wird?
    Mal abgesehen davon dass Theologie jedweder Coleur an Universitäten sowieso nix verloren hat, aber wenn schon sollten auch alle Religionen gleich behandelt werden.
    Ich muss mich allerdings für Befangen erklären, da ich selber an der Uni-Osnabrück studiere (Biologie).

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  3. Die Universität Osnabrück hat den nächsten Dodo verdient. Die Universität Osnabrück bietet gerade die ersten Fortbildungsseminare für Imame an. Und ist noch stolz darauf!

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