Gott sei Dank – tote Soldaten!


 

Quelle: arlingtoncemetary.net

 

Von Gabriele Chwallekgreenpeace magazin

Der Alptraum für den Amerikaner Al Snyder beginnt an einem Winterabend 2006. Da erhält er die Nachricht, dass Matthew, sein einziger Sohn, im Irakkrieg ums Leben gekommen ist. Damit nicht genug. Als der Vater wenig später seinen 20-jährigen Jungen auf dem Friedhof einer katholischen Kirche im US-Staat Maryland zu Grabe tragen will, kommt zur Trauer der Schock. Eine Gruppe von Demonstranten ist 1800 Kilometer weit angereist, mit Plakaten wie «Gott sei Dank für tote Soldaten», «Du fährst zur Hölle» und «Gott hasst die USA/Gott sei Dank für den 11. September».

Es gibt auch Gegendemonstranten, die Polizei findet sich ein und dazu eine Menge von Reportern. Der Trauerzug muss umgeleitet werden. «Ich hatte eine einzige Chance, meinen Sohn in Frieden und Würde zu beerdigen», sagt Snyder. «Und sie haben sie mir genommen.»

Sie – das sind der Pastor und Mitglieder einer kleinen fundamentalistischen Baptistenkirche in Topeka (Kansas). Seit Jahren schon tauchen sie bei militärischen Begräbnissen, so auch auf dem Nationalfriedhof in Arlington, auf, um ihre Hassbotschaft zu verbreiten. Sie lautet: Der Tod der Soldaten ist eine Strafe Gottes dafür, dass die Nation Homosexuelle duldet, und auch die Terroranschläge vom 11. September, die jüngste Ölpest im Golf von Mexiko oder Hurrikan «Katrina» haben die Amerikaner selbst verschuldet, weil sie mit Schwulen sympathisieren.

Matthew Snyder war nicht schwul, aber Begräbnisse, so sagen Pastor Fred Phelps und seine Gefolgschaft, seien eine gute Gelegenheit, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Mittlerweile sind es schon rund 200 Familien, die wegen der Westboro Baptist Church nicht ungestört Abschied von ihren Toten nehmen konnten, schreibt die «Washington Post».

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