Brenn in der Hölle!


 

Hubert Wolf, geboren 1959 in Wört, ist Kirchenhistoriker in Münster. Seit 2002 leitet er das Forschungsprojekt „Römische Inquisition und Indexkongregation“. Die Ergebnisse werden im Ferdinand-Schöningh-Verlag veröffentlicht. Unter http://www.buchzensur.de findet man im Internet Informationen zum Stand der Arbeiten. Hubert Wolf forscht auch zu den Päpsten Pius XI. und Pius XII. awi

 

Ein Gespräch mit Hubert Wolf über vierhundert Jahre Buchzensur, über die Probleme der Zensoren, warum Darwin nicht auf dem Index stand und wieso der Vatikan es typisch deutsch findet, wenn jemand die Buchzensur der Römischen Kurie voll erfasst

Frankfurter Rundschau

Was hält man denn im Vatikan von Ihrem Unternehmen?

Typisch deutsch, heißt es. Wer sonst, sagt man, käme auf die Idee, die Buchzensur der Römischen Kurie zwischen 1542 und 1966 vollständig zu erfassen? Alle Plakate, auf denen die Urteile veröffentlicht und an römischen Kirchentüren ausgehängt wurden, alle Protokolle, Gutachten und ein Verzeichnis aller zensierten Bücher, aller Mitarbeiter der Zensurbehörde in ihrer vierhundertjährigen Geschichte. Inklusive Lebensgeschichte und eigener Werke. Dazu Register, die es jedem – Juristen, Medizinern, Karl-May-Liebhabern – ermöglichen festzustellen, ob und wer aus ihrem Fach, zu ihrem Thema jemals von der Zensur des Vatikans betroffen war. Es ist sehr, sehr ehrgeizig, dieses Projekt in zwölf Jahren zu bewältigen, wie wir es machen.

Da sind Sie sich ganz sicher?

Wir haben das 19. Jahrhundert fertig, das 18. auch, am 16. und 17. arbeiten wir zurzeit. Ganz am Schluss werden wir uns das 20. vornehmen. Als wir mit der Arbeit begannen, durfte man die Akten nur bis 1902 einsehen. Jetzt darf man es schon bis 1939. In fünf bis sechs Jahren, wenn wir soweit sein werden, werden die Dokumente aus dem Pontifikat Pius’ XII. im Vatikan zugänglich sein. Davon gehe ich aus.

Warum wird dieses Mammutprojekt in Münster gemacht?

Das hat eine lange Vorgeschichte. Meine erste theologische Arbeit beschäftigte sich mit dem Inquisitionsfall Johannes von Kuhn (1806-1887). Kuhn hatte aber seinen Nachlass verbrannt. Man konnte also nichts über den Mann schreiben. Dann fand ich zufällig in einem Adelsarchiv vierhundert Briefe von ihm. Die Inquisitionsakten aber durfte ich nicht sehen. Benedikt XVI., damals noch Joseph Kardinal Ratzinger und Chef der Glaubenskongregation, damit zuständig für das Archiv der Glaubenskongregation, hat mir den Zugang leider zunächst nicht gestattet. Das aber reizte mich gerade. Ich konnte den Prozess aber auch ohne Einsicht in die Hauptakten rekonstruieren. Denn ich fand in den Nachlässen der an den Prozessen gegen Johannes von Kuhn Beteiligten die Entwürfe ihrer Voten. Das war ein ordentliches Stück Arbeit in Archiven in ganz Europa. Aber es klappte. Walter Kardinal Kasper, damals noch Professor in Tübingen, war von meiner Arbeit beeindruckt und reichte sie weiter an Joseph Kardinal Ratzinger. Der teilte mir dann mit, dass der Heilige Vater beschlossen habe, mir einen generellen Zugang zu den Inquisitionsakten zu gewähren. Das war 1992. Offiziell wurde das Archiv erst 1998 geöffnet. Ich hatte also einen gewaltigen Vorsprung.

weiterlesen

1 Comment

  1. Interessanter Artikel.
    Der persönliche Glaube des Forschers ist mir dabei schnuppe, bzw gesteh ich ihm gern zu.
    die Ergebnisse seiner Arbeit beeindrucken mich viel mehr.

    Liken

Kommentare sind geschlossen.