Parallelgesellschaft: Rechtssprechung am GG vorbei!


 

Neue Zusammensetzung: das orthodoxe Rabbinatsgericht

 

Sie beraten hinter verschlossenen Türen. Alles ist streng vertraulich, Beobachter sind nicht zugelassen. Kein Schild weist draußen darauf hin, dass im Kidduschraum der Berliner Synagoge Joachimstaler Straße das Rabbinatsgericht (Beit Din) der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) tagt. Nur die Sitzungspause am Nachmittag erlaubt einen kurzen Blick in den Raum, der mit einem Gerichtssaal nicht viel gemein hat: Die Beteiligten sitzen an langen, mit weißen Plastikdecken versehenen Tischen, ein Laptop ist aufgeklappt, ein paar Akten liegen daneben.

Von Detlef David KauschkeJüdische Allgemeine

Erstmals sind die Rabbiner in dieser Zusammensetzung im Beit Din zusammengekommen. Seit Sonntag vergangener Woche fand die Sitzung in Köln statt, am Mittwoch in Berlin. Die beiden neuen Dajanim (Rabbinatsrichter) Avraham Hale und David Gruzman sind eigens angereist, entsandt vom Israelischen Oberrabbinat in Jerusalem, um gemeinsam mit den hiesigen Rabbinern Recht zu sprechen. Ein Beit Din besteht aus drei Mitgliedern. Am Mittwoch sind daher auch der Berliner Rabbiner Yitshak Ehrenberg, Rabbiner Jaakov Ebert aus Würzburg und der Dortmunder Rabbiner Avichai Apel mit dabei.

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4 Comments

  1. Der Unterscheid zum Islam besteht darin, dass Juden niemals Nichtjuden ihre rechtlichen Regeln aufzwingen und das Judentum auch nicht durch Mission verbreiten.

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  2. Errrm, jede Partei, jede Religionsgemeinschaft und praktisch jeder Verein hat eine Schiedsgerichtsordnung, die bei Entscheidungen bezüglich Mitgliedschaft, regelkonformem Verhalten, etc. zur Anwendung kommt. Das ist weder ungewöhnlich noch besonderer Aufmerksamkeit wert. Tatsächlich ist diese Form von Subsidiaritätsprinzip sogar sehr sinnvoll.

    Jede Gruppe gibt sich Regeln, nach denen sich ihre Mitglieder zu verhalten haben und definiert Konsequenzen bei Verstößen. Problematisch werden diese gruppeninternen Entscheidungen zum einen, wenn sie sich in Bereiche einmischen, die mit der jeweiligen Gruppe nichts mehr zu tun haben und dann zum anderen dem Betroffenen den Ausstieg aus der Gruppe verweigern, bzw. die Bürgerrechte beschneiden, was auch die Anrufung der zivilen Justiz beinhaltet.

    Siehe z.B. Entscheidungen von Arbeitsgerichten bei Beschäftigten christlicher Organisationen. Da liegt noch viel eher was im argen.

    Im zitierten Artikel sehe ich nichts, was „am Grundgesetz vorbei“ ginge oder die bundesdeutsche Justiz als weiteren Klageweg ausschliessen würde. Vielleicht kann einer der anderen Kommentatoren mich da aufklären.

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  3. Ein Land, welches sich so verhält wie Deutschland, wird natürlich von allen Seiten gelackt und man kann es den Nutzniesern noch nicht einmal verdenken, dass sie auf das dargebotene Füllhorn zugreifen. Es scheint unseren Verantwortlichen womöglich von Vorteil zu sein, wenn sie ihren (den zu unseren Lasten gehenden) Puderzucker verblasen dürfen? Möglicherweise ist ihr Gutmensch-Gehabe aber auch nur die Angst vor ihrer eigenen Courage ? (Siehe u.a. die Rede des Bundespräsidenten zum Tag der Einheit.)
    Die erfolgreiche Devise unserer kulturbereichernden Dauergäste aus aller Herren Länder wird indessen immer offensichtlicher: „Frechheit siegt!“

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  4. Sonst hört man ja nur davon, dass „am GG vorbei“ die Sharia angewandt wird. Dass die Juden ebenfalls ihre eigene Gerichtsbarkeit praktizieren, war mir bisher unbekannt.

    Vielen Dank für diesen Beitrag!

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