Oberbayrisches Großmaul


 

Quelle: wikipedia

 

Von Joachim HauckNürnberger Nachrichten

Jetzt ist Sarrazin also in der CSU angekommen: Keinerlei Konzessionen an die Türkei im EU-Beitrittsstreit, „deutsche Alltagskultur“ als „Leitkultur“ für alle, die in dieser Republik leben, ein Zuwanderungsstopp für Türken und Araber gar — Horst Seehofer und seine Partei schrecken offensichtlich vor nichts mehr zurück, um an den Stammtischen zu punkten.

Dass die Integration zum Mega-Thema geworden ist, dass sich die Sorgen der Menschen leicht instrumentalisieren und für parteipolitische Zwecke missbrauchen lassen, hat der gnadenlose Populist Seehofer erkannt. Er weiß, dass die Forderung nach einem Zuzugsstopp für Muslime keine Chance hat, weil dem die deutsche Verfassung, geltendes Recht und internationale Verträge entgegenstehen. Doch das ist Seehofer so gleichgültig wie die Tatsache, dass er noch tiefere Gräben in der Gesellschaft aufreißt, dass er mutwillig Brücken zerstört, die andere aufzubauen versuchen. Wichtiger ist ihm, sich als vermeintlich starker Mann aufzuspielen, der die Türken vor München stoppt — um damit seiner von den Wählern gebeutelten CSU neuen Auftrieb zu verschaffen.

Hysterische Züge

Die Integrations- und Islam-Debatte hat mit Seehofers Rundumschlag bizarre, ja hysterische Züge angenommen. Wo Sachlichkeit, klare Analysen und überzeugende politische Konzepte nötig wären, beherrschen Halbwahrheiten, Missverständnisse und eine babylonische Sprachverwirrung die Diskussion. Die Reaktion auf die Bremer Rede des Bundespräsidenten ist das schlagendste, leider auch traurigste Beispiel dafür.

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2 Comments

  1. Drei differenzierte Beiträge zum Thema:

    Reinhard K. Sprenger (FAZ) – Trennung ist ebenso wichtig wie gute Integration
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article10194923/Trennung-ist-ebenso-wichtig-wie-gute-Integration.html

    Norbert Bolz (Focus) – Die neuen Jakobiner
    http://www.focus.de/wissen/bildung/philosophie/tid-20094/debatte-die-neuen-jakobiner_aid_550734.html

    Uta Rasche (FAZ) – Einwanderungsland wider Willen
    http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EB7415CB0A1D1486A878291D72E4B933E~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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  2. Guter Artikel. Vor ein paar Jahren hatte ich noch eine positive Meinung von Seehofer, gerade weil er sich nicht scheute, sich in Opposition zu den Granden seiner Partei zu setzen. Aber mittlerweile dürfte jedem klar sein, dass dies nur dazu diente, den eigenen Namen bekannt zu machen.

    Gruß

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