Die Instrumentalisierung der Religionen


 

In Deutschland ist die Islamdebatte in vollem Gang. (Bild: dpa)

 

Der Verweis auf die christlich-jüdische Tradition entspringt keiner neu erwachten Sympathie für die jüdische Religion oder Kultur. Das Argument wird vielmehr gezielt als Waffe gegen zu viel Verbrüderung mit dem Islam eingesetzt.

Von Harald Biskup Kölner Stadtanzeiger

Bis vor kurzem gehörte sie bloß zum Standard-Repertoire von Sonntagsreden – die Wendung von der „christlich-jüdischen Tradition“. Seit unser Staatsoberhaupt, katholisch und, soweit bekannt, in Maßen praktizierend, in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit konstatiert hat, inzwischen gehöre auch der Islam zu Deutschland, ist die Formel in sehr vieler Munde. Auch der Bundespräsident selbst hatte seinen Hinweis, der erwartbar für erheblichen Wirbel gesorgt hat, obwohl es sich um eine Zustandsbeschreibung handelt, in den christlich-jüdischen Kontext gestellt. „Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte.“

Während Christian Wulff die drei hierzulande praktizierten monotheistischen Weltreligionen – in sorgsamer Abwägung und durchaus abgestufter Rangfolge – als Faktum benannte, mochten ihm seine Kritiker nur mit Blick auf die jüdisch-christlichen Wurzeln (was historisch und religionsgeschichtlich korrekt wäre) folgen. Wo sich Wulff um vorsichtiges Einbeziehen des Islam (ohne Gleichstellung!) bemühte, erkannten seine Widersacher, dass sich die „christlich-jüdische Tradition“ hervorragend zur Abgrenzung eignet. Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden, beklagt, Wulff-Kritiker holten „propagandistische Phrasen aus der Mottenkiste, die den Eindruck erwecken, Deutschland stünde unmittelbar vor der Wahl zwischen Grundgesetz und Scharia.“

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2 Comments

  1. Warum sagt eigentlich keiner, dass der Atheismus auch zu Deutschland gehört. Schließlich sind doch längst nicht alle Deutschen dummgläubige Religioten !

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  2. hm?
    Wattn nu – Religionsfreiheit oder nur Freiheit für gewisse Religionen?

    Da klingeln mir die Ohren. Wirds demnächst ne „Wahlfreiheit“ und ich muß mich zwischen christentum und Judentum entscheiden?

    Oder ist die Freiheit von Religion auch akzeptable Wahlmöglichkeit? Ich habe meine Zweifel, denn GEGEN die Ungläubigen sind sie sich sogar MIT dem Islam einig, wetten?

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