Die göttliche Jukebox


HÖREN SIE, ich telefoniere hin und wieder mit Uta Ranke-Heinemann, der Tochter des dritten deutschen Bundespräsidenten, Kommilitonin des Heiligen Vaters und allererste katholische Theologin überhaupt. Kurzum: einer Frau, der man zuhören sollte, wenn sie was über das Religiöse an sich zu sagen hat. Ich tue es jedenfalls gern, auch wenn die alte Dame manchmal ganz schön ketzerisch vom Leder zieht.

Von David Baum The European

Kürzlich sagte sie, sie würde den Buddhismus als schrecklichste aller Religionen empfinden: „Schließlich ist sein Grundkonzept eine einzige Drohung, denn er stellt in Aussicht, dass ich nach dem Tode nicht Mama und Papa wiedersehe, sondern als Heuschrecke wiederkehre – eine Horrorvision.“ Das ist etwas keck formuliert, aber im Prinzip hat sie recht und bestätigt meine eigenen Erfahrungen. Ich kenne sie ja auch, diese Pazifismus vortäuschenden Bobo-Buddhisten. Man muss nur bei einem Abendessen eine Klitzekleinigkeit gegen den Dalai Lama vorbringen und schon hat man eine Überreaktion, die das Islamistengeschrei nach den Mohammedkarikaturen als höfliche Protestnote erscheinen lässt.

Es scheint immer mehr Mode zu werden, zwischen Weltreligionen und deren launigen Nebenzweigen hin- und herzuzappen. Am liebsten basteln sich die pluralistisch Vergeistigten eine Wohlfühlreligion aus allem zusammen, das ihnen irgendwo auf den Grabbeltischen spiritueller Buchhandlungen begegnet. Aber so funktioniert das nicht mit der Erlösung. Insofern ist mir eine sonst eher zwielichtige Person wie Suha Arafat, die als Gattin des früheren Palästinenserführers dem Katholizismus treu geblieben ist und ein Foto mit Papst Johannes Paul II. im gemeinsamen Haus in Gaza City hängen hatte, lieber als so eine Madonna Ciccone, die ihre Götter dem jeweiligen Plattencover anpasst. Ich gestehe, hin und wieder Gefallen am Protestantismus zu finden, weil er den Haupteinfluss gab, dass die Deutschen zu Denkern wurden, aber ich halte es mit der Religion ebenso wie mit dem Patriotismus: „Maybe it’s a shit country, but it’s my country.“

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