Der Staat, ein Produkt der Evolution?


 

Bild: (c) APA (CH. MAIRHUBER / KOTEAM)

 

Die Geschichte der Macht soll mit einer völlig neuen Methode, der der phylogenetischen Stammbäume, systematisch rekonstruiert werden.

Von Jürgen LangenbachDie Presse

Wie entstehen so komplexe Gebilde wie Staaten? Lange kam die Menschheit ohne sie aus, die Jäger und Sammler waren in kleinen, egalitären Gruppen organisiert. Das änderte sich, als vor 10.000 Jahren die Landwirtschaft kam: Die Menschen wurden sesshaft, institutionalisierte Machtstrukturen entstanden. Dann dauerte es wieder lange: Die ersten Staaten kamen vor 3600 Jahren, sie waren ein Produkt des Reichtums: Die Vorräte der Landwirtschaft mussten bewacht werden, dafür stellten die Gesellschaften Spezialisten frei, Krieger. Die zogen bald selbst auf Raubzüge, am Anfang nicht weiter als einen Tagesmarsch – die Anführer mussten bei einem Putsch zeitig zurück sein, dadurch blieb die Größe der Territorien limitiert.

 

Diese Grenzen fielen mit der Erfindung der Bürokratie. Wieder wurde eine neue Ebene in soziale Organisationen eingezogen: Spezialisten, die entlegene Provinzen verwalteten, ohne selbst Machtansprüche zu stellen. So ist das grobe Bild, so destilliert man es aus Regionalgeschichten: Die Komplexität politischer Verbände wächst langsam, Schritt für Schritt, vom Stamm über das Fürstentum und den Staat bis zum Imperium. Große Sprünge, etwa direkt vom Stamm zum Imperium, gibt es nicht. „Das ist das breiteste Muster der Geschichte“, vermutete Jared Diamond – ein Physiologe, der es vor allem als autodidaktischer Anthropologe zu Ruhm gebracht hat – in „Arm und Reich“.

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2 Comments

  1. Genau das ist es was die Fauceir Theorie auch untersucht, der Staat ist ein Fauceir, wie jede andere Machtstruktur auch, und deshalb auch den allgemeinen Gesetzen Evolution unterworfen.

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