Schläge im Namen des Herrn


 

Laut einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen schlagen die Angehörigen von Freikirchen ihre Kinder häufiger als andere religiöse Gruppen Foto: Gerhard Seybert - Fotolia.com

 

Je gläubiger Christen sind, desto eher schlagen sie ihre Kinder. Diesen Befund hat das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) unter Leitung von Christian Pfeiffer veröffentlicht und sorgt damit für Gesprächsstoff. Freikirchliche Christen tendierten noch eher zu Gewalt in der Erziehung als etwa Muslime, sagt die Studie, aus der das KFN vorab einige Ergebnisse bekannt gab.

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Die vorab veröffentlichten Studienergebnisse besagen, dass Jugendliche aus Familien freikirchlicher evangelischer Gemeinden in Deutschland häufiger von ihren Eltern „gezüchtigt“, also geschlagen werden, als der Nachwuchs von Katholiken, Protestanten oder Muslimen. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hatte 45.000 Neuntklässler im Alter zwischen 14 bis 16 Jahren aus 61 deutschen Städten und Landkreisen befragt. Darunter waren mehr als 600 Kinder freikirchlicher Eltern.

Laut einem dpa-Bericht gaben dabei 27 Prozent der Jugendlichen an, gewaltfrei erzogen zu werden. 21,3 Prozent sagten, sie seien massiven Schlägen ausgesetzt. Seit 1998 verbietet das Bürgerliche Gesetzbuch entwürdigende Erziehungsmaßnahmen, insbesondere körperliche und seelische Misshandlungen. Seit 2000 wurde Kindern zudem „ein Recht auf gewaltfreie Erziehung“ zugestanden.

Anleitungen zum biblischen Züchtigen

Auslöser für die Studie war laut Pfeiffer ein Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ über zwei christliche Bücher zur Züchtigung von Kindern. Der Artikel mit dem Titel „Liebe geht durch den Stock“, der am 24. September erschienen war, berichtet unter anderem von einem ehemaligen Mitglied einer Freikirche. Der sagte, das Schlagen von Kindern sei „in den evangelikalen Freikirchen weitgehend akzeptiert“. Immerhin heiße es im Alten Testament: „Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn bald“ (Sprüche 13,24) und „Rute und Strafe gibt Weisheit; aber ein Knabe, sich selbst überlassen, macht seiner Mutter Schande“ (Sprüche 29,15).

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4 Comments

  1. Pfeiffer ist der Leiter des entsprechenden Instituts.
    Und hat in der Kriminologie-community einen guten Namen. also unter Wissenschaftlern.

    Daß Ergebnisse nicht unfehlbar sind, liegt in der natur der Wissenschaft.

    Wer allumfassende Gewißheit braucht, ist in der Wissenschaft nicht gut bedient. Für den gibts da ein ganz anderes Portal….

    Also – zur Sache?

    und nach meinem Wissen zum Thema Mißhandlung und Vernachlässigung: für geringere, aber häufigere Übergriffe, sind in deutlich höherem Maße die Mütter verantwortlich.
    für schwere Übergriffe, bei geringerer Häufigkeit, jedoch extremeren Beschädigungen, sind die Väter verantwortlich.
    Diese Zuschreibungen sind meines Wissens aber nicht nach den oben verwendeten Daten ausgewertet, so daß nichts darüber ausgesagt werden kann, ob das auf Evangelikale zutrift.
    Vielleicht wird eine entsprechende Auswertung noch vorgenommen. Ich wäre gespannt.

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  2. Ich begebe mich jetzt auf dünnes Eis, aber: Der Name Christian Pfeiffer ist bei mir nicht unbedingt angetan, das Ergebnis dieser Studie mit einem Vertrauensvorschuss zu begegnen. Dazu dann noch Äußerungen wie:

    „Es scheint so, dass es sich hier um stark fundamentalistisch orientierte Menschen handelt, das sind Machtmenschen. “

    Das mag auf die Männer zutreffen, aber was ist mit den Frauen? Gerade die Freikirchen predigen doch die (biblische) Unterordnung der Frau unter den Mann (soviel mal wieder zum Thema, die westliche Wertegemeinschaft habe christliche Wurzeln).

    Gruß

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