Wir leben nicht in einem christlichen Staat!


Frei von Religion

Frankfurter Rundschau

Nach vielen Jahren der Vorbereitung wurde die Universität Frankfurt am Main im Oktober 1914 eröffnet. Gestiftet hatten sie wohlhabende, überwiegend jüdische Mäzene, denen viel an unabhängiger Forschung und Lehre lag. Eben deshalb mischten sie sich in eine Frage ein: Eine theologische Fakultät durfte es nach ihrem Willen nicht geben. Unter (rechts-)geschichtlichen und philosophischen Gesichtspunkten sollten Wissenschaftler auch Religionen erforschen, aber Glaubensbekenntnisse und Theologenausbildung sollten von einer neuzeitlichen, im besten Sinn des Wortes bürgerlichen Universität ferngehalten werden.

Von diesem liberalen Prinzip hat sich die Bundesrepublik weit entfernt. Politiker und Kommentatoren feierten es als Großtat, dass neben katholischen und protestantischen Geistlichen nun auch Imame an Universitäten ausgebildet werden. Das dokumentiert, wie verklebt und unklar in Deutschland gedacht wird.

Staat und Religion gehören rigoros getrennt. Das würde nach französischem Muster heißen: keine Kreuze in Gerichtssälen und Schulen; Religionswissenschaften, aber keine speziellen Theologien an Universitäten. Weil Religion Privatsache ist, haben staatliche Institutionen keine Geistlichen auszubilden. Jeder mag seinen Eid mit dem Hinweis auf seinen Gott – gegebenenfalls seine Götter! – bekräftigen. Wie wenig solches Denken in Deutschland verbreitet ist, zeigte sich vor einigen Monaten, als die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan bei ihrer Vereidigung die Formel „So wahr mir Gott helfe“ gebrauchte. „Um Gottes willen! Welchen Gott meinte sie denn? Allah?! Den meint unser Gesetz nicht“, so tönte es aus den Reihen unserer Staatschristen. Sie meinte Allah! Warum denn nicht?

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