Beruf: Wissenschaftler; Hobby: Christ


Molekülmodell auf einer Bibel: Glaube und Wissenschaft ergänzen sich gut, findet Barbara Drossel. Sie ist Professorin für Theoretische Physik in Darmstadt. Mathematikerin Elke Eisenschmidt sagt: "Man darf naturwissenschaftliche Fragen nicht vom Glauben her beantworten wollen oder umgekehrt." Foto: iStockphoto

Schöpfung oder Evolution, Gott kontra Wissenschaft? Vielen Menschen erscheinen christlicher Glaube und ein naturwissenschaftliches Weltbild unvereinbar. Was sagen gläubige Forscher?

Von Ulrich Pontesevangelisch.de

An der einen Wand ein Poster mit dem mittlerweile vollständig entzifferten Mäusegenom, an der anderen ein riesiges Puzzle von Michelangelos berühmter „Erschaffung Adams“. In Barbara Drossels Büro treffen auf den ersten Blick die Wissenschaft von den Grundlagen des Lebens und der christliche Glaube aufeinander. Und das ist kein Zufall: die 47-Jährige ist Professorin für Theoretische Physik an der TU Darmstadt, forscht unter anderem an der mathematischen Modellierung der biologischen Evolution – und sie ist gläubige Christin, was sie auch auf ihrer Website unter „Hobbies“ ganz unbefangen öffentlich macht.

Glaube und Naturwissenschaft – ist das nicht ein Widerspruch oder zumindest ein riskanter Spagat? Die freundliche, drahtige Professorin schüttelt den Kopf und nippt an einem riesigen Thermosbecher mit Tee. „Ich finde eher, dass es sich gut ergänzt.“ Glaube und Wissenschaft gäben aus unterschiedlichen Blickwinkeln Aufschluss über die Welt. Der vermeintliche Widerspruch werde auch durch viele Wissenschaftler in Geschichte und Gegenwart aufgehoben, die Glauben und Forschen in ihrer Person vereinen. Das würde sogar ein Atheist wie der berühmte Evolutionsforscher Stephen J. Gould zugeben. „Er hat einmal sinngemäß gesagt: Wenn es stimmen würde, dass Glaube und Wissenschaft nicht vereinbar sind, dann müsste die Hälfte meiner Kollegen schizophren oder dumm sein. Aber, so Gould weiter: Ich nehme sie als ganz normale, vernünftige Menschen wahr.“

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6 Comments

  1. die Wissenschaftler de ich als Biologe kennengerlernt habe, waren eigentlich nie gläubig.
    Prof. Hölldobler von der Uni Würzburg hat oft in Vorlesungen über die Religion lautstark gelästert und sie verdammt.

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  2. Schizophren passt schon, wenn man der Definition folgt, dass es sich um eine Bewusstseinsspaltung handelt; also das Erleben der Welt geteilt ist in Wahrnehmung der tatsächlichen Realität (Wissenschaft) und in die Wahrnehmung einer „virtuellen“, eingebildeten Realität (Religion).

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  3. Interessant ist ja, dass sich die meisten Menschen – insbesondere auch Gläubige – im „normalen“ Leben völlig rational verhalten können (etwa beim Auto-Kauf oder bei Entscheidungen für eine Geldanlage) und quasi im nächsten Moment – sobald es um philosophische Fragen geht – religiös halluzinieren können.

    Das wirkt auf mich immer, als ob da im Kopf ein Schalter umgelegt wird. Wenn man das mal live mit bekommt (kann bei jedem Kaffee- oder Kneipenplausch passieren), wirkt das je nach Thema lustig, befremdlich und manchmal sogar beängstigend – nämlich als ob da tatsächlich zwei Personen sich das Dachstüblein teilen würden.

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  4. schizophren definieren

    Kugscheiß: schizophren != gespaltene Persönlichkeit (was hier wahrscheinlich gemeint war?!)

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  5. Na, ja, in seinem Beruf mag ein Wissenschaftler ja kompetent sein. Wenn er aber Wissenschaft und Religion als Einheit sieht oder gar vermischt, muss man das schon als schizophren definieren.

    Ich kann mir nicht helfen, aber wenn sich ein Wissenschaftler als religiös bezeichnet, prüfe ich seine wissenschaftlichen Aussagen stets genauer nach. Das Misstrauen gegen Religioten sitzt bei mir nun mal sehr tief.

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