Wo hört das Tier auf, wo beginnt das Menschliche?


Der falsche Vampir Megaderma lyra, Quelle: bbc.co.uk/media

Seit der Antike gibt es eine Definition des Menschen, die ihn als „animal rationale“ beschreibt, als vernünftiges Tier. Doch diese Vorstellung wirft Probleme auf: Wie genau sind die animalischen und die vernünftigen Anteile im Menschen miteinander verknüpft? Wo hört das Tier auf, wo beginnt das Menschliche?

Von Sabine SalewskiDeutschlandradio Kultur

Wir können die Schreie von Fledermäusen nicht hören. Ihre Rufe im Ultraschallbereich sind für menschliche Ohren zu hoch. Erst wenn man sie mit einem Spezialmikrofon aufnimmt, tieferlegt und zehnfach verlangsamt, werden sie hörbar:

Fledermäuse nehmen ihre Umwelt mithilfe dieser Hochfrequenzschreie wahr. Sie registrieren das Echo ihrer Schreie, das von Bäumen, Insekten oder Hauswänden zurückgeworfen wird: Sie sehen mit den Ohren. Wohl kein Sinnesapparat unterscheidet sich so grundsätzlich von unseren eigenen Wahrnehmungsorganen wie die Echolotortung der Fledermaus: Fledermäuse sind nicht wie wir.

„Jeder, der einige Zeit in einem geschlossenen Raum mit einer aufgeregten Fledermaus verbracht hat, weiß auch ohne die Hilfe philosophischer Reflexion, was es heißt, einer grundsätzlich fremden Form von Leben zu begegnen.“

Das schreibt der amerikanische Philosoph Thomas Nagel im Jahr 1974 in einem Aufsatz mit dem Titel: „Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?“ Der Text wurde berühmt, nicht nur unter Philosophen. Er sollte eine gesamte neue Forschungsrichtung begründen.

„Ich möchte wissen, wie es für eine Fledermaus ist, eine Fledermaus zu sein.“

Um diese Frage ging es Nagel. Damals lehrte er zusammen mit dem Biologen und Zoologen Donald Griffin an einer kleinen, elitären Forschungseinrichtung in New York, der Rockefeller University. Griffin war Fledermausforscher. Er war es, der 1938, noch als Student, die Echolokation von Fledermäusen entdeckt hatte. Nun ließ ihn Nagels Frage nicht mehr los: Wie nehmen andere Lebewesen die Welt wahr? Wie empfinden Sie? Was für eine Form von Bewusstsein haben sie? Und: Können wir etwas darüber in Erfahrung bringen? Diesen Fragen widmete Griffin von nun an seine gesamte Forschungstätigkeit.
Das Feld der „kognitiven Ethologie“ war entstanden, der Verhaltensforschung, die das geistige und soziale Leben von Tieren und Menschen erforscht, und ihr Gründungsvater, das war Donald Griffin sagt Julia Fischer, Professorin für kognitive Ethologie an der Universität Göttingen.

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8 Comments

  1. DAS „Deutschlandradio“ ist halt nicht besonders helle sondern auf Christlich Konservativer Linie.

    Der Titel der Sendung war:
    „Wo hört das Tier auf, wo beginnt das Menschliche ?“
    Damit wollen sie blos sugerieren, das der Mensch im Tierreich was „Göttliches“ habe, möglicherweise von Gott nach seinem „Ebenbild“ geschaffenes, habe.

    Die Biologie sagt aber ganz eindeutig, daß der Mensch eine Affenart der Altweltaffen, ist (Wikipedia, Mensch). Das Tier im Menschen hört also gar nirgends auf, der Mensch ist zur gänze eine Art der Affen, also auch ein Tier.

    Die Unterschiede z.B. zwischen der Affenart Mensch sowie der Affenart Menschenaffe wäre zunächst biologisch zu klären, das sind glaub ich 2 % der Gene die unterschiedlich sind. Der eine kann besser klettern weil sich seine Vorfahren für ein Leben im sicheren Wald entschieden haben. Der andere wagte sich in die waldlosen Ebenen und brauchte dort mehr Werkzeuge und Waffen, Jagttaktiken, Sprache, Feuer usw.
    Jeder besetzte also eine gute Nische, Zwischenarten sind ausgestorben. Den Unterschied zwischen den Menschen und anderen Affen anders als biologisch erklären zu wollen, halte ich für einen Glauben. Es kann ja Niemand bestreiten das Tiere auch intelligent sind, lernen können und Gefühle wie Trauer, Freude, Freundschaft usw. haben.

    Und was ist mit den Ameisen die richtige Staaten, Haustiere haben und Landschaftspflege, Hausbau betreiben ?
    Die sind nur so klein weil der Sauerstoffgehalt der Luft für sie niedrig ist.

    Auf andern Planeten wird es wohl auch Hochentwickelte Lebensformen geben.

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  2. @Achim:

    Naja, Deiner Argumentation zur Folge bzw diese konsequent weiter geführt dürfte es in der Biologie keinerlei Einteilung in Arten, Gattungen, Familien etc geben. Weil jede dieser Einteilungen ja einen Gegensatz zur höheren Gruppe stellt. Das wird ja expressis verbis in deinem ‚Gegenargument‘ der ‚Ähnlichkeit zwischen Tauben und Vögeln‘ gezeigt. Dass in der Biologie aber durch diese Einordnungen keinerlei Wertung vorgenommen werden sollte offensichtlich sein.

    Also: Wir sind alle Mehrzeller. So. Oder ist das nicht schon eine bewusste Dichotomie zu den Einzellern und somit unzulässig? Wir sind also alles nur Zeller? Haben wir damit aber nicht wiederum eine Dichotomie, und zwar zu den Viren?

    Ich bin jetzt mal dem Link, der hinter deinem Nick ist, gefolgt. Ich muss mich entschuldigen: Ich wusste nicht, dass du Antispeziesist bist. Sonst hätte ich mir die Argumentation sparen können.

    Gruß

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  3. @Skpsis: Schon der Titel enthält die Dichotomie. Analog zu „Wo hört das Obst auf, wo beginnt das Birnliche?“ Denn Birnen sind Obst und Menschen sind Tiere, also ist der Titel Unfug.
    Und Dein „Ähnlichkeiten in kognitiven Leistungen zwischen Mensch und Tier“ ist ebenso Unfug wie „Ähnlichkeit zwischen Tauben und Vögeln“. Eben eine absurde Dichotomie an einer Stelle, an der eine solche unsinnig ist. Sprich: Auch Du leidest an der religiösen Indoktrination, die leugnet, dass Menschen Tiere sind.

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  4. „Auch Darwins Evolutionsbiologie kann diese Spannung nicht aufheben.“

    Ohne den Kontext der historisch-evolutionären Entwicklung zu betrachten, als Entwicklung vom Allgemeinen zum Speziellen, ist so eine „kognitive“ Forschung doch nur Blödsinn.

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  5. @Achim:

    Vielleicht habe ich den Artikel nicht aufmerksam genug gelesen, aber ich kann diese Dichotomie in dem Artikel nicht erkennen. Ich habe den Artikel so verstanden, dass es um die Frage geht, was die *Art* Mensch von anderen (tierischen) Arten unterscheidet bzw. wo Ähnlichkeiten in kognitiven Leistungen zwischen Mensch und Tier bestehen.

    Gruß

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