Merkel handelt unchristlich


Der Berliner Frauenarzt Matthias Bloechle, selbst Vater von fünf Kindern, hat die Präimplantationsdiagnostik (PID) bei drei Paaren angewendet. Anschließend zeigte er sich selbst an, um in einem Modellprozess endlich die Frage zu klären, ob PID in Deutschland verwandt werden darf oder nicht. Nach über vierjährigem Rechtsstreit sprach ihn der Bundesgerichtshof im Juli dieses Jahres frei und stellte klar, dass PID nach dem geltenden Embryonenschutzgesetz in Deutschland erlaubt ist.

Von Claudia EhrensteinWelt am Sonntag

Welt am Sonntag: Mit welchen Gefühlen verfolgen Sie die aktuelle politische Debatte über die PID?

Matthias Bloechle: Ich bin vor allem enttäuscht, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel so eindeutig gegen die PID ausgesprochen hat und ein grundsätzliches Verbot fordert. Da hätte ich eine differenzierte Meinung erwartet. Ihre Haltung ist unchristlich und inhuman und torpediert das Selbstbestimmungsrecht der Frauen.

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3 Comments

  1. Politiker sollen nicht über solchen Sachen reden. Jede soll für sich selbst entscheiden ob sie/er das will oder nicht. Und mit eigenem Gewissen tun.

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  2. Natürlich macht die PID wesentlich mehr Sinn, als eine nachträgliche, risikobehaftete Schwangerschaftsuntersuchung. Aber das wollen Merkel & Co. einfach nicht wahr haben. Da wird der Embryo zum sakrosankten Fetisch und die frage, was mit den betroffenen Menschen geschieht, wird völlig in den Hintergrund gedrängt.

    Bei Merkel gehe ich sogar mal davon aus, dass sie nicht aus ideologischen Beweggründen handelt. Das ist schlicht eine politische Beruhigungspille für die erzkonservative Klientel der CDU/CSU. Aus Merkels Perspektive also pures Kalkül.

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  3. In meinem Bekanntenkreis ist ein Elternpaar, welches sich den Wunsch nach einem Kind über die In-vitro-Fertilisation erfüllte. Es stellte sich dann heraus, dass das Kind an Mukoviszidose litt. Dessenungeachtet wünschten sich die Eltern ein zweites Kind. Bei einer Fruchtwasser-Untersuchung stellte sich dann aber heraus, dass auch dieses Kind diese Krankheit haben würde. Die Eltern entschieden sich daher für einen Schwangerschaftsabbruch.

    Unverständlich bleibt, dass in diesem Fall – nach Ablauf der gesetzlichen Schwangerschafts-Abbruchfrist von 12 Wochen, bei medizinischer Indikation = 14 Wochen – ein Abbruch erlaubt ist. Eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) kann aber erst ab der 15. bis 20. Schwangerschaftswoche erfolgversprechend durchgeführt werden. Im Falle meiner Bekannten konnte dann aber der Abbruch trotz Fristüberschreitung erfolgen, was die aktuelle Gesetzgebung offenbar sanktioniert.

    Da stellt sich doch die Frage, ob eine PID (Auswahl gesunder Embryonen) nicht wesentlich mehr Sinn macht, als eine nachträgliche und risikoreichere Schwangerschaftsunterbrechung bis hin zur 20. Woche. Frau Merkel ist offenbar von allen guten Geistern verlassen, wenn sie den Embryonenschutz in ihrem Sinne propagiert. Das entbehrt doch jeglicher Logik und ist weit entfernt vom humanen Denken.

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