Nahost-Synode: Vatikanisches Babylon


Papst Benedikt XVI. eröffnete die Nahost-Synode mit einem feierlichen Gottesdienst im Petersdom in Rom

Stefan von Kempis hat für Radio Vatikan die Nahost-Synode der katholischen Kirche beobachtet. DW-WORLD.DE sprach mit ihm über die Resultate – und den mangelnden Zusammenhalt der christlichen Strömungen im Nahen Osten.

DW-WORLD.DE: Herr von Kempis, zu welchem Schluss sind die Bischöfe mit Blick auf Israel und die palästinensischen Gebiete gekommen?

Stefan von Kempis: Die Bischöfe haben sich sehr vielstimmig auf der Synode geäußert, weil sie auch aus sehr verschiedenen Teilen des Nahen Ostens kommen beziehungsweise aus der Diaspora, also aus Ländern des Westens, die mittlerweile große Kontingente von emigrierten nahöstlichen Christen bei sich haben. Aber die Haltung, die die Synode zumindest offiziell in ihrer großen Abschlusserklärung eingenommen hat, ist auch die des Vatikans, nämlich: Ja zur Zweistaatenlösung; internationaler Status für Jerusalem, damit Pilgerfahrten aller großen Religionen zu den dortigen heiligen Stätten möglich sind; Ende der Besetzung von Palästina, Gaza, Westjordanland; klare Grenzen und Freiheit und Sicherheit für beide künftige Staaten, nämlich Israel und Palästina. Das ist die Haltung, die vom Vatikan bekannt ist und die sich die Synodenväter – nicht ohne diplomatische Finesse – auch angeeignet haben. Dass es aber manchmal zu eifrigen Wortmeldungen erregter Kirchenväter auf der Synode selber kam, hat natürlich auch in Israel zu Verstimmungen geführt. Man sollte einzelne Wortmeldungen aber nicht mit der offiziellen Haltung des Vatikan oder mit dem Tenor der Synode verwechseln.

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