Zuviel Fußball in den Medien


© BR/Max Kohr

Fünf Millionen gehen regelmäßig in die Kirche, aber nur 700.000 ins Stadion. Dennoch wird über Fußball weitaus mehr berichtet – zu unrecht, kritisierte die Ex-Landesbischöfin Käßmann.

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Mit zwei kurzen Sendungen ist sie am Reformationstag sowie am Buß- und Bettag im ZDF zu sehen, dennoch findet Margot Käßmann religiöse Themen in den Medien unterrepräsentiert. „Es ist eine Verachtung der Realität, dass in den Medien solche Themen so wenig vorkommen“, sagte Käßmann im Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“.

„Ich finde diesen Traditionsverlust wirklich traurig“. Die zurückgetretene Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende verwies in diesem Zusammenhang auf die 50 Millionen Menschen, die in Deutschland Mitglieder einer Kirche sind. „Fünf Millionen gehen regelmäßig am Sonntag in einen Gottesdienst, nur 700.000 besuchen am Wochenende ein Fußballstadion. Über Fußball aber wird ständig berichtet“, kritisierte Käßmann.

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6 Comments

  1. Aber wir müssen doch an Frau Käßmann denken: Ihr Buch ist auf der Spiegel-Bestsellerliste nur noch auf Platz 12. Irgendwie muss sie ja diese Einnahmedefizite ausgleichen. Immerhin muss sie jetzt ja auch selbst sich um ihren Transport kümmern.

    Aber mal zu ihrer Rechnung: Ok, Christen haben es nicht so mit Zahlen, da ist eins ja gleich drei, aber ihr sollte doch eigentlich klar sein, dass nicht jeder, der Fußball schauen will, in’s Stadion kann und es daher vor der Glotze schaut.

    Oder ihr Argument umgedreht: Die Kirchen sind ja chronisch leer. Sagen die ja immer. Also keine Messe mehr im Fernsehen! Dann gehen mehr Leute in die Kirche.

    @omnibus56

    Wenn etwas …unterrepräsentiert ist, dann sind es wissenschaftliche Sendungen, und damit meine ich keine Wissenschaftsshows…. Ich meine Sendungen, die Informationen im Wesentlichen sachlich rüberbringen, wie z. B. “Abenteuer Wissen”, das vom ZDF nach 22 Uhr versteckt wird, damit die Jugend nur ja nicht eine Alternative zu dem Sch… der Privaten hat. Aber wenn Herr Bublath den Homöopathie-Voodoo demaskiert, dann brauchen die Lobbyisten nur zu trommeln und das ZDF bricht ein.
    Das ist ein Skandal!

    Vollkommene Zustimmung.
    Gruß

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  2. Frau Käßmann hat insofern Recht, dass Fußball einen viel zu breiten Rahmen einnimmt. Sie hätte auch die Live-Berichte über Veranstaltungen von „Körperverletzung auf Verlangen“ oder „geregelte Schlägereien“ – vulgo „Boxen“ – nennen können.

    Wenn sie aber die „Unterrepreäsentation“ der religiösen Sendungen beklagt, ist das Unsinn. Gemessen an dem Anteil derer, die tatsächlich religiös sind, sind die religiösen Sendungen eher noch überrepräsentiert. Schließlich sind unter den „Gläubigen“ auch viele, die Teile des Glaubensbekenntnisses nur mechanisch mitsprechen, weil „das halt der Text“ ist. [Ich habe im Bekannten- und Freundeskreis viele Kirchgänger, die eigentlich das Glaubensbekenntnisses nicht mitsprechen dürften, weil sie gar nicht glauben, was darin vorkommt.]

    Und dann gibt es noch die Kirchenmitglieder, die nur an den Glauben glauben – aber nur an seine Notwendigkeit für andere, weil sie selbst diesen gar nicht mehr teilen.

    Wenn etwas – gemessen an seiner Bedeutung für ein (angebliches?) „Technologieland“ – unterrepräsentiert ist, dann sind es wissenschaftliche Sendungen, und damit meine ich keine Wissenschaftsshows (und recht keine im Abendprogramm). Ich meine Sendungen, die Informationen im Wesentlichen sachlich rüberbringen, wie z. B. „Abenteuer Wissen“, das vom ZDF nach 22 Uhr versteckt wird, damit die Jugend nur ja nicht eine Alternative zu dem Sch… der Privaten hat. Aber wenn Herr Bublath den Homöopathie-Voodoo demaskiert, dann brauchen die Lobbyisten nur zu trommeln und das ZDF bricht ein.

    Das ist ein Skandal!

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  3. frau käßmann soll sich nicht beschweren.. schließlich wurde doch ausführlich über ihre autofahrt unter alkoholeinfluss berichtet.

    obwohl, der missbrauch der heimkinder als arbeitssklaven ist in den medien wirklich etwas unterrepräsentiert.

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  4. Wenn man die Sendeminuten der Öffentlich-Rechtlichen von Gottesdienstübertragungen, Wörtern zum Sonntag, Papstbesuche hier, Papstbesuche da und sonstigem religiösen Quatsch in einer Woche zusammen rechnet, kann man – ebenfalls in den Öffentlich-Rechtlichen – ca. zwei mal drei Leben lang nach Fussball suchen. Trotzdem finde ich in den Medien auch den Fussball deutlich überrepräsentiert. Allerdings ist mir das für meinen Medienkonsum völlig Latte, weil ich schon seit Jahren keinen Fernseher mehr besitze.

    Allerdings habe ich den Verdacht, daß sowohl der Konsum von Religiosität als auch der von Fussball (oder ähnlich anspruchsvollen Sportarten) für das Gros der Bevölkerung nicht wirklich positive Auswirkungen hat …

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  5. Religiöse Sendungen vermisse ich verständlicherweise nicht. Es gibt ja schließlich private TV-Sender, die sich dieses Themas annehmen. Da zapp ich stets ganz schnell weg ! Wenn jetzt gar jede religiöse Organisation (Kirche oder Sekte) auf ein erweitertes Senderecht pochen würde…! Oder gar ein Muezzin übers Fernsehen zum Gebet aufriefe…! Eine echte Horror-Vision !

    Mir fällt vielmehr auf, dass im TV ganz allgemein die unzähligen, zum Teil läppischen und völlig realitätsfernen Krimis den Bildschirm beherrschen. Das wäre doch mal ein Thema für die Kirchen, die ja auch im Rundfunkrat vertreten sind. Auch über den Alkoholismus – zweifellos eine weit verbreitete Volkskrankheit – könnte eine Ratgeber-Sendung installiert werden. Die könnte ja Frau Käßmann moderieren ! Sie ist schließlich in diesem Thema eine ausgewiesene Expertin. Vom Bildungsauftrag den ARD und ZDF wahrnehmen sollten, ist leider generell nicht sehr viel übriggeblieben. Na, ja, die unzähligen, inflationären Koch-Sendungen darf man sicher nicht als zum Bildungsauftrag zählend einstufen.

    Was die Krimis anbetrifft: Ich meine, wenn es im Lande der Dichter und Denker den Fernsehmachern und Drehbuchautoren nur gelingt mittels Mord und Totschlag Spannung zu erzeugen, ist das ein Armutszeugnis. Ich bin ja nicht generell gegen Krimis, aber die Dominanz dieser Sparte ist doch nicht mehr zu übersehen.

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