Christlich-mystischer Mumpitz


Quelle: wikipedia

Der Begriff „Mystik“ ist in den letzten Jahrzehnten so strapaziert worden, dass er für fast alles herhalten muss, was irgendwie geheimnisvoll klingt, ob in der Esoterik, im New Age oder in Psychogruppen. Doch mit Mystik im christlichen Sinne hat das alles wenig zu tun. Aber was ist Mystik?

Von Marie WildermannDeutschlandradio Kultur

„Es ist eine Intensivform des christlichen Glaubens“,

sagt der Leipziger Theologieprofessor Peter Zimmerling. Im Gegensatz zum intellektuellen für-wahr-halten weiß der Mystiker, dass es Gott gibt, so der Theologe, – durch eine tiefe, authentische Begegnung mit Gott. Diese Begegnung kann sich auf verschiedene Arten ausdrücken: Durch innere Erkenntnis, durch Träume, durch Visionen oder durch das, was wir „Wunder“ nennen – etwas, was nach menschlichem Ermessen nicht möglich ist. Die Mystik ist immer eine zutiefst individuelle Gotteserfahrung.

„Und das macht natürlich auch die Brisanz der Mystik im Hinblick auf die institutionalisierte Religion aus, dass alle Kirchen zunächst mal mit Mystikerinnen und Mystikern Probleme haben.“

Denn, so Professor Zimmerling, sie stehen im Verdacht, die kirchliche Dogmatik und Glaubenslehre zu gefährden. Mystiker gab es in der gesamten Kirchengeschichte, etwa bei den Mönchen des frühen Christentums, den sogenannten Wüstenvätern des vierten Jahrhunderts. Oder im Mittelalter, der Blütezeit der Mystik, mit Persönlichkeiten wie Meister Eckhart, Johannes Tauler oder Katharina von Siena. Häufig bewegten sich die Mystiker am Rande der Kirche, viele von ihnen waren Laien, unter ihnen auffallend viele Frauen. In der Kirchengeschichte wurden sie nicht selten als Häretiker verfolgt.

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