Der schweigende, seelige, heilige Papst


James Cromwell als Papst im ARD-Film "Pius XII."

Es ist kein Zufall, dass der Film und James Cromwell als Pius XII. die Vorbereitungen schaffen sollen, diesen Papst seligzusprechen. Es ist auch kein Zufall, dass der Film wenige Tage (ARD, 1. November, 20.15 Uhr) nach dem Erscheinen des 880 Seiten dicken Dokumentarbands „Das Amt“ ausgestrahlt wird.

Von Rolf Hochhuth BZ

„Das Amt“, damit ist das Berliner Auswärtige gemeint, dem von 1938 bis 1943 als Staatssekretär Ernst Freiherr von Weizsäcker vorstand. Bis er als Botschafter Hitlers zum Vatikan ging, wo es sein Bemühen war, den Papst zu überreden, dem Reich einen Separatfrieden mit den Westmächten zu vermitteln, um zu verhindern, dass Stalin als Sieger durchs Brandenburger Tor einzieht.

Ein hübscher Film, der immerhin Geschichte nicht fälscht, sofern nicht Lücken schon Lügen sind. Denn niemand hat ja bisher angezweifelt, das Pius XII. im Oktober 1943, als auch aus Italien 8000 Juden nach Auschwitz deportiert wurden – weniger als 200 kehrten zurück – , erlaubt hat, ihnen rettende Klostertüren aufzumachen: Auch im „Stellvertreter“ zeige ich das in zwei Szenen. Doch der grundlegende Unterschied zwischen Fernsehen und Wahrheit bleibt: Mit keiner Silbe erfährt man im Film, dass Pius XII. öffentlich während des Krieges nicht ein einziges Mal das Wort Jude in den Mund genommen hat. Kein Mensch auf der Welt sollte diesem Papst jemals unterstellen, er sei nicht seit 1933, als er sein Konkordat mit Adolf Hitler schloss, voll großer Sympathien für den Faschismus, speziell für die Raubmörder gewesen, die erst 1945 aus Berlin beseitigt wurden!

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2 Comments

  1. Ach, die ARD wird’s schon richten und ein herziges Mitheulabenteuer über den guten Papst hinbekommen. Es geht ja um Prime-time-Unterhaltung und nicht um Aufklärung….

    Die menscheln gerne, ich konnte das gestern Abend auf 3sat bei ‚Luther‘ sehen. Eigentlich hat mich nur meine Neugier, ob es noch blöder und unhistorischer kommen könne, davon abgehalten, abzuschalten. Das schaffte dann eine Szene: Ein behindertes Kind, das die ganze Zeit von seiner Mutter durch die Gegend getragen wird, stakst auf zwei Behelfskrücken Luther entgegen, der vorher seiner Mutter Geld für einen Ablassbrief zurück gegeben (um der Kleinen Essen zu kaufen) und an ihr Gottvertrauen appelliert hat….

    Gruß

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  2. Die geschichtliche, nicht zu widerlegende Schuld von Papst Pius XII ist und bleibt ein schwerwiegendes, unbewältigtes Erbe der katholischen Kirche. Diese Schuld ist auch mit einer Seligsprechung nicht reinzuwaschen !

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