Paulus Brief: Korinther Kapitel 11


Für die aktuelle Diskussion über Kopftuch, Burka und Scharia könnte das 11. Kapitel eines Paulus-Briefes von besonderem Interesse sein.

Von Micha Brumlik taz.de

Wenn der Begriff der jüdisch-christlichen Kultur auf etwas zutrifft, dann mit Sicherheit auf jene Gemeinden griechischsprachiger Juden und Gottesfürchtiger, an die sich der Apostel Paulus missionarisch wandte, etwa in Korinth.

Für die aktuelle Diskussion über Kopftuch, Burka und Scharia jedenfalls ist das 11. Kapitel dieses Briefes von besonderem Interesse. Frauen genossen im hellenistischen Judentum – anders als in der heutigen Orthodoxie – hohes Ansehen, waren Synagogenvorsteherinnen und saßen auch nicht von den Männern getrennt. Was meint der Apostel dazu?

Das entfaltet er im ersten Brief an die Korinther, Kapitel 11,3-13: „Ich will euch aber wissen lassen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, der Mann aber das Haupt der Frau, Gott aber das Haupt Christi. Jeder Mann, der bei prophetischen Reden etwas auf dem Haupte hat, entweiht sein Haupt. Jede Frau aber, die mit unverhülltem Haupt betet oder prophetisch redet, entweiht ihr Haupt; denn sie ist ein und dasselbe wie die Geschorene. Will nämlich eine Frau sich nicht verschleiern, so soll sie sich auch die Haare abschneiden lassen. Gilt es aber als Schande für eine Frau, sich das Haar schneiden oder kahl scheren zu lassen, so soll sie sich verschleiern. Der Mann braucht sich nämlich das Haupt nicht zu verhüllen, weil er Bild und Abglanz Gottes ist; die Frau dagegen Abglanz des Mannes. Der Mann ist nämlich nicht aus der Frau, sondern die Frau aus dem Manne. Auch wurde der Mann nicht um der Frau willen geschaffen, vielmehr die Frau um des Mannes willen. Deshalb soll die Frau ein Machtzeichen auf dem Haupte haben um der Engel willen. Übrigens ist im Herrn weder die Frau etwas ohne den Mann noch der Mann ohne die Frau. Wie nämlich die Frau vom Manne stammt, so ist wiederum der Mann durch die Frau; alles aber ist aus Gott.“

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3 Comments

  1. Weibliche Staatsoberhäupter, die dem Papst einen Besuch abstatten, bedecken sich auc heute noch das Haar. Und vor ein paar Jahrzehnten gingen Frauen nur mit bedecktem Haar (Hut, Kopftuch) zur Kirche.
    Aber das stimmt schon: Judentum, Christentum und Islam stammen aus derselben patriarchalen Kultur des nahen Ostens. Der Unterschied zwischen barhäuptigen Frauen (jeglicher Tradition) und Kopftuchträgerinnen besteht darin, dass erstere sich nicht durch ihre kulturelle Abstammung definieren. Letztere hingeben wollen beides: Freiheitsrechte beanspruchen um einer Tradition zu frönen, die ihnen diese Freiheitsrechte gar nicht zugesteht.

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  2. Wichtig ist hier auch, dass man beachtet, dass der Mann keinesfalls aus der Frau ist, aber sehr wohl durch die Frau.
    Steht das im griechischen Original auch so sinnlos drin?
    Ist es eigentlich möglich, einen sinnlosen Text zu übersetzen?

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  3. Dürfen wir dann demnächst Frau Merkel und die ganzen weiblichen Verfechter der „christlichen Leitkultur“ mit Kopftüchern bewundern?

    Kopftuchpflicht für Lehrerinnen an bayerischen Schulen?

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