Gott ist krass


Quelle: WOZ, Ursula Häne
Quelle: WOZ, Ursula Häne

Der Seelenfänger von Zürich

Trendig tritt sie auf, mit Musik, Videos und grossen multimedialen Gottesdiensten. Die International Christian Fellowship hat ungemein Zulauf. Dabei sind ihre Inhalte erzkonservativ: Gott hat für alles eine Antwort parat. Das verleiht Halt in einer unsicheren Welt. Eine Reportage über die Freikirche und deren Anführer Leo Bigger.

Von Carlos HanimannWOZ

Irgendwann verliert er die Beherrschung. Seit zwei Stunden lässt sich Leo Bigger befragen – über Gott und über die Welt. Im wörtlichen Sinn. Bigger ist Senior Pastor der International Christian Fellowship (ICF), der grössten Freikirche in der Schweiz. Er wählt seine Worte sorgfältig, wägt ab, relativiert. Er gibt sich offen, tolerant, ausgeglichen. Keineswegs der christliche Fundamentalist, als der er mir vorgängig beschrieben wurde, für den nur die Bibel zählt, der die Welt in Gut und Böse einteilt, in Christen und Nichtchristen, in Himmel und Hölle. Doch dann redet sich der Pastor plötzlich in Rage. In Frankreich sei es einfacher, eine Moschee zu bauen als eine Freikirche.

Er verschränkt die Arme. Wartet. Er spreche aus Erfahrung, sagt er dann, und um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen: «Ich habe nichts gegen Moslems, aber es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Frankreich ein muslimisches Land ist.» Der Satz kommt unerwartet. Bigger legt den Kopf nach hinten, streckt sein Kinn trotzig nach vorne. Ist das sein Ernst? Oder nur Provokation? «Und in der Schweiz?», frage ich. «Besteht diese Gefahr auch hier?» – «Ja, logisch. Dort, wo man die Moslems reinholt, ist das nur eine Frage der Zeit.»

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2 Comments

  1. Der Bericht deckt sich so ziemlich mit meinen eigenen Erfahrungen. Zweimal habe ich einen Gottesdienst zu des ICFs Forschungszwecken besucht.
    Die ganze Aufmachung der „Celebration“, also die bemühte Jugendsprache, die coole Kleidung der Prediger (auch das durchaus adrette Äussere dieser Leute), die popige Musik, die professionelle Lichtgestaltung, … wirkte schon recht befremdlich auf mich. Lächerlich fand ich es, doch mir entging natürlich nicht die Wirkung des ganzen Brimboriums auf die anderen (vielleicht 1000 Zuhörer!) nicht: die waren hingerissen, begeistert und komplett vom Geist der Massenveranstaltung erfasst. Schlimm fand ich die Verzükten in den ersten drei Reihen, welche jeweils aufsprangen, die Hände gegen den Himmel richteten und irgendwelche frommen Ausrufe von sich gaben… Lächerlich und Peinlich. Aber unglaublich effektiv für naive oder vom Leben verunsicherte Geister.

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  2. Nee, nee, nee! 😦

    …und schon wieder so ein religöser Verirrter, den die Welt nicht braucht. Hört dieser Unsinn denn niemals auf?

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