Wer hat Herrn Mayer designed?


Foto: Christa Latta

MdB Stephan Mayer: „Kein Recht auf ein Designerbaby, keine Verurteilung von Eltern behinderter Kinder”

wochenblatt.de

Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer(CSU) spricht sich für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) aus (Erläuterung siehe unten). Mayer: „Jede Zelle, welche für die PID entnommen werde, kann sich zu einem vollständigen Menschen entwickeln. Der Mensch greift in die göttliche und natürliche Ordnung ein.“

Wie der heimische Bundestagsabgeordnete weiterhin anmerkt, solle durch die PID ausgewählt werden, welcher Embryo in die Gebärmutter verpflanzt und somit eine Chance zum Überleben bekomme. Die Kriterien für eine derartige Auswahl, die in der Evolutionsbiologie als „künstliche Selektion“ bezeichnet wird, seien nicht kontrollierbar.

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4 Comments

  1. @evidentist:
    Meine Frage an Herrn Mayer war natürlich eine rhetorische. Man kann mir erzählen, was man will, aber nicht, dass katholische Ehepaare (katholische sexuell aktive nicht Ehe-Paare sind ja ein Frevel) auf moderne Verhütungsmittel verzichten. Zumindest in der westlichen Welt, wo diese Mittel also einfach zu beschaffen und preisgünstig sind. Dies trifft, meiner Überzeugung nach, auf 99% der Paare zu.

    Es ist die typische Rosinenpickerei: Man gibt sich zwar als gut katholisch (wobei katholisch hier wie im Folgenden als Platzhalter zu verstehen ist) aber lebt sein Leben so, wie es einem persönlich angenehm ist. Kirchliche Gebote hin oder her. Dafür opponiert man dann wider alle Vernunft gegen Dinge, die einen persönlich nicht betreffen (wie z.B. die PID), um sein Katholik-Sein zu beweisen.

    Ich habe schon häufiger solche Diskussionen mit einem guten Bekannten gehabt: Er und seine Frau sind katholisch, er ist Mitglied im Pfarrgemeinderat, sie haben drei Kinder. Er gibt offen zu, dass sie die Pille verwenden, die Fastengebote ihm ziemlich egal sind (witzigerweise mit dem Argument, sie seien unpraktisch und würden ihn, der nebenbei noch Sport betreibt, nur behindern) und er hatte vor seiner Ehe etliche Freundinnen (unter uns gesagt: Ich habe ihn früher wegen seines Erfolges bei den Frauen beneidet ;)). Gleichzeitig wird an ein Leben nach dem Tod geglaubt, die Hölle in der Darstellung der katholischen Kirche aber als ‚Kindermärchen‘ abgelehnt (es sei denn es geht um die ‚wirklich schlimmen Menschen‘, zu denen man ja nicht gehört. Dieser Personenkreis besteht, in letzter Zeit zumindest, aus drei Gruppen: Mörder, Päderasten und Atheisten).

    Sein Argument für die katholische Kirche: Ohne sie gebe es kein moralisches Fundament und ‚es muss mehr geben als nur dieses Leben‘. Wieder ein Wohlfühlargument, passend also zur Einstellung zu den kirchlichen Geboten: Man kann sich nicht vorstellen, ein moralisches Wertesystem, das nicht von einer Autorität jenseits jeder Kritikmöglichkeit steht, zu haben. Auch ist der Gedanke, dass mit dem Tod ‚alles aus ist‘, unangenehm.

    Mein Bekannter ist alles andere als dumm, aber es wird sich ein nette Wohlfühlweltbild zusammengebastelt, die einem Sicherheit gibt (passenderweise hatten wir beide erst vor kurzem eine doch recht heftige Auseinandersetzung mit folgendem Hintergrund: Ein Verein, in dem wir beide Mitglied sind, sollte eine Spende zur Renovierung der örtlichen Kapelle leisten. Der Antrag kam von meinem Bekannten, es wurde ein Betrag von mehreren Tausend Euro vorgeschlagen. Meine Opposition dagegen war nutzlos. Passenderweise wurden von meinem Bekannten immer nur das selbe Pro-Argumente vorgebracht: Die Kapelle gehört zum Ort, der auch sein Wohnort ist, und dieser Ort soll auch schön aussehen….)

    Gruß

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  2. @ Skepsis:
    „Eine Frage an Herrn Mayer: Verwenden Sie Verhütungsmittel bzw nehmen Sie deren Verwendung (z.B. bei ihrer Frau) billigend in Kauf? Falls ja: Greifen Sie damit nicht in die ‘göttliche und natürliche Ordnung’ ein?“

    Da muss man den Katholiken ja eine konsequente Haltung bescheinigen: Verhütung ist ja generell verboten. Inkonsequent ist die Eiertanz-Unterscheidung zwischen natürlichen und künstlichen Methoden, und vor allem die Unterscheidung zwischen Verhütung und Enthaltsamkeit.
    Viele Kinder zeugen ist gut, aber gar keine zeugen ist besser, wenn gleichzeitig auch auf Sex verzichtet wird. Hier zeigt sich, dass es mitnichten um die Produktion möglichst vieler Menschen geht, sondern einfach nur um die alte antisexuelle Obsession.

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  3. Eine Frage an Herrn Mayer: Verwenden Sie Verhütungsmittel bzw nehmen Sie deren Verwendung (z.B. bei ihrer Frau) billigend in Kauf? Falls ja: Greifen Sie damit nicht in die ‚göttliche und natürliche Ordnung‘ ein?

    Zur PID noch ein Rat: Es ist natürlich in diesem Licht vollkommen sinnvoll, einer Frau einen Embryo einzupflanzen, der dann mit medizinischer Indikation ein paar Wochen später abgetrieben werden kann…

    Vielleicht sollte Herr Mayer mal in Zukunft folgendes Nachtgebet verwenden: Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!

    Gruß

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