Gottfried Bresink: Ein Weg hinters Licht


Nachdem Joachim Huessner die tragische Geschichte seiner esoterisch orientierten Frau, die Selbstmord beging, in Buchform veröffentlichte, zeigen auch die Medien Interesse am Thema Esoterikkritik. Erst die ZEIT und nun das Spiegel TV Magazin, das am 29.08.2010  eine Kurzdoku unter dem Titel “Der oberbayerische Messias – wenn Glauben tödlich endet” ausstrahlte.

Von Elke HergenrötherRatgeber-News-Blog

Ich muss dazu sagen, dass sich die Szene der Meditation mit dem “Guru” Gottfried Bresink und einigen seiner Anhängern, die voller Rührung dahinschmelzen, so oder ähnlich überall in der Esoterik-Szene drehen hätte lassen.

Weder was Herr Bresink von sich gibt, noch wie Veranstaltungsteilnehmer darauf reagieren sind Ausnahmen, nein, es veranschaulicht die Regel. Dass Bresink behauptet, dass er die Seele von Jesus sei, ist das einzige, was von der Norm abweicht. Meistens wird in der Riege der spirituellen Lehrer nicht ganz so hoch gegriffen, dass man sich jedoch als Reinkarnation einer besonders positiven Figur des Weltgeschehens oder der Mythologie ausgibt, ist Usus.

Schließlich braucht es immer eine Begründung, warum man sich als Lehrer berufen fühlt. Dazu gehört oft auch, dass man im Zuge von Schicksalsschlägen oder schweren Krankheiten plötzlich eine Art Erweckungserlebnis hatte. Entweder gab es dazu einen natürlich nicht zufälligen Kontakt mit einem spirituellen Großmeister, der den “richtigen” Weg wies, oder eine Eingabe aus der Geistigen Welt sorgte für Klarheit. Dabei ist es wiederum gar nicht selten, dass behauptet wird, dass Jesus oder Gott erschienen sei, um die wahre Lebensaufgabe mitzuteilen.

Letztendlich entscheidet dann die eigene Schmalz- und Triefbereitschaft darüber, ob man viele Anhänger generiert. Eine angenehme weiche Stimme, Emotionalität, Einfühlungsvermögen und eine gewisse Ausstrahlung sind die Garanten für den erwünschten Erfolg. Die besten “Licht & Liebe” Schauspieler ziehen eben die Fliegen an wie das Licht.

Spirituell Suchende sollen Bauchentscheidungen treffen, ergo auf ihr Gefühl hören, auch wenn es um die Wahl des Heilers oder Lehrers geht. Die Masche ist perfekt und hält der Meister, was man sich anfänglich von ihm verspricht, bleibt man ihm auch treu. Verlässt einen das gute Gefühl, trennt man sich NICHT von der Esoterik, sondern man macht sich auf die Suche nach einem anderen Meister, der eben der eigenen Chemie optimal entspricht. Vielfältige Enttäuschungen, die man auf diesem Weg der Suche erlebt, verbucht man als Hinweis dafür, dass man sein eigenes Bauchgefühl noch mehr trainieren muss, weil es noch zu unzuverlässig funktioniert. Schuld daran ist in der Regel der eigene Verstand, den man immer noch nicht weit genug ausschalten kann, damit der Bauch in uneingeschränkter Deutlichkeit zu Wort kommt.

Damit dürfte jedem klar sein, dass entsprechende spirituell-esoterische Verbandelungen IMMER auf ein Gurutum und sektoide Abhängigkeitsstrukturen hinauslaufen.

Dies gilt für jeden Agierenden in der Szene, der Erfolg und somit viele Stammkunden, bzw. Stammklienten hat. Auch sogenannte Coaches oder Persönlichkeitstrainer sind davon nicht ausgenommen.

Die Thematik, hier haben wir einen Guru und eine Sekte, greift damit viel zu kurz. Es müsste darum gehen, dass die Esoterik genau dort am erfolgreichsten ist, wo Gurus schalten und walten und Sektenstrukturen am besten verwirklicht sind.

Aussteiger aus der Esoterik gibt es kaum und wer sich von einer esoterischen Kleinsekte und deren Guru trennt, den findet man in der Regel relativ schnell in einer anderen Gruppe innerhalb der Szene wieder, die genau die gleichen Strukturen aufweist, die wiederum nicht erkannt werden.

Es ist so und so ein fataler Kreislauf und ein wirklicher Ausstieg ist nur zu schaffen, wenn man sämtliche irrationalen Glaubensgebäude hinter sich lässt. Wer das nicht tut und stattdessen nur bestimmte Gurus als solche bezeichnet und ablehnt, landet auch nicht selten selbst in der Rolle des Großmeisters, weil er es eben besser machen möchte und dafür Anhänger sucht.

Auf Deutsch: Der Aussteiger aus der Bresink-Sekte weiß es besser, er möchte darüber informieren, wie die wahre Esoterik zu verstehen ist, er erhält Gehör, eine eigene Fangemeinde bildet sich und er wird damit zum Guru. Schwuppdiwupp ist die nächste Kleinsekte gegründet.

Und nun???

Update:

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11 Comments

  1. @ Elke Hergenröther,

    „Da kann man doch jeden Scheiß angeben, solange die Formalien passen, segnet es das Finanzamt ab. Wer soll sich denn in den Behörden um Inhalte kümmern, bzw. überhaupt ein Bewusstsein dafür haben, was unter dem Deckmantel bestimmter Floskeln überhaupt läuft.“

    Ich will hier keine steuerliche Beurteilungsdebatte anstoßen, halte es in diesem Zusammenhang aber für wichtig, auf folgendes hinzuweisen:

    Zunächst wird im obigen Filmbeitrag (ab ca. der 4. Minute) daraufhingewiesen, dass ein Wochenendseminar 230,00 Euro kosten würde.
    Die notwendige Personenanzahl für die Abhaltung entsprechender Seminare (und sonstiges) sind auf den Webseiten (siehe unter -einweginslicht.de) des selbsternannten Messias nachlesbar. Folglich könnte ein stolzes Sümmchen zusammenkommen.

    Unter Wikipedia http://de.wikipedia.orgwiki/Selbstlosigkeit
    ist unter anderem folgendes nachzulesen:

    „Die Selbstlosigkeit ist die zentrale steuerrechtliche Voraussetzung für die Feststellung der Gemeinnützigkeit im Sinne der Abgabenordnung. Eine selbstlose Tätigkeit im Sinne des § 55 AO ist die Förderung oder Unterstützung, wenn dadurch nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke – zum Beispiel gewerbliche Zwecke oder sonstige Erwerbszwecke – verfolgt werden.“

    (Anmerkung: Die weiteren Ausführungen sind ebenfalls sehr aufschlussreich, wegen des Umfanges aber bitte dort nachlesen)

    Auffallend ist m.E. die direkte Verbindung des Gurus zum Verein (siehe unter -gottesarbeit.de), wo er Vorstandsmitglied ist. Jetzt schaue man sich noch die eigene Webseite des Gurus unter der Rubrik Stiftung Gottesarbeit an, wo erstens auf den vorgenannten Verein hingewiesen wird und zweitens sinngemäß zu lesen ist dass angeblich vorgesehen ist, das etwaige Erlöse in eine gemeinnützige Stiftung Gottesarbeit fließen sollen (!).

    Es stellt sich also die Frage, wo sind denn die bisherigen Erlöse hingeflossen, oder hat es etwa keine gegeben? Gibt es diese Stiftung denn überhaupt schon?

    Das ganze Durcheinander mag jetzt zwar steuerrechtlich im Sinne von Gemeinnützigkeit so in Ordnung sein – das kann und will ich nicht beurteilen – aber etwas merkwürdig erscheint es mir schon.

    Übrigens:
    Recht übel kann es einem werden, wenn man sich den letzten Satz des § 13 der Satzung auf der entsprechenden Seite unter -gottesarbeit.de- durchliest und an das Schicksal der verstorbenen Frau denkt.

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  2. @Homer

    Nach § 52 Abs. 2 AO sind u. a. folgende Ziele als gemeinnützig anzuerkennen (unvollständige Aufzählung):

    die Förderung von Wissenschaft und Forschung
    die Förderung von Bildung und Erziehung
    die Förderung von Kunst und Kultur
    die Förderung von Völkerverständigung
    die Förderung des Landschafts- und Denkmalschutzes
    die Förderung des Heimatgedankens
    die Förderung des traditionellen Brauchtums (einschließlich des Karnevals, der Fastnacht und des Faschings)

    „Eine Körperschaft verfolgt gemeinnützige Zwecke, wenn ihre Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinn%C3%BCtzigkeit

    Da kann man doch jeden Scheiß angeben, solange die Formalien passen, segnet es das Finanzamt ab. Wer soll sich denn in den Behörden um Inhalte kümmern, bzw. überhaupt ein Bewusstsein dafür haben, was unter dem Deckmantel bestimmter Floskeln überhaupt läuft.

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  3. @ Argus7,

    „…damit die mit rechtlichen Maßnahmen bisher nicht zu erfassenden kriminellen Aktivitäten von Gurus, Sekten und Esoterikbetrügern strafrechtlich verfolgt werden können. Für mich schlichtweg unfaßbar, dass es diese rechtliche Handhabe noch nicht gibt.“

    Da bin ich ganz deiner Meinung.

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  4. Wann endlich kommt ein Gesetz, welches gegen solche hirnrissigen Aktivitäten und Machenschaften einen wirksamen Hebel zum Eingreifen bietet. Ein Guru wie Bresink gehört doch in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Der Mann ist doch im höchsten Grade von einem gefährlichen, krankhaften Wahn besessen. Was dieser Guru verbrochen hat, ist doch Mord in seiner perfidesten und hinterhältigsten Form.

    Bereits im Jahre 2003 hatte die bayerische CSU ein sog.
    „Psychovertragsgesetz“ (Lebensbewältigungshilfegesetz)
    eingebracht, welches jedoch durch die Partei „Die Grünen“ verhindert wurde. Nun ist die CSU nicht gerade meine Partei, aber der Widerstand der Grünen zeigt auf, dass in deren Reihen die Esoterik-Lobby zweifellos stärker verbreitet ist als in anderen Parteien. Das Gesetz sollte das Spannungsfeld zwischen Staat, Gesellschaft und Kirchen überbrücken und im Sinne eines Verbraucherschutzgesetzes
    den sog. Psychomarkt regeln. Das hätte zur Folge, dass sich ein Guru wie Bresink nicht einfach auf die Religionsfreiheit berufen könnte, um sein Tun zu rechtfertigen. Der § 5 des Grundgesetzes bezüglich der Glaubens- und Gewissensfreiheit müsste dann eine entsprechende Einschränkung bzw. Modifizierung erfahren, damit die mit rechtlichen Maßnahmen bisher nicht zu erfassenden kriminellen Aktivitäten von Gurus, Sekten und Esoterikbetrügern strafrechtlich verfolgt werden können. Für mich schlichtweg unfaßbar, dass es diese rechtliche Handhabe noch nicht gibt.

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  5. @ Elke Hergenröther,

    unter dem Aspekt des Vereinsrechts habe ich das nicht betrachtet. Sorry, mit deiner Antwort hast du insofern natürlich recht.

    Zu hinterfragen gilt jedoch die angebliche Gemeinnützigkeit, die ich in diesem Fall nicht nachvollziehen kann (vgl. die Satzung der u.g. Hompage).

    Hilfreich wäre sicherlich, wenn man zumindest für die „Gemeinnützigkeit eines solchen Vereins“ strengere Maßstäbe ansetzen würde, denn ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, was beispielsweise an vereinsgeführten Unfug-Seminaren eines selbsternannten Messias gemeinnützig sein soll.

    Meine Frage: Wie kann es denn sein, dass esoterische Volksverdummung auch noch steuerlich gefördert wird?

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  6. @Homer

    Grotesk ist die Tatsache, dass man solchen selbsternannten Heilsbringern unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit die Möglichkeit bietet, zur Ausübung ihrer absurden Phantasien auch noch einen “Verein” zu gründen

    Mit der Religionsfreiheit hat das nichts zu tun. Die Voraussetzung zur Gründung eines Vereins sind folgende:

    Der Verein – rechtlich betrachtet

    Einen Verein kennzeichnet, dass sich

    – mehrere Personen (mindestens 7)

    – auf eine gewisse Dauer

    – zu einem gemeinsamen Zweck

    – unter einem gemeinsamen Namen zusammenfinden,

    – der Verein durch einen Vorstand vertreten wird

    – und sein Fortbestehen vom Wechsel der Mitglieder unabhängig ist.

    http://www.akademie.de/fuehrung-organisation/recht-und-finanzen/tipps/recht/e-v-leitfaden-verein-gruenden.html

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  7. @ Elke Hergenröther (Reihl),

    das diese esoterisch vernebelten Irrläufer(innen) nach jeder Möglichkeit suchen, die eigene Verantwortung abzuwälzen, Sachlagen zu verdrehen und zu verschleiern ist meiner Einschätzung nach nichts Neues.

    Was sollen sie denn sonst tun? Sofern sie sich selber Fehler eingestehen, würde doch ihr nach lauter Licht und Liebe triefendes, eingebildetes Paradies sofort einstürzen. Somit würden sie sich quasi selbst ihrer eigenen Daseinsgrundlagen nebst irrationalen Überzeugungen berauben. Damit lassen sich weder weitere Anhänger anlocken, noch kann man damit Geld einheimsen (von „verdienen“ kann hier nicht die Rede sein).

    Grotesk ist die Tatsache, dass man solchen selbsternannten Heilsbringern unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit die Möglichkeit bietet, zur Ausübung ihrer absurden Phantasien auch noch einen „Verein“ zu gründen, um diesen esoterischen Unfug auch noch als „gemeinnützig“ verpackt darstellen zu können/dürfen.

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  8. Hallo fressnet,

    „Dass der Verein quasi unverblümt Heilungsversprechen macht, ist aber evtl. durchaus strafbar.“

    wir haben in D in solchen Fällen generell das Problem: wo kein Kläger, da kein Richter und wo ein Richter, da eine Abschmetterung wegen Überlastung mit dem Vermerk: wegen Geringfügigkeit eingestellt.

    Es gibt kaum eine Eso-Seite, die nicht gegen das HWG verstößt. Ob es um Heilversprechen, Anekdoten zur Bewerbung oder Fernheilung geht, alles ist verboten und Letzteres steht unter Strafe mit einer Geldbuße bis 50.000 Euro. Passieren tut jedoch nichts.

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  9. „Religion“ und Wahn liegen nun mal dicht beisammen. Und im Wahn wird noch jede Projektion geglaubt:

    „… nur sehr selten konnte man wahrnehmen, dass sie gar nicht so liebeserfüllt war, wie sie sich gab. Das waren Momente, in denen man ihre Kälte, Härte und Macht wahrnehmen konnte und fühlte, dass da was nicht stimmt. “

    Fand sich unter dem o.a. Link. Dass der Verein quasi unverblümt Heilungsversprechen macht, ist aber evtl. durchaus strafbar.

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  10. Einfach nur erschreckend, schockierend und absolut ekelhaft. PFUI!

    Die Machenschaften dieses selbsternannten Scharlatan-Heilands Bresink sind krimineller Natur, aber wiederum zeigt sich (wie am Ende des Videos zu hören ist) am Ende, dass sich unser Gesetzgeber nicht in der Lage sieht, solchen Subjekten das Handwerk zu legen. Es ist eine Schande!

    Den anderen gezeigten Personen bleibt nur dringend anzuraten, sich unverzüglich aus den Fängen dieses „Guru- Wahnsinnigen“ zu befreien und ggf. auch fachärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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  11. Die Artikel sind ja schon älter, aus gegebenem Anlass macht es jedoch Sinn nochmal darauf aufmerksam zu machen, denn:

    Bresink und Konsorten versuchen den Spieß umzudrehen. Wenn das mal keine Verleumdung der übelsten Art ist?? Man lese und staune:

    … Die Tochter der Verstorbenen weiß einiges, was Petra so belastet hat und ist dabei, sich an alles zu erinnern. Sie weiß um die entwürdigenden Verhältnisse in der „Familie“ und berichtete ein bisschen davon auch den Medien. Aber über diese Wahrheit will niemand berichten, weil damit niemand etwas zu tun haben will! Weil es das Ekelhafteste ist, was man jemandem antun kann und sie selbst in Todesangst ist und es nicht herausbringen will, obwohl das ihre Heilung wäre. Und so wird es wieder totgeschwiegen bis jetzt. Wie in vielen Familien…
    Unglaublich wie alles verdreht wird in der Presse, aber genau das wollte Jo Hüssner scheinbar erreichen, um von sich und seiner Mitverantwortung am Tod von Petra abzulenken und vorzubeugen, falls Petras Tochter doch die Wahrheit sagt, dass ihr niemand mehr glaubt. Aus Respekt vor ihr schreibe ich hier nichts Weiteres. Sie wird alles selbst offen legen, wenn sie bereit dazu ist.

    Lydia König
    02.09.2010

    http://gottesarbeit.de/pelydiakoenig.php

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