Dawkins: Der philosophische Dilettant


Quelle: br-online.de

In der Kirche gibt es zu viele Dienstverträge und zu wenig Engagement. Wir brauchen eine Reform des Christentums!

Von Manfred Lützchrismon.de

Es ist Kirchenkrise, Christentumskrise, Gotteskrise, aber der gottlosen Welt geht es auch nicht gut.
Die Leidenschaftlichkeit der alten Kämpfe ist längst dahin. Wo Nietzsche noch sein „Gott ist tot. Wir haben ihn getötet!“ herausschrie, wo gegen das Christentum Voltaire noch sein „Écrasez l’infâme“ schleuderte und Diderot gegen die Kirche den Tag heraufsteigen sah, „an dem der letzte Fürst mit den Gedärmen des letzten Pfaffen erdrosselt würde“, da haben sich nun ahnungsloser Atheismus, ungebildete Christentumskritik und klischeehafter Kirchenprotest breitgemacht.
Tatsächlich gibt es Atheismus fast nur noch in seiner fundamentalistisch-fanatischen Variante oder als geistlose Konvention. Philosophische Dilettanten wie der Biologe Richard Dawkins lassen bloß „die unendliche Seichtheit des angelsächsischen Atheismus“ (Peter Sloterdijk) wiederaufleben.
Auch mit der Christentumskritik ist es nicht weit her. Das meiste, was man da zu hören bekommt, beruht auf grober historischer Unkenntnis. Und der Kirchenprotest ist in einigen wenigen immer wiederkehrenden Leerformeln erstarrt, wobei man den wackeren Kirchengegner zumeist schon aus der Fassung bringen kann, indem man ihn ganz harmlos fragt, was das eigentlich genau sei, gegen das er da so tapfer rebelliere, ob er wisse, seit wann und warum es den Zölibat eigentlich gebe, was der Sinn der katholischen Sexualmoral sei, was die Unfehlbarkeit des Papstes in der Praxis bedeute und warum eine gewisse Form der Demokratie in der Kirche ein Problem sein könnte.

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24 Comments

  1. Es wurde zwar schon alles gesagt wurde, aber nicht von jedem.

    Schaut mal ins Lexikon unter „Religiot“, dort müsste „Manfred Lütz“ stehen.

    Der Mann ist so peinlich, ich mag gar nicht weiter über ihn schreiben.

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  2. @blowfish & yerainbow:

    Dan Dennett hat’s mir erklärt. Oder halt, es war Wolf Singer, oder war doch eher Gerhard Roth? Ich hab‘ vielleich ein bisschen zu viel des Guten gelesen die letzte Zeit …

    Egal, auf jeden Fall ging es darum, daß man Schwierigkeiten hat, sich selbst Sachen zu erklären oder sie zu hinterfragen, die man in der Zeit „eingetrichtert“ wurde, als man zwar gelernt hat wie doof (Wortspiel), sich aber nicht dran erinnern kann. So Sachen wie freier Wille, Bewusstsein, Verantwortung für das eigene Handeln, Strafe usw. – eben auch „an Gott glauben ist wichtig und richtig“. Man tut’s, weil man’s gelernt hat. Man hat aber keinen bewussten Zugriff auf das wie und wieso und wann und warum man das gelernt hat. Das „episodische Gedächtnis“ beginnt halt erst mit 2-4 Jahren.

    Man korrigiere mich, wenn ich was grob falsch dargestellt habe. 😉

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  3. @evidentist:

    …keiner sei sich des geradezu armageddonartigen Chaos bewusst, das uns drohte, wenn die Masse Mensch ihren religiösen Halt und ihre absoluten Werte verlöre….

    gute Vorlage: Bisher hat sich noch kein Proponent der „Atheisten sind alle BÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖSE, und Mao, Stalin und ER waren Atheisten!“ (außer Lütz natürlich) gemeldet. Also mach‘ ich mal den Godwin mit dem NonStampCollector.

    Gruß

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  4. bin ja noch recht frisch von der Uni, ist mir alles noch gut im Gedächtnis.
    Über neurologische Grundlagen für Kognitive Dissonanz ist mir nix bekannt.

    Letztlich gehts auf den Versuch des Individuums zurück, seine vielen Einzelteile irgendwie zusammenzuhalten und keine Irrtümer zugeben zu müssen, das tut nämlich weh.
    hatte grad hier 2 wirklich nette Mormonen-Missionare, und wir haben uns halbwegs geeinigt, daß ich ungläubig bleibe und meinen letzten Atemzug abwarte, um zu sehen, obs IHN denn gibt. Ich bezweifle es ja.
    Jedenfalls gibts so viel, das ich nicht weiß, da komme ich mit der Unsicherheit schon zurecht. Muß keinen Spagat machen, und ich schätze auch mal, kommt nix nach – passiert mir nischt 😉

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  5. @yerainbow
    Ein Prof von mir hat das auch mal „partielle Blödheit“ genannt. Einer der wenigen Sprüche aus meiner Uni-Zeit, die mir wohl immer im Gedächtnis bleiben werden:-).

    Und tragisch ist die kognitive Dissonanz auf jeden Fall. Weiß man eigentlich mehr über die Mechanismen dahinter?

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  6. @proteus20:

    Es ist eine gern geglaubte Falschdarstellung, dass der Altruismus eine christliche Erfindung ist. Man denke doch nur mal an die Goldene Regel.

    Gleiches gilt für sein Geschwafel vom Christentum als ‚Erlösungsreligion‘. Das soll er mal mit seinem früher-war-alles-besser-Ansatz verbinden: Die Leibeigenschaft in Europa wurde von de Kirchen als ‚gottgegebene Ordnung‘ verkauft (gerade auch von den Protestanten), bei der Kolonialisierung Amerikas wurden die Indianer als Sklaven von den urchristlichen Spaniern und Portugiesen behandelt (und sogar der vereinzelt vor Ort statt findende kirchliche Widerstand, insbesondere der (auch über das Gute wollen wir reden) Jesuiten, wurde mit kirchlicher Billigung gebrochen) und in der Neuzeit beteiligten sich, aus Raffgier, die meisten europäischen Mächte (zumindest indirekt) am Sklavenhandel. Von einem Aufschrei des Jubels in den Kirchen der Südstaaten anlässlich der Sklavenbefreiung 1863 (verkündet 1862) wird auch nichts berichtet. Wenn wir schon dabei sind: Lincoln wäre nach eigenem Zeugnis bereit gewesen, die Sklaverei beizubehalten, um die Union zu retten.

    Man braucht das auch nicht als Sünden der hinterletzten Geschichte abzutun: Wie hat sich denn die Kirche zu den Regimen in Südamerika verhalten? Wie ist die Kirche umgegangen mit den politischen Forderungen nach Landreformen, die die Landbevölkerung aus einem sklavenähnlichen Dasein befreien wollten? Die Befreiungstheologie war der Kirche ein Greuel.

    Lütz ist jemand, der sich an seinen eigenen Märchen besäuft. So und nicht anders.

    Gruß

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  7. Die AtheistenMär des Bonner Schriftstellers, Theologen und Psychologen Manfred Lütz‘ ist oberflächlich unterhaltsam, aber wie bei flottem Stil angebracht, muss man doch untersuchen, ob Lutz‘ evidenzbasiert schreibt.

    Dem ermeritierte Professor, Schriftsteller, Zoologen und Evolutionsbiologen Richard Dawkins hat Lütz – quasi stellvertretend für alle „Atheisten“ – die Rolle des Barbaren zugedacht.

    Nach dem 11. September 2001 hatte Dawkins über das Konfliktpotential der Weltreligionen nachgedacht wie andere Historiker über den „Clash of Civilisations“ und glaubt seither, weniger Religion und mehr Rationalität mache die Welt im Zeitalter von Massenvernichtungswaffen sicherer.

    Aber wir Teutonen fanden Angelsachsen philosophisch immer schon etwas flacher. 😉
    Obwohl die Naturwissenschaft des 20. Jahrhundert erst ein eigenes Gedankengebäude außerhalb der Philosophie entwickeln musste, weil die mittelalterliche mit der Problemstellung „Wie viele Engel wohl auf einer Nadelspitze tanzen können?… weder die Quantenmechanik noch die Relativitätstheorie weiterbrachte… 😉

    Der feulletonistischer Stil des Herrn Lütz beim Thema Pädophilie und Zölibat wird dem institutionellen Verbrechen der Kirche -seit über 1.600 Jahren aktenkundig – nicht gerecht. Hunderttausende von Kinderleben wurden durch Nachlässigkeit der Kirche zerstört, weil die Kirche die Opfer alleine liess um die Täter aus den eigenen Reihen zu hätscheln. Pädophile wussten, in der Amtskirche konnten sie ihren gefährllichen Neigungen ungestraft nachgehen.

    Reichskanzkler Bismarck bremste – wenn jemand wie Lütz besondere Regeln oder Gesetze lobte, mit den Worten: Gesetze und Würste mag nur, wer nicht weiss wie sie gemacht werden.

    Die von Lütz dramatisierte kirchliche Nächstenliebe kann man prima am Beispiel des Zölibat wie auf der Synode von Pavia im Jahre 1022 beschlossen und dann vom „heiligsten“ aller deutschen Kriegskaiser Heinrich II als Staatsgesetz mit Strafen dekretiert.

    Die hundertausende vorn Frauen und Kinder von Priestern wurden (bis 1803!) zu rechtlose Kirchensklaven und die Priester in ihrer Sexualnot ins Konkubinat gedrängt.

    Ausführlich wurde in Pavia diskutiert, Frauen und Kinder von Priestern seien „Kirchendiebe“, weil sie den wirtschaftlichen Wert der Pfarreien für das Bistum minderten. Die Kirche wollte eben „Erbschaften“, die sie zusammengerafft hatte, nicht mit den Familien der Priester teilen….wie christlich..es ging eben wie heute in der Kirche – immer nur ums Geld.

    Auf der Synode von Bourges wurde 1031 noch einmal nachgelegt: Nun durften auch die Kinder von Priester niemals heiraten – auch deren Leben wurde so über mehrere Jahrhunderte systematisch zerstört….so eine Art spezieller Erbsünde für Priesterkinder…;-)

    Herr Lütz wundert sich, dass über die 1.800 jährige Oligarchie der römischen Kirche mehr Kritik zu hören ist als über die 400 jährige evangelische Kirche. Wir haben die Judenverfolgungen, die Kreuzzüge, die Inquisition und Hexenverbrennungen noch im Kollektiven Gedächtnis….und da bekommt die römische Kirche fast alles ab.
    Oder ob es der Unterschied zwischen protestantischer Ethik und vatikanischer Moral ist (Kässmann vs. Mixa) ? ..oder ob wir alle noch Luther für die Bibel dankbar sind, weil wir so wissen, was wirklich drin steht…;-)

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  8. Ich werde jetzt nicht anfangen mit lateinischen Vokabeln um mich zu werfen. Es ist zwar doch noch ein Zeichen humanistischer Bildung, dies zu tun, aber es ist auch recht reaktionär, da die Sprache der Wissenschaft mittlerweile ja doch Englisch ist. 😉
    Hr. Lütz wirft in seinem Artikel auch nur mit religiösen Vorurteilen gegen Atheisten um sich und schreibt seinen Lesern nach dem Mund. Schlimmer, er ist sich leider nicht bewusst, dass die einzige und unumstößliche Wahrheit bei den Atheisten liegt.  Die Beweislast ist auf seiner Seite und Hilflos wie er ohne Beweise ist, bezieht er sich auf das „Früher war alles besser“ . Ja mag sein, zu Zeiten Voltaires und Nietzsches und auch danach haben sich die christlichen Religionen noch oft unmenschlicher Handlungen schuldig gemacht.
    Auch wenn er den Altruismus als Erfindung des Christentums darstellt und den Sohn seines Gottes als Diener darstellen will, muss man sich immer wieder Matthäus 10:34-36 vor Augen halten.

    Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig

    Dann wird einem ganz schnell klar, was einem als atheistisches Individuum blühen könnte wenn das Christentum wieder überhand gewinnt.

    Bright regards

    stef

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  9. hab sein Buch gelesen , sachlich richtig, soweit ich einschätzen kann.

    Man nennt diesen Differenz-Effekt „kognitive Dissonanz“. Sozusagen blind auf dem entsprechenden Auge.

    im Grunde tragisch.

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  10. „grober historischer Unkenntnis“

    ist das übliche, um Kritik am Irren- und Schlachthaus Kirche abzuwehren.

    Lütz ist ein Phänomen: es gibt wohl niemanden, den ich mehr und intensiver ablehne als ihn. Das einfältige, pseudo-intellektuelle Gewäsch, sein aufgeblasenes Theologie- und Psychologie-Expertentum (soweit ich sehe, ist er in beiden Gebieten ein blutiger Amateur), die Rechthaberei, die Arroganz

    unglaublich, mit welch einfältiger „Christentum ist super“-Argumentation der seit Jahren als „Theologe“ in der Öffentlichkeit herumspukt

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  11. Herr Lütz ist mir ein Rätsel.

    Auf der einen Seite halte ich ihn (eingeschränkt) für religiös-engstirnig (siehe „Die hasserfüllten Augen des Herrn Deschner“), auf der anderen Seite kann er als total vernünftiger (naja) Wissenschaftsvertreter (Arzt) gegenüber Vollpfosten wie Pfarrer Fliege & Co. sitzen und denen deutlich die Meinung geigen. Bei letzterem, was er häufig öffentlich tat, war er mir schon recht sympatisch.

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  12. Ein Paradebeispiel an religiös motivierter Indoktrination. Es sieht ja fast so aus, als hätte dieser Herr Lütz erst kürzlich eine Sonderschulung durch die Oberpriester der Kongregation für die Glaubenslehre erhalten.

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  13. @nickpol
    „geifern“ war mal Klartext,damit Du bei adjektivem Gebrauch von „suave“ Worten nicht gleich „JesuitenPlack“ bekommst.(„da bekomm ich Plack von“)

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  14. @ nickpol

    nur als Jesuitenspruch heißt es suaviter.
    Übersetz doch einfach mal suave.
    Vom Lateinischen her übersetzt geht es selbstredend.
    Erst übersetzen (und verstehen)und dann,si libet,antijesuitisch geifern.

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    1. Du hast es als Jesuitenspruch gebracht. Nun red dich nicht raus wie ein Pfaffe, immer alles genehm drehen, so sind die Religioten.

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  15. @Argus 7
    M.Lütz ist Theologe und Psychiater.
    Sein Buch:IRRE,Wir behandeln die falscheen,die normalen sind das Problem!
    ist sehr gut.
    Siehe seine Äusserungen als Theologe hier etwas milder,bitte.
    „Suave in modo,fortiter in re“

    segeln141

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  16. Was für ein aufgeblasener, hirnloser Dummschwätzer, dieser Herr Lütz ! Dem fehlt im Hirn ’ne Prise Grütz !

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  17. Ach, dass ist das Standard-Argument: Atheisten haben sich nicht tief genug mit dem Mysterium beschäftigt, sonst wären sie ja gläubig. Dann sei die Gegenfrage erlaubt: Wie kann es denn sein, dass gerade das sich als Offenbarungsreligion verstehende Christentum (egal welcher Prägung) denn eine solche tiefgehende Beschäftigung mit Dogmen erfordert? Eigentlich sollte sie doch selbstevident sein. Viele Grüße an die Evangelikalen (dazu passend die auf der Seite eingeblendete Werbung: Jesus sprach aramäisch und nicht kryptisch). Na, Herr Professor, wann konvertieren wir denn?

    Man muss den Standard-Katholiken nur mal mit den Begriffen ‚ex cathdra‘, Reform von Cluny/Laterankonzil oder sogar Transsubstantiation konfrontieren und schauen, was kommt. Oder meine persönliche Lieblingsfrage: Was unterscheidet die Katholen eigentlich von den Protestanten? Immer kommt Papst, schon sehr viel seltener ‚Anzahl der Sakramente‘. ‚Rechtfertigungslehre‘ ist schon wie ein 6er im Lotto.
    Auch schon der Vorwurf, Christentumskritik würde sich nur an die Katholen richten zeigt schon, wie intensiv der sich mit Dawkins auseinandergesetzt hat.

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  18. Ichhabe ja keine Ahnung, mit welchen Gottlosen er da gesprochen hat, wenn er meint, die würden einfach nicht genug wissen.

    Ich kenne vor allem unwissende Katholiken. Nicht nur, aber doch erstaunlich viele. Die nciht wissen, was in ihrer Bibel steht, die sich auf das verlassen, was ihr Pfaffe ihnen da erzählt hat.

    und den Pater möchte ich sehen, der tätig ist, ohne einen Salär, ohne Wohnung, ohne finanzielle Sicherheit.
    Wie das technisch bewerkstelligt wird, ist eine andere Frage.

    Wir sprechen uns wieder, wenn die Seelsorger mit den Pennern auf der STraße leben, und zwar als Dauerperspektive.

    Bis dahin – netter Versuch.

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