USA: Krude Paranoia


Quelle: magazinusa.com

Die letzte Bastion der Gottesfürchtigen

Wirrköpfe: In den USA ist die krude Paranoia bedrohlich weit in die Mitte der Gesellschaft gerückt

Von Thomas KlingenmaierStuttgarter Zeitung

Präsident Barack Obama sei ein Nazi, ein Kommunist, der Schüler von Hitler und Stalin. Solche Parolen und Plakate, skandiert und geschwenkt von aufgeregten Amerikanern, denen ein besseres öffentliches Gesundheitswesen angedroht wurde, gehören zum bunten Nachrichtenalltag der Weltmacht. Fassungslose Europäer versuchen, die Befindlichkeit der Aufgebrachten mit der Formel „Folge der Spur des Geldes“ auf rationale Grundlagen zurückzuführen. Finanziert wird die Dauerbedröhnung der Bevölkerung mit Schreckensbotschaften von Staatszerfall, Bürgerversklavung und Ausverkauf der alten Ideale auch von den großen Versicherungskonzernen, die kein Interesse an staatlichen Vorsorgemodellen haben.

Die Irrsinnsparolen Brüllenden, ja, die ganze Tea-Party-Bewegung als Teil einer Kampagne zu deuten, die nachvollziehbare politische und wirtschaftliche Ziele verfolgt, hat etwas Beruhigendes. Eventuell ist das aber eine falsche Einschätzung der Lage. In den USA sind in den letzten Jahren Gedankengut und Gestalten wieder salonfähig geworden, die man zuvor als die vom Wahnsinn verfärbten Außenränder einer freien Gesellschaft betrachtet hatte.

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