Standpunkt: Laizismus


Von Manuel Husssokrates.lu „Standpunkt“

Um falsche Interpretationen präventiv zu vermeiden, soll hiermit zunächst klargestellt werden, dass diese Initiative nicht gegen religiöse Überzeugung an sich, sondern gegen deren politischen Machtanspruch gerichtet ist. Unser Ziel besteht darin, die Einflüsse von Religion und Kirche auf Menschen, Gesellschaft und Politik kritisch zu hinterfragen. Diese widersprechen dem Prinzip eines laizistischen Staates, der allein die notwendige Voraussetzung für eine pluralistische und tolerante Gesellschaft darstellt, in der jedem Individuum ein bedingungsloses Recht auf Selbstbestimmung zusteht.

Religion und Gesellschaft

Seit Jahrtausenden haben Religionen, vor allem deren institutionalisierten Machtstrukturen, Intoleranz, Unterdrückung, Folter und Massenmord, kurz: menschenunwürdige Lebensbedingungen, zu verantworten. Bis ins 21. Jahrhundert, ins so genannte Zeitalter der Wissenschaft und des Fortschritts, sind uns diese Missstände erhalten geblieben. Und es kommt noch schlimmer: die humanistischen Fortschritte, die seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert nach und nach erreicht wurden, werden heutzutage durch religiösen Fanatismus wieder angefochten und in Frage gestellt. Vor allem der islamische Extremismus, der christliche Kreationismus, der mittlerweile auch in Europa Fuß zu fassen scheint, sowie andere dogmatische Wahnvorstellungen tragen dazu bei, dass wir uns kontinuierlich „vorwärts zurück ins Mittelalter“ bewegen.

Doch nicht nur diese weltweiten Entwicklungen stellen eine direkte Gefahr für den weltanschaulichen Pluralismus dar, sondern auch der politische Einfluss der luxemburgischen katholischen Kirche bleibt besorgniserregend. Vor noch nicht all zu langer Zeit konnte der katholische Klerus, was Intoleranz und Repression betrifft, ohne weiteres mit den heutigen islamischen Mullahs mithalten. Im Vergleich zu den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts scheint der kirchliche Einfluss heute jedoch deutlich zurechtgestutzt, und trotzdem finden dogmatische Vorstellungen und Interessen immer noch Einzug in die Gesetzgebung oder bleiben in dieser erhalten. Dies zeigt sich vor allem bei gesellschaftspolitischen Themen, wie zum Beispiel bei den Debatten um die Depenalisierung der aktiven Sterbehilfe und der Rechtmäßigkeit von gleichwertigen Homoehen. Hier werden Menschen auf Grund von dogmatischen Wertvorstellungen Selbstbestimmung und Würde entzogen.

Die Finanzierung der Glaubensgemeinschaften

Darüber hinaus erfolgt die Finanzierung der Glaubensgemeinschaften, vor allem der katholischen Kirche, vollkommen undurchsichtig und ungerecht. Dass die Gesamtsumme, die der Staat an die Kirchen zahlt, weit über die im Haushalt angegebenen 21 Millionen € liegt, ist vielen Bürgern nicht bekannt. Größter Nutznießer dieser Finanzierung ist selbstverständlich die katholische Kirche.
Dies wirft natürlich die Frage auf, wieso eine bestimmte Weltanschauung über solche Privilegien verfügen soll. Dies ist in Luxemburg eben so simpel wie heuchlerisch geregelt: Als Katholiken gelten nämlich nicht jene Bürger, die an den katholischen Gott glauben und ihr Leben nach der katholischen Lehre ausrichten, sondern jeder Bürger, der als unmündiger Säugling und bedingt durch gesellschaftliche Zwänge katholisch getauft wurde. Demnach gelten über 90% der Bevölkerung als Katholiken, während aber nur ein kleiner Bruchteil davon regelmäßig den Gottesdienst besucht und ein katholisches Leben führt. Weil also 90% Katholiken sind, bekommt die katholische Kirche einen dementsprechenden Teil des Kuchens ab. Für einen Austritt aus der Kirche gibt es allenfalls einen symbolischen Anreiz, denn zur Kasse gebeten wird man so oder so.

Und genau in dieser Ungerechtigkeit, die nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine politische ist, besteht der eigentliche Skandal: Jeder Steuerzahler muss die Glaubensgemeinschaften mitfinanzieren und damit indirekt auch mitunterstützen, unabhängig davon, ob er gläubig und/oder Mitglied einer Kirche ist oder nicht.

Seitens der Verteidiger der staatlich finanzierten Glaubensgemeinschaften ist an dieser Stelle gelegentlich das Argument zu hören, der Sport würde schließlich auch kräftig subventioniert. Dieses Argument ist in dreifacher Hinsicht nicht haltbar. Erstens werden sportliche Aktivitäten nicht zu 100% vom Staat finanziert. Zweitens macht der Sport keine diskriminierenden Aussagen zu gesellschaftspolitischen Themen. Und drittens rechtfertigt eine mögliche Ungerechtigkeit in einer anderen Frage nicht die Ungerechtigkeiten in dieser Frage.

Zudem stellt sich die Frage, welche Religionen oder Sekten überhaupt Anrecht auf staatliche Unterstützung haben, welche Instanzen solche Entscheidungen treffen, und nach welchen Kriterien gemessen wird, denn objektiv betrachtet sind die Aussagen des Katholizismus im wesentlichen nicht weniger zweifelhaft als jene der Zeugen Jehova.

Aus diesen Gründen und weil Religion Privatsache ist, fordern wir ein Finanzierungssystem, welches die persönliche Autonomie des Steuerzahlers respektiert. Infrage kommen für uns entweder ein System, das die Selbstfinanzierung der Glaubensgemeinschaften auf privater Basis vorsieht, oder alternativ dazu die Einführung einer Kultus/NGO-Steuer. Dies jedoch nur unter den Bedingungen, dass die gesamten Ausgaben an die Glaubensgemeinschaften Objekt dieser Steuer sind. Diese Gesamtsumme würde nicht bloß die heutigen Konventionen beinhalten, sondern unteranderem auch die Beteiligung der Kommunen am Unterhalt der Kirchen sowie die Subventionen für Privatschulen usw. Eine weiter Alternative bestünde darin, die Steuer auf freiwilliger Basis einzutreiben.

Beide System würden dazu führen, dass nur noch jene Bürger die Kirchen finanzieren, die das auch bewusst so wollen, und genau darin besteht eine weltanschauliche Gerechtigkeit.

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2 Comments

  1. Die geschilderte Problematik ist in Luxemburg nicht anders wie in Deutschland auch. Daran wird sich wohl so schnell nichts ändern, dafür werden Religioten uns sonstige Glaubensfanatiker schon Sorge tragen. Und gerade in Deutschland erhalten sie immer häufiger tatkräftige Unterstützung seitens der Politik (…wie z.B. hier im Blog in anderen Beiträgen bereits mehrfach aufgezeigt wurde).

    Die strenge Trennung von Staat und Kirche/Religion – so sehr auch ich sie hierzulande wünsche/fordere – wird m.E. gerade an der Verpflechtung der beiden miteinander scheitern oder es wird zumindest ein sehr, sehr langer Weg dahin werden.

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  2. Das war doch schon immer meine Rede. Aber die tägliche Praxis zeigt leider ein völlig anderes Bild. Die Religion spielt in der Politik eine zunehmende Rolle. Ein Beispiel: Der neue EKD-Ratsvorsitzende, Nikolaus Schneider, in einem Zeitungsinterview: „Wir wollen als Kirche die Politik begleiten !“

    Ich könnte es tolerieren, wenn sich die Kirchen auf ihre ursprüngliche, selbstgestellte Aufgabe beschränkten und sich aus der Politik raushielten. Da sie es nicht tun, setzen sie sich automatisch der Kritik aus. Religion muss Privatsache bleiben und hat in der Politik nichts zu suchen. Die Religioten haben doch in der Geschichte der Menschheit durch ihre Einmischung in politische Belange schon zuviel Unheil angerichtet. Ich meine, dass es jetzt allmählich reicht !

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