Den Seinen gibts der HERR vom Staat – Ka-Ching!



Wie finanziert der Staat die Kirche?

Carsten Frerk, Chefredakteur des Humanistischen Pressedienstes, ließ sich für die Vorstellung seines neuen Buches etwas Besonderes einfallen: Ein Glücksspiel mit den Staatsleistungen aus Steuergeldern die 2009 in die Kirchen flossen. „Violettbuch Kirchenfinanzen. Wie der Staat die Kirchen finanziert.“ heißt Frerks neues Buch, welches er auf Einladung des Bundes für Geistesfreiheit in Erlangen am 10. November 2010 im Frankenhof vorstellte.

Obwohl die Kirche Allgegenwärtig sei, wisse keiner so recht über deren Finanzen Bescheid, sagte Frerk einleitend und fügte hinzu, das weder Staat noch Kirche das Interesse daran hätten, die Zahlen offen zulegen. Dr. Theodor Ebert, Vorsitzender des Bundes für Geistesfreiheit Erlangen, stellte Frerk als Fachmann für die Finanzen der Kirche und Kuratoriumsmitglied der Giordano Bruno Stiftung vor.

Frerk kündigte dem Publikum des Abends an, dass er sich in seinem Vortrag nur auf die Gelder, die zwischen Staat und Kirche im Jahr 2009 geflossen seien, beziehen würde. Und um sein Publikum mit einbeziehen zu können, teilte die Glücksfee des Abends, Evelin Frerk, die A4-großen Spielkarten in den Zuhörerreihen aus. Auf jeder Karte stand eine Millionen oder Milliarden große Zahl, die dann hochzuhalten war, wenn man meinte, es wäre die Zahl, nach der Frerk fragen würde.
Bevor das Spiel anfangen konnte, erzählte Frerk noch etwas zur Kirchensteuer, die 1919 in der Weimarer Reichsverfassung verankert wurde, nachdem im Jahre 1918 die Staatskirchen abgeschafft wurden. Frerk betonte, dass die Bundesrepublik eine Gegenwartssteuer hat, bei der Steuern des laufenden Jahres, für das Vermögen maßgebend ist, über das der Steuerpflichtige im Dezember des Vorjahres verfügte. Dann stellte er seine erste Frage: „Wie hoch sind die Kirchensteuereinnahmen?“ Es ertönte aus der hinteren Ecke des großen Saals ein leiser und lauter werdendes Glockenspiel, dass das Publikum darauf gespannt machte, welche Zahl sich dahinter verbirgt und wer die richtige Spielkarte hat. Verschiedene Spielkarten wurden hochgehalten und dann machte es „Ka-Ching“ und Frerk sagte, „9,3 Milliarden“. Das „Ka-Ching“ ließ der 65 jährige Frerk selbst ertönen, denn an einem Mikrofonständer war eine Triangel angehängt, die Frerk bei der richtig hochgezeigten Zahl auf einer Spielkarte anstimmte. Gleiches Prozedere erfolgte im Verlauf seines über einstündigen Vortrags mit dem Frage- und Antwortenspiel.

Auf wie viel Einnahmen wird durch die Kirchensteuer als Sonderausgabe verzichtet?
Spielkarte – „Ka-Ching“ – 3 Milliarden

Wie viel Ersparnis hat die Kirche durch den staatlichen Einzug der Kirchensteuer?
Spielkarte –„Ka-Ching“ – 1,8 Milliarden

Wie viel kosteten 2009 die Ausgabe für die Ausbildung des Nachwuchses der Kirchen?
Spielkarte –„Ka-Ching“ – 510 Millionen

Wie viel kosten dem Steuerzahler die Konfessionsschulen?
Spielkarte –„Ka-Ching“ – 2,3 Milliarden

Letztgenanntes verdeutlichte Frerk an einem Beispiel in Wriezen/Bad Freienwalde, wo mit dem Schuljahr 2007/08 ein Evangelisches Johanniter-Gymnasium eröffnet wurde, zu dessen Gründungskuratorium unter anderen der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Dr. Wolfgang Huber als auch die Präsidentin der Viadrina Prof. Dr. Gesine Schwan gehören. Doch, so Frerk. „Konfessionsschulen kommen selten allein“, und für die Feier des ersten Abiturjahrgangs wird nun auch eine Kirche aus Steuergeldern gebaut.
Dann geht das Glücksspiel weiter.

Wie hoch ist der Zuschuss für die Erwachsenenbildung und kulturellen Betreuung der Kirchen?
Spielkarte – „Ka-Ching“ – 100 Millionen

Wie viel wird für die Militärseelsorge ausgegeben?
Spielkarte –„Ka-Ching“ – 31 Millionen

Wie viel Steuergelder fließen in die Auslandsarbeit der Kirchen?
Spielkarte –„Ka-Ching“ – 270 Millionen

Wie hoch ist der Bauzuschuss für Kirchen, den der Staat aus Steuergeldern leistet?
Spielkarte – „Ka-Ching“ – 270 Millionen

Und schlussendlich, wie viel Geld wird für die Kirchentage investiert?
Spielkarte – „Ka-Ching“ – 7,1 Millionen

Summa Summarum sind es 19,3 Milliarden Euro staatlicher Zahlungen, Begünstigungen, Zuschüsse und Subventionen für die Kirchen. Staatsleistungen für Caritas und Diakonie sind noch nicht mit einberechnet. Frerk hatte damit eindeutig die Partie gewonnen und sein Publikum hinter sich, wurde es doch mit jeder neuen Frage mehr aufgeheizt und wütend auf die Kirche gemacht (und das in Bayern).

Die Diskussion hatte dann nach einer kurzen Pause von allem etwas:
Ein bisschen Steuerberatung, ein bisschen Verschwörungstheorie und ein bisschen „Großverbraucherrabatt“ bei GEMA für die Kirchen.
Diskussionsleiter Dr. Theodor Ebert kam in den gut zwei Stunden der Veranstaltung doch die Religion und der Glaube zu kurz, so war es ihm wichtig, während der Diskussion noch seine drei Gründe für „den religiösen Schwindel“ anzubringen und die alten antichristlichen Feinbilder geistfrei zu beschwören.

Ob das „Violettbuch“, wie die Veranstalter und Frerk selbst betont haben, das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen bessern würde, ist fraglich. Genauso wie das Lottospiel zwar das Zahlenwirrwarr gelindert hat, ist es zweifelhaft, ob das Thema nicht vielleicht zu ernst ist, um in dieser Form vorgetragen zu werden.

1 Comment

  1. „Obwohl die Kirche Allgegenwärtig sei, wisse keiner so recht über deren Finanzen Bescheid, sagte Frerk einleitend und fügte hinzu, das weder Staat noch Kirche das Interesse daran hätten, die Zahlen offen zulegen.“

    Die Gründe hierfür liegen ja auch klar auf der Hand. Man muss das „gemeine Volk“ dumm halten oder für blöd verkaufen, ansonsten könnte der „fiese Möb“ hellhörig werden und sogar „Aufbegehren gegen das Establishment“.

    Und wenn politische Lattenknaller oder religiöse Irrläufer sich erdreisten, zum Thema etwas zu sagen, so kann man es oftmals – milde ausgedrückt – nur als dummes Geschwätz bezeichnen. Zwei Beispiele gefällig?

    1. siehe z.B. https://brightsblog.wordpress.com/2010/11/06/sozialdemokratische-steuerbuttel/

    oder 2. siehe z.B. https://brightsblog.wordpress.com/2010/11/09/erster-erklarungsversuch/

    „Genauso wie das Lottospiel zwar das Zahlenwirrwarr gelindert hat, ist es zweifelhaft, ob das Thema nicht vielleicht zu ernst ist, um in dieser Form vorgetragen zu werden.“

    Wie dieses Thema den Leuten näher gebracht bzw. vermittelt wird, ist meines Erachtens nicht von ganz entscheidender Bedeutung. Vielmehr ist es wichtig und bedeutsam, dass man überhaupt versucht, den Leuten die Augen zu öffnen. Der Einsatz der Mittel hierfür kann ruhig sehr vielseitig als auch kreativ sein.

    Einen – jetzt nicht ganz ernstgemeinten – Vorschlag hätte ich anzubieten. Man lege das oben beschriebene Buch vor Beginn des sonntäglichen Gottesdienst in den Kirchen neben die Gesangsbücher. Ob am Ende in den Klingelbeuteln der Pfaffen auch noch etwas klimpern würde? 😉

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