Buskampagne 2010.at


Die aktuelle Buskampagne der Konfessionsfreien startete letzten Donnerstag offiziell mit den City Lights in Wien.

Was hat uns dazu bewegt die Buskampagne, die ja nach den neuerlichen Absagen der öffentlichen Verkehrsbetriebe in Wien, Graz, Salzburg, Innsbruck und Linz noch immer keine ist, dieses Jahr mit dem Theme Religionsfreiheit fortzusetzen?

Dass Kindern ein religiöses Bekenntnis aufgezwungen wird, steht einfach gegen die religiöse Wahlfreiheit, die natürlich auch mit einschließen würde, konfessionsfrei bleiben zu wollen. Der Gesetzgeber widerspricht sich hier selbst, indem er die Religionsmündigkeit (“Der Glaube an die Lehre einer Religion setzt die Fähigkeit voraus, diese Lehren geistig zu erfassen.” [1]) mit der Vollendung des 14. Lebensjahres definiert, die Entscheidung über die konfessionelle Zugehörigkeit in aller Regel aber schon vorher von den Eltern getroffen wird.

Gezeigt werden auf dem Sujet zwei Kinder (selbstverständlich mit dem Einverständnis der Eltern für diese Kampagne fotografiert), die angesichts der Religionsfreiheit die einfache Forderung stellen:

“Lasst uns selbst entscheiden!”

Die Kampagne möchte auf zwei Dinge aufmerksam machen.

1. Es ist Privatsache der Eltern, ihren Kindern eine religiöse oder nicht-religiöse Weltanschauung zu vermitteln. Dies ist nicht Aufgabe von Bund, Ländern und Gemeinden, von Kindergärten oder Schulen. Bildung besteht in der Vermittlung von Wissen, nicht von Glaubensinhalten. Die Kampagne fordert folglich kein Taufverbot für Kinder, sondern dass eine staatliche Erfassung, die ohnehin diskussionswürdig ist, des Religionsbekenntnisses erst für über 14-Jährige überhaupt möglich ist.

2. Im besten Fall erziehen Eltern ihre Kinder zu mündigen Menschen, die selbst entscheiden können, ob und was sie glauben wollen. Der bewusste Eintritt in eine Religionsgemeinschaft kann daher frühestens mit 14 Jahren erfolgen, und nicht automatisch (je nach Konfession) durch Geburt oder Taufe oder andere Rituale, die an Neugeborenen vorgenommen werden. Daraus ergibt sich keine weitere juristische Forderung.

Die Kampagne versteht sich nicht als anti-religiös, sie konzentriert sich lediglich auf die Wahrung der Interessen konfessionsfreier Personen im Diesseits. Das Recht frei von Religion zu leben muss genauso geachtet werden, wie das Recht an die Dreifaltigkeit, Allah, Satan, den Weihnachtsmann oder die Unfehlbarkeit des Papstes zu glauben. Die Kampagne richtet sich somit gegen den starken und keineswegs zeitgemäßen Einfluss der Religionen auf Politik und Verwaltung, nicht jedoch gegen einen privaten religiösen Glauben.

Die Forderung an den Staat lautet, Menschen erst ab einem bewussten Eintritt in eine Konfession (d. h. ab 14) als Mitglied dieser anzuerkennen. Kein Mensch würde auf die Idee kommen analog dazu Kinder als kommunistisch, konservativ, grün, liberal etc. zu bezeichnen, nur weil Eltern die politische Gesinnung bis zum Wahlalter festlegen können.

weiterlesen und Download der Sujets.

3 Comments

  1. @Mara und Timo:
    „…Darf man es schon mit 4 Jahren im Sportverein anmelden oder erst mit 14, wenn es sich dazu entscheidet, obwohl sich unsere Kinder zu wenig bewegen?…“

    Vollkommen richtig! – „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“.

    „…Außerdem findet die von Pöppel beschriebene „Grundeinstellung“ des Gehirns, an der sich danach nur noch wenig ändern lässt, in den frühen Lebensjahren statt. (..) „Die emotionale Prägung eines Menschen ist eine Sache der ersten fünf, sechs Jahre. Und das meiste, was mit Erkenntnis- und Informationsverarbeitung zu tun hat, wird in den ersten zehn Jahren geprägt“, erklärt der Hirnforscher…“
    http://www.tagesspiegel.de/wissen/du-bist-wie-deine-mutter/1653324.html

    Ohne enormen Aufwand und persönlichen Einsatz lassen sich frühkindliche Prägungen nicht mehr verändern. Deshalb müssen die Eltern entscheiden, ob das Kind atheistisch oder religiös bzw. freiheitlich oder ideologisch erzogen werden soll, daran führt kein Weg vorbei. Auch eine Nicht-Entscheidung ist schließlich eine Entscheidung.

    Der Staat, an den diese Aktion vor allem gerichtet ist, muss sich ebenfalls diese Fragen stellen und die Beschlüsse dann auch klar gegen die verschiedensten Bestrebungen von religiöser und ideologischer Seite durchsetzen.

    Trotzdem ist diese Kampagne im Kern eine gute Sache, sie thematisiert die zunehmende Verantwortungslosigkeit der Eltern und des Staates in Erziehungsfragen – nicht nur im Bereich der Weltanschauungen…

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  2. Welche Freiheiten soll ich meinem Kind lassen?
    Wenn ich das weiterspinne heißt das:
    Darf man es schon mit 4 Jahren im Sportverein anmelden oder erst mit 14, wenn es sich dazu entscheidet, obwohl sich unsere Kinder zu wenig bewegen?

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