Dübel der Gottlosigkeit


Quelle: taz.de

Porträt: Der atheistische Handwerker und Denker Arno Schwedler.

Von Jan Ullrichtaz.de

„Atheismus muss nicht in Intoleranz münden“, erklärt Arno Schwedler, Autor und Vorsitzender des Verbandes atheistischer Handwerker in seinen jüngst veröffentlichten „Paderborner Schriften zu Gottlosigkeit und fachgerechtem Gebrauch von Bandschleifern“, und fügt erläuternd hinzu: „Ich glaube nicht, dass es einen Gott gibt. Gleichzeitig tut er mir aber leid wegen der Sache, die seinem Sohn passiert ist.“ Gott ist für den 1958 in Nordhorn geborenen Teilzeitphilosophen wie ein fehlender, aber dringend benötigter Dübel, ein Nichthandeln im Nichtvorhandensein. Darin erreiche dieser aber Vollkommenheit.

In Schwedlers soeben erschienenem Heimwerkerdrama „Nicht ungeschützt der Witterung aussetzen“ ist Gott gleichzeitig eine sprechende Wand, die im 4. Stock eines Hochhauses in Recklinghausen steht, und ein ambitionierter Heimwerker sowie eine mitlaufende konische Spannhülse. Gleich zu Beginn bekennt Gott, dass er weder Liebe geben noch empfinden könne, und führt dies auf seine einsame Kindheit zurück, in der er nie zu vertrauen gelernt habe. Außerdem habe er sich schon damals einen kleinen Elektrohobel gewünscht, ihn aber nie bekommen.

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1 Comment

  1. Der beste intellektuelle Beitrag zum aktuelle Thema „Gibt es Gott wirklich?“ Danke nickpol und danke taz.

    Da hatte doch Dr. Manfred Lütz kürzlich im evangelischen online magazin chrismon.de über den seiner Meinung nach „philosophischen „Dilletantismus“ von Richard Dawkins gejammert. Dieser nutzt in seinem Bestseller „Der Gotteswahn“ eine Wahrscheinlichkeitsbetrachtung, wie sie in der Wirtschaft und in vielen Naturwissenschaften vorkommt und schliesst, Gottes Existenz sei sehr sehr sehr unwahrscheinlich.

    https://brightsblog.wordpress.com/2010/11/10/dawkins-der-philosophische-dilettant/

    Der Bonner Theologe Dr. Manfred Lutz beklagte die mangelnde Raffinesse der heutigen vor allem angelsächsischen Philosophischen Diskussion zum Beginn des 21. Jahrhunderts.

    Lütz scheint aber die Werke des norddeutschen philosophierenden Handwerkers Arno Schwedler noch nicht zu kennen, vor allem seine „Paderborner Schriften zur Gottlosigkeit und zum fachgerechten Gebrauch von Bandschleifern“ .

    Ein Philosophischer Diskurs zwischen Lütz und Schwedler könnte die klassischen Theologie modernisieren – Lütz käme mit Schwedler wahrscheinlich besser klar, weil er nicht so direkt ist wie der Angelsachse Richard Dawkins, deren philosophische Flachheit im Artikel von Lütz ja beklagt wird.

    Als Norddeutscher könnte Schwedler eine Plattdeuschte Brücke zu den Angelsachsen schlagen, denn die haben ihre Wurzeln ja auch in Norddeutschland.

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